Katar-GP: Warum im Nassen nicht gefahren werden kann

Von Günther Wiesinger
Katar: Am Samstag blieben die Motorräder an den Boxen

Katar: Am Samstag blieben die Motorräder an den Boxen

Die Fahrer hatten es immer vermutet, seit Samstagabend weiß es auch die Race Direction: Auf dem Losail Curcuit ist ein Fahren bei Regen nicht machbar. Weil das Wasser nie abrinnt!

Nach langem Hin und Her musste sich die Race Direction am Samstagabend um 20 Uhr in Katar ins Unvermeidliche fügen – und die Samstag-Trainings auf dem Losail Circuit absagen – also auch alle vier Qualifying-Sessions. Es gilt jetzt die Gesamtwertung der drei freien Trainings als Startaufstellung.

«Das war kein einfacher Tag für uns. Wir haben uns bemüht, die Trainings zu ermöglichen», stellte Loris Capirossi fest, der dreifache Weltmeister, der jetzt mit Mike Webb und Franco Uncini in der Race Direction sitzt. «Wir haben geschaut, in welchen Zustand wir die Piste nach dem heftigen Regen bringen können. Wir hofften, wir können das Problem lösen. Aber am Ende haben wir eingesehen, dass das Problem grösser ist als erwartet, also mussten wir alles absagen. Das Problem: Es existiert hier in Losail nicht einmal der Ansatz einer Drainage, das Wasser fließt nicht ab, weil niemand hiermit Regen rechnet. Es fehlt jegliche Kanalisation. Dadurch wird die Piste zu langsam trocken, das haben wir vor einer Woche hier schon beim Moto3/Moto2-Test hier gesehen, jetzt wieder am Samstag beim Grand Prix.»

«Wir werden von den Verantwortlichen für die Rennstrecke hier in Losail für die nächste Saison sicher Drainage-Arbeiten verlangen, es muss eine Entwässerungsanlage gebaut werden. Aber für dieses Wochenende lässt sich die Situation nicht gravierend ändern. Wir haben wegen des abgesagten Samstag-Trainings das Warm-up von 20 auf 30 Minuten verlängert, in allen drei Klassen», stellte Capirossi fest. «Und wir hoffen natürlich, dass das Wetter jetzt trocken bleibt. Es wurde auch in der Nacht geschuftet, um das Problem mit den Pfützen zumindest verbessern zu können. Diese Arbeiten werden bis zum Nachmittag andauern, bis zum Warm-up.»

Die Hauptprobleme: An mehreren Stellen rannen gestern am Abend immer noch Bächlein und Rinnsale über die Strecke. Und in den Auslaufzonen standen kleine Seen.

«An solchen nassen Stellen hättest du als Fahrer in der Kurve das Motorrad dreimal umlegen müssen, weil es zwischen den trockenen Stellen plötzlich wieder richtig nasse Stellen gab», erklärte Moto3-KTM-Pilot Philipp Öttl, der vom zweiten Startplatz wegfährt.

Die Streckenbetreiber bemühten sich am Samstag, notdürftige Lösungen zu suchen und an den neuralgischen Stellen Löcher zu bohren, damit das Wasser abrinnt. Denn es besteht laut Wetterbericht auch heute die Chance auf leichten Regen, obwohl es jetzt um 9 Uhr früh Ortszeit nicht danach aussieht. Es ist bewölkt, aber trocken.

«Ja, in der Auslaufzone von Turn 8 stand wirklich ein See, das ist keine Übertreibung», räumte Capirossi ein. «Da es keine Drainage gibt, wird das Wasser immer wieder von unten an die Oberfläche gedrückt, denn unter dem Sand befindet sich hier felsiges Gestein. Wir haben viele Pfützen auf der Strecke beseitigt, nach zehn Minuten waren sie wieder da... Obwohl es nicht mehr geregnet hat. Deshalb haben wir uns am Samstagnachmittag die Zeit genommen, aber das reichte nicht aus, um Herr der Probleme zu werden. Die Situation hat sich langsam gebessert. Aber man hätte auch um 21.30 Uhr noch nicht fahren können, obwohl es ab 16 Uhr nicht mehr geregnet hat.»

«Leider sehen die Prognosen auch für Sonntagfrüh nicht einwandfrei aus. Man muss weiter mit Regen rechnen. Ab 11 Uhr soll der Regen aufhören, am Nachmittag soll das Wetter dann gut sein. So sehen unsere Informationen aus», erklärte der Italiener. Dann seufzte er: «Wir haben das Wetter nicht unter Kontrolle.»

Loris Capirossi hatte hier in Losail im Februar in der Nacht bei Flutlicht mit einer 600-ccm-Supersportmaschine getestet, die Piste war damals bewässert worden. «Ja, wir sind gefahren, da noch nie vorher das jemand ausprobiert hat», sagte Capirossi. «Wir hatten zwar keinen Regen, aber wir haben die Piste künstlich bewässert. Das sind natürlich andere Verhältnisse, als wenn es wirklich ausgiebig regnet. Das konnten wir nicht simulieren... Ich habe nie behauptet, dass man hier ein GP-Training bei Regen fahren kann. Aber ich habe erklärt, man sollte allen Piloten in allen drei Klasen die Möglichkeit geben, auch bei Regen zu testen und zu trainieren. Ich will und kann diese Entscheidung nicht treffen, ob es zumutbar ist, hier bei Flutlicht auf nasser Fahrbahn zu fahren. Diese Entscheidung müssen immer die Fahrer treffen. Sie müssen entscheiden, ob das vom Standpunkt der Sicherheit machbar ist oder nicht. Ich entscheide das nicht. Aber wir wollten den Fahrern sagen können: Prüft die Bedingungen bei nasser Fahrbahn. Nach dem gestrigen Samstag wissen wir: Bei Regen kann man hier nicht fahren, weder bei Tag noch bei Nacht, denn ohne Drainage fließt das Wasser nicht ab. Wenn wir viel Wasser haben, lässt sich das Problem hier auch am Tag nicht beherrschen. Wir haben ähnliche Probleme in Sepang, in Jerez und Misano. In Misano mussten wir vor einigen Jahren auch das Freitag-Training streichen, weil überall Hochwasser stand. In Malaysia beschäftigen uns diese Probleme auch seit längerer Zeit, jetzt wird an Lösungen gearbeitet.»

Wichtig: Wenn es trocken bleibt werden alle drei Rennen wie geplant im Fernsehen (Eurosport und ServusTV) übertragen, in der Schweiz ist zumindest das Moto2-Rennen live eingeplant.

Jetzt gibt es einen neuen Zeitplan für Sonntag, 26. März
(Angaben in mitteleuropäischer Sommerzeit)

12.20 Uhr: Idemitsu Asia Talent Cup, Race 1 (14 Runden)
14.20 Uhr - 14.50 Uhr: Warm-up Moto3
15.05 - 15.35 Uhr: Warm-up Moto2
15.50 - 16.20 Uhr: Warm-up MotoGP
17.00 Uhr: Rennen Moto3 (18 Runden)
18.20 Uhr: Rennen Moto2 (20 Runden)
20.00 Uhr: Rennen MotoGP (22 Runden)

Nicht vergessen: In der Nacht auf Sonntag wurden die Uhren auf mitteleuropäische Sommerzeit umgestellt. Deshalb schrumpfte der Zeitunterschied zu Katar von zwei Stunden auf eine Stunde.

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