Stefan Pierer zum Rückzug von KTM: «Nicht genügend»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Brad Binder in Silverstone: Platz 3, jetzt WM-Fünfter

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KTM hat zwar bei den letzten fünf Grand Prix mit Brad Binder vier Podestplätze errungen, trotzdem bleibt es beim Ausstieg aus der Moto2-WM. Ganz einleuchtend ist die Begründung nicht.

Der Ausstieg von KTM aus der Moto2-Weltmeisterschaft kam für die Teams, Fahrer, Fans und Mitbewerber der österreichischen Marke ziemlich überraschend. Denn das Intermezzo von KTM in der Mittelgewichtsklasse dauerte nur drei Jahre – und brachte bisher zehn GP-Siege und dazu die Vizeweltmeisterschaft durch Oliveira 2027 und 2018.

Doch die ersten Motorräder für die neuen Triumph-Ära mit den 765-ccm-Dreizylinder-Motoren wurde gründlich verbockt. Erst in Assen Ende Juni gelang der ersten Podestplatz, in Spielberg Mitte August der erste Sieg in diesem Jahr. Bei manchen Grand Prix (Texas) schaffte KTM keinen WM-Punkt Podestplatz, in Mugello gelang mit neun Piloten kein Top-Ten-Ergebnis. Ein Desaster – nach sechs Siegen 2018!

Dabei war Brad Binder als letztjähriger WM-Dritter Favorit in die Saison gestartet. «Unsere Performance in der Moto2-Klasse zipft mich an», wetterte Firmenchef Stefan Pierer schon beim Jerez-GP. «In der Moto2 geht bei uns jetzt der Rauch auf, das schwöre ich», betonte der impulsive Firmenchef Stefan Pierer beim GP von Spanien. «Das ist jetzt ein Chef-Projekt. Wenn ich einen Einheitsmotor habe, Einheits-Reifen und eine Einheits-ECU, und wenn ein Werk wie KTM das Motorrad trotzdem nicht hinkriegt, dann muss ich sagen – nicht genügend.»

Tatsächlich sorgte Pierer dann im August für «tabula rasa». In einem ersten Plan sollte das Moto2-Aufgebot von KTM für 2020 von neun auf sechs Fahrer und von von fünf auf drei Teams reduziert werden – auf Red Bull Ajo, Red Bull Tech3 und Sama Qatar von Jorge Martinez.

Beim Österreich-GP ordnete Stefan Pierer am Freitag den Rückzug von KTM als Moto2-Chassis-Hersteller an. Ajo und Tech3 sollten aber in Red-Bull-Design in die WM 2020 gegen, wenn auch mit Kalex-Maschinen und Öhlins-Federelementen. Es wurde zu diesem Zeitpunkt noch überlegt, auf den Bikes für KTM zu werben.
Doch Kalex erbat sich Bedenkzeit. Der Motorradhersteller aus Bobingen hatte schon bei Forward die Anfrage negativ beantwortet, ob die Italiener MV Agusta-Bikes mit Kalex-Rahmen als MV Agusta einsetzen dürften.

Deshalb wurde am Samstag ein weiterer Plan über Bord geworfen und Red Bull-Tech3-zum Abstieg in die Moto3 überredet.
Nur das Ajo-Team bleibt also als Moto2-Brückenpfeiler für Red Bull und KTM in der Moto2, mit Kalex und Öhlins und den Piloten Jorge Martin und Iker Lecuona. Tech3 hatte ohnedies noch keinen Moto2-Faher unter Vertrag.

Ajo soll also die «Road to MotoGP» in enger Zusammenarbeit mit KTM zwischen Rookies-Cup, Moto3 und MotoGP schließen.
Außerdem: Honda, Yamahas, Suzuki, Ducati und Aprila betreiben auch kein Moto2-Team – und finden immer Nachschub für die MotopGP-WM.

Pierer hatte ein gegenteiliges Problem: «Wir haben in den letzten zwei Jahren mit Oliveira und Binder zwei starke Talent für die MotoGP aufgebaut. Für weitere Fahrer haben wir vorläufig gar keinen Platz. Wir wüssten gar nicht mehr, wo wir diese Fahrer unterbringen können. Der ehemalige Moto3-Weltmeister Jorge Martin wird im zweiten Jahr im Ajo-Team sicher weit nach vorne kommen», ist Pierer überzeugt. «Er ist ein Supertalent. Keine Frage.»

Pierer weiter: «In der Moto2 konnten wir nur mehr verlieren. Siege wurden als Selbstverständlichkeit abgetan, weil das gegen kleine Mitbewerber wie Kalex und Speed-Up erwartet wurde.»

«Wir haben gezeigt, dass wir in der Moto2 gewinnen können. Jetzt verlängern wir den MotoGP-Vertrag mit der Dorna bis Ende 2026 und wollen auch in der Königsklasse gewinnen. Dafür haben wir künftig mehr Ressourcen, mehr Geld und mehr Manpower.»

Pierer verriet im Februar 2019, KTM investiere jährlich 40 Millionen Euro in den GP-Sport, rund zehn Millionen davon steuere Red Bull als Hauptsponsor bei. 

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