Honda-Testteam: Gründe für den neuen Weg – und welche Baustellen es gibt
Seit Anfang 2025 leistet sich auch die Honda Racing Corporation ein in Europa stationiertes Testteam für die Superbike-Weltmeisterschaft. SPEEDWEEK.com sprach exklusiv mit Projektleiter Chris Pike.
Sämtliche sechs in der Superbike-WM involvierten Hersteller Bimota, BMW, Ducati, Honda, Kawasaki und Yamaha beschäftigen Testfahrer, um neue Teile zu eruieren oder neue Homologationsmodelle zur Rennreife zu bringen. Ducati und BMW haben dafür spezielle Testteams geschaffen, wie wir sie aus der MotoGP kennen. Inzwischen hat Honda nachgezogen.
«Mitte 2024 waren mit dem BSB-Team in Cremona, dort kam die Idee auf», schilderte Honda-Projektleiter Chris Pike die Anfänge. «Offiziell gibt es das Testteam seit Anfang 2025, es ist aber heute noch so, dass gewisse Entwicklungen aus Japan und von unserer Niederlassung in England kommen. In so einer Größenordnung kannst du nicht sagen, dass alles aus England kommt, dafür haben wir dort nicht genügend Personal und auch Wissen. Wir mussten erst eine Basis schaffen und haben eine Übergangsphase. Wir nutzen nach wie vor viele japanische Ingenieure, haben aber immer mehr Personal in Europa. Das heutige Testteam ist im gleichen Gebäude untergebracht wie in den 1990er-Jahren das Team Castrol Honda, es steckt also einiges an Geschichte dahinter.»
«Viele Jahre hat das BSB-Team seine eigenen Entwicklungen vorangetrieben», verdeutlichte Pike gegenüber SPEEDWEEK.com. «Sie hatten ein gewisses Level, was ihre Entwicklungsfähigkeiten betrifft. Wenn du aber den Schritt auf das WM-Level machst, dann braucht es etwas mehr. Nach und nach bauen wir einen Mitarbeiterstamm mit Mechanikern, Ingenieuren und Designern auf, Honda versucht, das mit internen Leuten zu bewerkstelligen.»
Die offiziellen Testfahrer in der Saison 2026 sind Superbike-Rekordchampion Jonathan Rea sowie der seit vielen Jahren für Honda tätige Japaner Tetsuta Nagashima. Ergänzend kann BSB-Pilot Ryan Vickers Aufgaben übernehmen.
Weshalb Honda seit der werksseitigen Rückkehr 2020 mit eigenem HRC-Team bis heute den Anschluss zur Spitze nicht geschafft hat, ist selbst für Pike schwierig zusammenzufassen. «Wir sind immer noch am Aufholen, dafür müssen wir größere Schritte machen», grübelte der Engländer. «In den vergangenen Jahren gelangen uns einige große Schritte, das reicht aber noch nicht. Wir entwickelten beispielsweise bei der Aerodynamik nicht so aggressiv, wie wir hätten sollen. Das ist ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen, mit den heutigen Superbike-Regeln ist das aber nicht einfach. Zu Beginn dieses Projekts war es schwierig für dieses Motorrad Grip aufzubauen, die Honda kam ständig quer daher. Seit damals ist das ein viel geringeres Problem geworden, wir haben Grip und das Bike lässt sich ordentlich kontrollieren. In den Bereichen Elektronik und Aerodynamik haben wir hingegen Aufholbedarf.»
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