Kalex: Sieben-Tage-Woche für die Chefs

Von Günther Wiesinger
Moto2
Bei Kalex herrscht Hochbetrieb, es muss Material für 26 WM-Piloten erzeugt werden. 36 neue Chassis sollen bis Ende Januar fertig sein. Und ausserdem werden jetzt auch Klamotten designt und hergestellt.

Kalex engineering schlägt alle Rekorde: In der Saison 2016 werden nicht weniger als 26 Fahrer in der Moto2-WM auf Kalex unterwegs sein.

2015 wurde zum dritten Mal hintereinander die Konstrukteurs-WM gewonnen und zum vierten Mal (durch Stefan Bradl, Pol Espargaró, Tito Rabat und Johann Zarco die Fahrer-WM.

Im November wurden die ersten 2016-Prototypen in Jerez und Valencia getestet. Kalex-Geschäftsführer Alex Baumgärtel und seine Mannschaft hat momentan alle Hände voll zu tun, um alle Chassis für die ersten Februar-Tests fertigzustellen.

Alex, wie viele 2016 Chassis habt ihr bei den Tests im November schon eingesetzt?

Das waren acht Stück, aber nur die Kombination 2016er-Rahmen mit Kühler. Dieses Material bekamen dann: Cortese, Pons, Rins, Zarco, Lowes, Alex Márquez, Salom und Nakagami.

Wie viele 2016 Chassis müsst ihr bauen? Und bis wann?

Die Auslieferung beginnt in der letzten Woche im Januar 2016. Das sind dann noch einmal 14 Rahmen nur für die Standard Chassis-Pakete. Plus, ich schätze jetzt, noch einmal 14 Rahmen als Ersatzteile.

Müsst ihr personell weiter aufstocken?

Nein, das funktioniert recht gut so, wie wir es schon in der Vergangenheit aufgeteilt hatten. Ich glaube, wir konnten jedem die notwendige Aufmerksamkeit schenken.

Habt ihr momentan 7-Tage-Woche und 18-Stunden-Tage?

Klaus Hirsekorn und ich ziehen schon die sieben Tage durch, aber unsere Jungs müssen nicht Samstag und Sonntag in die Firma kommen. Natürlich haben wir ausreichend Druck und jede Minute ist kostbar, effektives Arbeiten ist gefragt. Aber im Grossen und Ganzen sind es für meine Jungs normale 8-h-Tage.

Suter löst keine Konstrukteurs-Lizez mehr. Laufen deshalb Iodaracing mit Fahrer Vazquez und das AGP-Team von Luigi Pansera (Fahrer: Remy Gardner udn Federico Fuligni) auch noch zu Kalex über? Oder haben die eh kein Geld und fahren mit 2015-Material von Suter?

Von Iodaracing habe ich noch gar nichts gehört. Pansera hat natürlich angefragt. Und als langjähriger Kunde – er war ja bisher Teamchef bei Italtrans – würden wir ihn natürlich auch bedienen. Bis dato habe ich aber keine Rückmeldung bekommen, wie es bei ihm aussieht. Es ist mit Sicherheit sehr schwierig für ihn, aus dem Stand das Budget für ein eigenes Team aufzutreiben.

Was sagst du zum Suter-Rückzug?

Unter den gegebenen Umständen habe ich Verständnis für die Entscheidung.

Du wolltest ja mal die Aufträge zwischen Suter und Kalex ein bisschen aufteilen. War das ein blauäugiges Ziel? Du gibst ja die besten Kunden auch nicht freiwillig her?

Bei aller sportlicher Fairness: Wer würde das schon tun? Natürlich war der Gedanke der Selbstbeschränkung da, aber wen haust du raus? Sollen wir Kiefer, mit denen wir 2011 unseren ersten WM Titel gefeiert haben, nicht bedienen? Wir betreiben keine Akquise, machen keine Angebote, um neue Kunden zu bekommen. Jeder erhält das gleiche Paket zum gleichen Preis. Unsere Preise sind seit Beginn stabil, erst 2014 auf 2015 haben wir eine Erhöhung um 3 Prozent umgesetzt.
Ich glaube, das ist außergewöhnlich im Rennsport, dass die Situation des Marktführers finanziell nicht ausgenutzt wird. Schon zu unserem Einstieg war unsere Philosophie: «Behandle deine Kunden wie du selbst behandelt werden willst.»
Ich glaube, das setzen wir auch um.

Kann es passieren, dass irgendwann im ganzen Feld nur noch Kalex fahren? Speed-up und Tech3-Mistral haben insgesamt nur fünf Fahrer, Suter bisher zwei.

Gute Frage. Keine Ahnung, glaube ich aber nicht. Aber einen echten Grund kann ich nicht nennen.

Was wären die Vor- und Nachteile einer Monopolstellung?

Vorteile: keine. Nachteile: Ich denke, dass sich doch jetzt schon die Zuschauer sich mehr Markenvielfalt wünschen, was ich auch verstehe. Aber die Moto2 ist die einzige Klasse in der Motorsport-WM ((Automobil und Motorrad), in der der Hersteller Geld verdienen muss; wir alle haben keine Marketing-Budgets. Ich bin der Überzeugung, dass wir uns fair durchgesetzt haben, über unser Produkt sowie unseren Auftritt im Paddock.
Teams und Fahrer sind sehr konservativ und teilweise auch von den Sponsoren getrieben, die manchmal auch an den Technik-Entscheidungen teilhaben. Das führt zu dem alten Slogan: Win on sunday, sell on monday. Und das ist marktwirtschaftlich ganz natürlich.
In der Moto2 musst du auf jede Kleinigkeit achten, um Jahr für Jahr bei stabilem Reglement technische Verbesserungen zu erzielen. Und das wird nicht einfacher, das macht es für jeden Neueinsteiger sehr schwierig.
Trotz allem, ich finde, diese Klasse bietet tollen Motorsport, bei dem die Fahrer und Teams den Unterschied machen.
Mit dem 600-ccm-Vierzylinder-Motor ist es ausserdem eine gute Schule für die MotoGP; die Fahrer werden hervorragend dafür ausgebildet.
Eine Reglementsänderung für 2017 wird für frischen Wind sorgen und die Karten neu mischen. Wir werden sehen, wie es in der MotoGP mit neuer Software und neuer Reifenmarke in 2016 aussieht.

Habt ihr weitere Pläne? Andere Serien? Holzer Motorsport wollte ein superteures Bike bauen?

Andere Serien, nein, wir konzentrieren uns auf Moto2. Das macht uns Spass. Wir wollen das Thema immer noch besser verstehen, das treibt uns an.
Aber tatsächlich starten wir im neuen Jahr mit einem neuen Businesszweig durch: Klamotten in Eigenentwicklung, Design und Schnitt made by KALEX. Zunächst noch ein bisschen merchandise-lastig, was sich aber in Zukunft als eigenständige Marke entwickeln soll. Meine Frau Nicole hat 20 Jahre Erfahrung in der Produktentwicklung; sie hat für Puma, New Yorker und Laurel gearbeitet. Wir sind sehr happy mit unseren Produkten.
Die Website, die wir in den letzten Jahren vernachlässigt hatten, wird gerade auf einen tollen Level gebracht. Unser Ziel ist es, mit neuer Website und Webshop im Februar 2016 «On Air» zu gehen.
Einen Teil der Produkte wird es auch an Verkaufsständen bei den Europa-Rennen geben sowie im «Official MotoGP Webshop». Es wird sehr spannend zu sehen, wie sich das entwickelt.
Bei Holzer wird das «Lotus Bike C-01» gebaut und entwickelt. Damit haben wir aber nichts zu tun.

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