Cal Crutchlow: Vom Teamwechsel ist keine Rede mehr

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Cal Crutchlow

Cal Crutchlow

LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow lobt die Atmosphäre im LCR-Team, bezeichnet aber Lucio Cecchinello kokett als Schwächling. Und er kritisiert jene Gegner, die reihenweise ihre Crew-Chiefs wechseln.

Der 32-jährige Cal Crutchlow führte nach dem Sieg beim Argentinien-GP 2018 in der MotoGP-Weltmeisterschaft.

Eine Genugtuung für das Kämpferherz aus Großbritannien, denn der LCR-Honda-Pilot musste in seiner Karriere schon viele Rückschläge einstecken.

Und Crutchlow machte dann gegenüber den Medien prompt wieder Anspielungen auf seine Möglichkeiten für 2019, obwohl er vor einem Jahr einen wasserdichten HRC-Vertrag für 2018 und 2019 unterschrieben hat.

Aber Cal würde natürlich gern ins Repsol-Honda-Team wechseln – statt Dani Pedrosa. Und wenn dort in letzter Zeit Fahrer wie Zarco und Dovizioso im Gespräch waren und sogar Moto3-Weltmeister Joan Mir einen Vorvertrag unterzeichnet hat, dann darf man ihm vielleicht nicht verübeln, wenn er sich bei HRC ins Gespräch bringt, indem er von angeblichen anderen Angebote spricht.

In Wirklichkeit ist Crutchlow, inzwischen durch nur acht Punkte in drei Rennen auf WM-Rang 8 zurückgefallen, bei keinem Werksteam ernsthaft zur Diskussion gestanden. Niemand möchte ihn aus dem HRC-Vertrag rauskaufen, so wie ihn HRC im Sommer 2014 aus dem Ducati-Werksvertrag rausgesprengt hat. Aber: Die Roten wollten Cal damals sowieso loswerden. Denn er war teuer und stand im Schatten von Andrea Dovizioso.

Nach den zweideutigen Bemerkungen hinsichtlich der Saison 2019 wurde Cal Crutchlow offenbar von HRC und LCR-Teambesitzer Lucio Cecchinello zur Ordnung gerufen.

Denn plötzlich schlägt er wieder Schalmaientöne an.

«Mein Team in der MotoGP-WM ist großartig», stellte der Le-Mans-GP-Achte und Jerez-Polesetter fest. «Crew-Chief Beefy und die Jungs in der Box – wir haben Spaß. Das gehört dazu. Du musst Freude mit deinem Team haben. Sie sind oft getrennt von ihren Familien. Das ist kein leichter Job. Du brauchst ein gutes Umfeld, und wir haben ein gutes Umfeld. Ich hatte aber in jedem Team, in dem ich gefahren bin, eine gutes Umfeld.»

«Wenn du ein schlechtes Jahr erlebst oder ein schlechtes Rennen hinter dir hast… Ich habe nie ein Team verlassen und dann das Gefühl gehabt, dass mich nur eine einzige Person im Team nicht mochte. Das ist wichtig für mich, weil ich diesen Zusammenhalt gerne aufbaue», sagt Cal. «Bei Tech3 hatte ich Spaß. Teambesitzer Hervé Poncharal ist immer noch einer meiner besten Freunde. Wenn du ihn fragst, wer sein bester Fahrer war, wird er meinen Namen erwähnen… Und dabei in Lachen ausbrechen! Ich rede nicht vom Besten auf der Piste, sondern vom Besten insgesamt. Bei Ducati rede ich mit Davide Tardozzi alle zwei Tage. Und zu meinen Ducati-Mechanikern von 2014 habe ich immer noch Kontakt. Ich wäre damals gern bei Ducati geblieben. Bei LCR ist es jetzt genauso. Ich habe Lucio, er ist ein Schwächling, das mag ich nicht, denn ich bevorzuge jemanden, der mich manchmal in die Eier tritt. Aber mein Verhältnis zu ihm ist sehr, sehr gut.»

«Ich habe meinem Team nie den Rücken zugekehrt und dann behauptet, es sei nicht gut», fährt Draufgänger Crutchlow fort. «Deshalb habe ich auch nie etwas in meinen Teams geändert. Man sieht Fahrer, die verheizen ihre Crew-Chiefs so schnell wie Freundinnen. Vielleicht sollten sie sich lieber selber in Frage stellen.»

Gefällt es Cal Crutchlow im familiären LCR-Team besser als zum Beispiel bei Ducati Corse? «Das Team ist so, wie du es aussehen lässt. Bei Ducati gab es viele Dinge, die ich machen wollte. Und es gab andere Dinge, die ich nicht machen wollte. Es ging nicht darum, was ich sagen oder nicht sagen durfte. Wenn mir jemand befiehlt, den Mund zu halten, dann halte ich ihn. Wenn mir Honda verbietet, über ein gewisses Thema nicht zu reden, dann rede ich nicht darüber. Aber wenn ich sage, das Motorrad ist eine Rakete, dann sind wir happy. Dann sind wir alle happy.»

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