Moto2-WM: Kommt endlich ein besseres Getriebe?

Von Günther Wiesinger
Moto2
Die Honda-Einheitsmotoren leisten rund 128 PS, das Getriebe ist nicht mehr zeitgemäss

Die Honda-Einheitsmotoren leisten rund 128 PS, das Getriebe ist nicht mehr zeitgemäss

Die Beschwerden über das Standard-Getriebe von Honda in der Moto2-WM werden immer lauter. Jetzt wird über eine Lösung nachgedacht. Es bestehen aber noch einige Hindernisse.

Seit 2010 wird in der Moto2-Weltmeisterschaft mit den CBR-600-RR-Einheitsmotoren von Honda gefahren. Und seither wird immer wieder Kritik an dem Standard-Getriebe laut, das einfach nicht für die Belastungen eines Motorrad-GP entwickelt und gebaut wurde.

Im vergangenen Winter äusserte Intact-Technik-Direktor Jürgen Lingg offen seine Bedenken. Er wurde jedoch von den Extern-Pro-Leuten in die Schranken gewiesen, die sich gemäss Dorna-Vertrag im Tecnoparc des MotorLand Aragón um den Aufbau, die Bereitstellung und die Revisionen der Einheitsmotoren kümmern. Manchen Teams wurden sogar Repressalien angedroht.

Die Motoren kosteten zuerst 56.000 Euro pro Saison, jetzt sind wir bei 63.500 Euro angelangt. Die Triebwerke werden für die IRTA-Tests und die Rennen ausgelost und dann den Teams zur Verfügung gestellt; jeweils nach drei Events werden Revisionen fällig.

Im Laufe der Saison 2015 wurde häufiger von Getriebeschäden berichtet, es passierten deshalb etliche Stürze, die Fahrer von Tom Lüthi bis zu Marcdel Schrötter und Sandro Cortese beklagten sich über herausspringende Gänge und ungewollte Verirrungen in den Leerlauf. Da auch Tech3-Fahrer Marcel Schrötter mehrmals betroffen war, brachte Teambesitzer Hervé Poncharal in Namen aller Rennställe im Oktober beim Malaysia-GP eine offizielle schriftliche Beschwerde ein, die einige Wirkung zeigte, weil der Franzose gleichzeitig Präsident der Teamvereinigung IRTA ist.

Die Fahrer und Teams plädieren seit einiger Zeit für ein modernes Renngetriebe, am liebsten wären ihnen ein Kassettengetriebe, um auch Getrieberäder tauschen zu können. Momentan kann die Übersetzung nur mit Hilfe des hinteren Kettenrads verändert werden.

Aber eine Änderung der Situation lässt sich nicht ohne weiteres bewerkstelligen. Denn die Dorna hat einen Vertrag mit HRC über die Lieferung der Motoren für die nächsten drei Jahren (2016 bis 2018), die Getriebe sind in diesem Deal enthalten.

Also muss zuerst eine Zustimmung von Honda eingeholt werden, die Verträge müssen angepasst werden. Zweitens muss geklärt werden, wer ein besseres Betriebe liefern könnte. Und drittens muss vereinbart werden, wer für die höheren Kosten aufkommt.

Inzwischen zeichnet sich ein Deal ab. Honda wird mit sanftem Druck und mit Hinweis auf die Sicherheit der Fahrer und das mangelhafte Image sanft unter Druck gesetzt.

Die zusätzlichen Kosten lassen sich bereits abschätzen. Sie dürften bei rund 10.000 Euro pro Fahrer liegen, diese Kosten werden auf die 21 Moto2-Teams und 34 Fahrer aufgeteilt. Sie werden also mit mehr als 300.000 Euro pro Saison beziffert.

«Das zahlen wir, weil die Kosten durch die Sturzschäden, die vom Standard-Getriebe verursacht werden, wesentlich höher sind», sagt die Mehrheit der Teambesitzer.

Aber bisher existiert noch keine endgültige Lösung. Die Zeit bis zu den ersten Tests 2016 wird allmählich knapp. Das Getriebe soll bei einem namhaften After-Market-Hersteller eingekauft werden. Es muss aber vorher auch sichergestellt werden, dass durch dieses Manöver die Probleme auch wirklich beseitigt werden.

Bisher suchen die GP-Verantwortlichen keinen Hersteller mit einem Kassettengetriebe. Die Moto2-WM soll weiter simpel gehalten werden, deshalb ist vorläufig kein Wechsel der Getrieberäder geplant.

Die Getriebeprobleme werden genau überwacht. Trevor Morris, Technical Director von Extern Pro, kennt die Getriebeprobleme. Falsch eingelegte Gänge und unerwünschte Wechsel in den Leerlauf sind die häufigsten Beschwerdeursachen.

«Aber wir haben die Anzahl der Zwischenfälle mit Hilfe verschiedener Massnahmen von 2014 zu 2015 um die Hälfte reduziert», sagt der Engländer.

Momentan wird in der Moto2-WM auch diskutiert, wie das technische Reglement nach der Saison 2018 aussehen soll. Die Dorna und IRTA möchten weiter Einheitsmotoren, aber die Basis muss nach neun Honda-Jahren besser werden.

Eventuell wird einfach ein Reglement erstellt, dann können sich unterschiedliche Hersteller bewerben. Oder die Werke bieten ihre aktuellen Supersport-Motoren an; MV Agusta hat bereits Interesse gezeigt.

Es könnte aber auch zu einer Freigabe des Motorenkonzepts wie in der Moto3-Klasse kommen, wobei natürlich die Kosten im Auge behalte werden müssen.

Es würde dann einen Maximalpreis für die Motoren geben, jeder Hersteller müsste mindestens zwölf Fahrer ausstatten, wenn die entsprechende Nachfrage besteht, Drehzahllimit, sechs Motoren pro Saison und Fahrer, Einheitsreifen, Einheitskupplung (jetzt von FCC) und Einheits-Elektronik wären dann weitere Fixpunkte.

Die Einheitsmotoren waren für 2010 eingeführt worden, weil die 250er-WM quasi zu einem Aprilia-Monopol verkommen war. Die Italiener verlangten pro Fahrer Leasinggebühren von 1,3 Millionen Euro, die Weiterentwicklung war wegen der drohenden Viertakt-Ära längst eingestellt worden.

Heute belaufen sich die Materialkosten in der Moto2-WM auf maximal 400.000 bis 500.000 Euro. Mit Vorjahresmaterial, das Zarco zum WM-Titel reichte, lässt sich eine Saison auch mit 300.000 Euro bestreiten, wenn sich die Anzahl der Stürze in Grenzen hält.

Eine Entscheidung über die technische Zukunft in der Moto-WM soll bis spätestens zum Saisonende 2016 fallen.

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