Casey Stoner: «Zum richtigen Zeitpunkt reingerutscht»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Casey Stoner: «Ich habe brav trainiert»

Casey Stoner: «Ich habe brav trainiert»

Ducati-Testfahrer Casey Stoner durfte in Sepang zwei Testtage bestreiten. Der zweifache Weltmeister sprach hinterher über das Winglet-Verbot, seine Ducati-Erfolge und seine Vorbereitung auf den Testeinsatz.

Neben dem Ducati-Werksduo Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo durften auch die beiden Testpiloten Casey Stoner und Michele Pirro auf die Piste. Der Australier kam gleich an zwei Tagen zum Einsatz: Beim Auftakt fuhr der MotoGP-Champion von 2007 und 2011 mit 1:59,680 min sogar die Tagesbestzeit.

Auf der kombinierten Zeitenliste belegte der 31-Jährige schliesslich mit 1:59,639 min den achten Rang. Ducati-Neuzugang Jorge Lorenzo blieb mit 1:59,766 min knapp langsamer als Stoner, der nach der Saison 2012 zurückgetreten und 2016 nach drei Jahren als Honda-Testfahrer zu den Italienern zurückgekehrt war.

Nach dem Test stellte sich Stoner den Fragen der Journalisten und sprach dabei auch über sein Training an der Gold Coast und das Gefühl, nach so langer Zeit wieder einmal auf das Motorrad zu steigen.

Casey, die Winglets sind für 2017 verboten worden, zumindest auf der Außenseite der Verkleidung oder des «Aero Bodys». Vermisst du sie?


Sie waren beim Fahren bis zu einem gewissen Punkt recht hilfreich.
Sie konnten dir bei der Kontrolle und bei der Art des Fahrens mit dem Bike helfen. 

Auf manchen Strecken halfen sie massiv gegen die Wheelies. Mit den Flügeln wurde das Motorrad in Bereichen stabiler, in denen kein Motorrad wirklich stabil war. Das galt für alle Hersteller. Wenn ich mir anschaue, was manche Hersteller jetzt auf die Piste bringen, dann bereuen sie vielleicht ihre Entscheidung, im Vorjahr für das Verbot der Winglets gestimmt zu haben. 

Die Winglets hatten sicher ihre hohe Nützlichkeit. 

Anderseits bin ich jahrelang MotoGP ohne Flügel gefahren.

Wir mussten die Entwicklung der elektronischen Systeme stoppen, das ging meiner Meinung nach alles zu weit, die ECU wurden zu gut. Die einheitlichen Motorsteuerungen sind auch jetzt schon wieder zu weit fortgeschritten...
Mir wäre lieber, wenn wir da eine minimalisierte Methode finden würden. Aber momentan lässt sich da nichts ändern. Einerseits müssen wir die Industrie in Schwung halten und technologische Fortschritte erzielen.
Anderseits stellt sich die Frage: Wie weit sollen wir gehen? Das ist eine schwierige Debatte.


Wie groß ist die persönliche Befriedigung, wenn man so eine Ducati zum Sieger-Motorrad entwickelt? Und wie kann man diese Genugtuung mit einem Sieg als Fahrer vergleichen?


(Er lacht). Ich bin bei Ducati vielleicht einfach zum richtigen Zeitpunkt reingerutscht, wenn ich ehrlich bin...
Ich kann mir diese Erfolge nicht an die Fahne heften. Ich habe den Ingenieuren einige wichtige und nützliche Daten gegeben, so konnten sie in die richtige Richtung entwickeln. Es war sehr nett, wieder bei Ducati zu sein, als sie erstmals seit 2010 gewonnen haben. Zwei Siege in einem Jahr, das war fantastisch. und wir hatten weitere Gelegenheiten, bei denen es nicht geklappt hat.
Es war wirklich schön, in dieser Übergangsphase als Testfahrer mitgewirkt zu haben. Nach einem Jahr habe ich mich mit dem Motorrad wieder besser angefreundet. Ducati testet ja sehr viel. Ich fühle mich jetzt wieder als MotoGP-Fahrer, dadurch kann ich bessere Informationen abliefern. Denn ich fühle mich bei jedem Test nach wenigen Runden sehr wohl auf dem Motorrad.
Ich brauche nicht viele Runden, bis ich eine Meinung zum Material abgeben kann. Vor einem Jahr habe ich viel mehr Runden dafür gebraucht, um jeweils alles aufzusaugen. Diese Eingewöhnungsphase ist sehr spannend für mich gewesen.

Hast du für diesen Test irgendwie speziell körperlich trainiert?


Ich bin seit rund sechseinhalb Monaten nicht auf einer Rennmaschine gesessen. ich bin nirgendwo eine einzige Runde gefahren. Es wäre nett gewesen, wenn ich das hätte tun können.
In der Regel braucht man dann etwas Zeit, um den Speed wieder zu finden. Aber wir waren ja schon sehr oft auf dieser Rennstrecke in Malaysia, das war nützlich. Obwohl der neue Belag und die feuchten Stellen interessant sind.
Normalerweise wäre ich zumindest etwas Enduro gefahren oder sonst was. Aber ich war in den letzten Monaten fürchterlich stark beschäftigt. Ich bin seit Monaten nicht Motorrad gefahren.
Aber ich habe brav trainiert, es war sehr heiß an der Gold Coast, es waren also ideale Verhältnisse für die Vorbereitung auf das heiße Sepang. Dadurch ist mir das alles leicht gefallen.

Wenn du nach so langer Zeit wieder auf die MotoGP-Ducati steigst – hast du dann einen flauen Magen?


Nein, eigentlich nicht. Man nimmt einfach die Arbeit wieder auf. Die Elektronik hat sich nicht stark geändert, man kann immer noch sliden wie früher. Die jüngsten Fortschritte, die wir bei Ducati gemacht haben, ermöglichen mir, das Motorrad rasch zum Einlenken zu bringen, wenn das Gas aufgedreht ist. Das macht mir wirklich viel Spaß, ich kann nach Grip suchen und ihn finden.
Aber nach so vielen Jahren spüre ich keinen Adrenalinkick mehr. 'It's back to work, basically.'

MotoGP-Test in Sepang, kombinierte Zeitenliste aller drei Tage:

1. Maverick Viñales, Yamaha, 1:59,368 min
2. Andrea Iannone, Suzuki, 1:59,452
3. Marc Márquez, Honda, 1:59,506
4. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:59,553
5. Dani Pedrosa, Honda, 1:59,578
6. Valentino Rossi, Yamaha, 1:59,589
7. Álvaro Bautista, Ducati, 1:59,628
8. Casey Stoner, Ducati, 1:59,639
9. Cal Crutchlow, Honda, 1:59,728
10. Jorge Lorenzo, Ducati, 1:59,766
11. Johann Zarco, Yamaha, 1:59,772
12. Alex Rins, Suzuki, 2:00,057
13. Aleix Espargaró, Aprilia, 2:00,108
14. Danilo Petrucci, Ducati, 2:00,310
15. Jonas Folger, Yamaha, 2:00,312
16. Héctor Barberá, Ducati, 2:00,352
17. Jack Miller, Honda, 2:00,439
18. Karel Abraham, Ducati, 2:00,445
19. Scott Redding, Ducati, 2:00,645
20. Loris Baz, Ducati, 2:00,873
21. Pol Espargaró, KTM, 2:01,338
22. Bradley Smith, KTM, 2:01,338
23. Sam Lowes, Aprilia, 2:01,341
24. Michele Pirro, Ducati, 2:01,382
25. Katsuyuki Nakasuga, Yamaha, 2:01,658
26. Takuya Tsuda, Suzuki, 2:01,812
27. Kouta Nozane, Yamaha, 2:02,187
28. Tito Rabat, Honda, 2:02,189

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