Norton V4SV: Weniger Leistung, weniger Defekte?

Von Rolf Lüthi
Norton hat die mit Haltbarkeitsproblemen behaftete V4SS überarbeitet, Leistung und Drehmoment reduziert und bietet das Motorrad nun unter der Typenbezeichnung V4SV wieder an.

«Wir haben unsere umfassende Rennsport-Erfahrung kombiniert mit allen Anforderungen, die an ein Strassenmotorrad gestellt werden. Mit der V4SV haben wir die Messlatte höher gelegt als jemals zuvor», lässt uns Norton wissen.

Damit wird der Geschichte der Norton V4SS ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Als Norton noch im Besitz von Stuart Garner war, entwickelte Norton ein Sportmotorrad mit 1200er V4-Motor. Dieser V4 ähnelt dem bekannten Motor von Aprilia so stark, dass für Renneinsätze V4-Motoren von Aprilia ins Norton-Chassis eingebaut werden konnten. Trotz dieser Ähnlichkeit: Norton baute sämtliche Bestandteile dieses Motors selbst oder liess sie bei eigenen Zulieferern fertigen, denn Garner bestand darauf, dass ein britisches Superbike auch einen britischen Motor haben müsse.

Die Norton V4 SS wurde 2016 an der Motorradmesse von Birmingham präsentiert. Eine exklusive, auf 200 Stück limitierte Erstserie dieser Norton V4SS sollte gebaut werden, zum Stückpreis von 59.000 Euro. 2019 wurden die ersten Norton V4SS an Käufer in England ausgeliefert und mit dem vereinfachten Homologationsverfahren namens Motorcycle Single Vehicle Approval (MSVA) in England zum Strassenverkehr zugelassen.

Gemäss dem englischen Strassenverkehrsamt wurden 55 Norton V4SS so zugelassen. Ein Insider schätzt, dass insgesamt etwa 80 Norton V4SS gebaut und ausgeliefert wurden, was hinkommen dürfte, da ein Teil der V4SS in Sammlungen gestellt und nie auf der Strasse gefahren wurde.
Die limitierte Serie war ausverkauft, für alle 200 Stück hatte Garner mindestens Anzahlungen, teilweise den ganzen Kaufpreis erhalten. Mit diesem Geld beglich Garner fortwährend die dringendsten Verbindlichkeiten, bis Norton am 29. Januar 2020 auf Antrag der Hausbank Metro Bank unter Insolvenzverwaltung gestellt wurde.

Der Indische Hersteller TVS kaufte im April 2020 die Norton-Namensrechte und dazu die technischen Plattformen der V4- und der Atlas-Modelle. Als TVS die Produktion der V4SS wieder aufnehmen wollte, entdeckten die Norton-Techniker insgesamt 35 Konstruktionsfehler und Defektquellen. Sieben davon könnten zum Blockieren des Motors führen, drei könnten ein Feuer verursachen und weitere zu Kontrollverlust während der Fahrt führen. Moderat formuliert: Diese Motorräder sind Schrott, der allenfalls zu Dekorationszwecken dienen kann.

Den Besitzern einer V4SS bleibt einzig die Möglichkeit, bei der Herstellerfirma Schadenersatz einzufordern. Die Aussichten auf vollen Schadenersatz sind schlecht. Als Hersteller gilt nicht TVS-Norton, sondern Norton zur Zeit der Garner-Ära. Diese Firma gibt es noch, sie befindet sich in Abwicklung durch Insolvenzverwalter BDO, eine auf Insolvenzabwicklungen spezialisierte Firma. Der frühere Norton-Besitzer Stuart Garner hat im Dezember 2020 Privatinsolvenz angemeldet.

Nun hat TVS-Norton die V4SS in V4SV umbenannt und will die Produktion wieder aufnehmen, womit TVO die Ankündigung eingehalten hätte, dass «noch 2021» die Produktion der V4SS/SV wieder anlaufen soll.

Die Leistung des 1200er V4 mit 72° Zylinderwinkel wurde von 200 auf 185 PS bei 12.500/min zurückgenommen, das Drehmoment wird mit 125 Nm bei 9000/min angegeben, unter der Garner-Ära waren es noch 130 Nm bei 10.000/min gewesen.

Der Rest des Motorrads bleibt sich gleich: Handgefertigter Alurahmen, Öhlins-Federelemente, Brembo-Bremsen, Verkleidung und Tank aus Karbon. Auf der Norton-Homepage kann man sein Interesse anmelden. Ein Preis wird nicht genannt.

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