Lucio Cecchinello/LCR: Kritik & Lob für Cal Crutchlow

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Cal Crutchlow hat dem LCR-Team schon drei Siege beschert, aber Teambesitzer Lucio Cecchinello hat wegen dem Briten auch schon graue Haare bekommen. Der Italiener spricht offen über seinen Topfahrer.

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello, freute sich 2016 über zwei MotoGP-Siege von Cal Crutchlow. 2017 schaute kein Sieg heraus, aber 2018 triumphierte der Brite schon beim zweiten Rennen in Las Termas, er war dann sogar WM-Leader.

Aber der angriffslustige Engländer hat Lucio Cechinello auch schon einigen Kummer beschert, zum Beispiel 2018 in le Mans, wo er nach dem Samstag-Crash erst am Sonntag um 8 Uhr aus dem Krankenhaus entlassen wurde – und dann noch auf Platz 8 brauste.

Momentan liegt Crutchlow in der WM an achter Position. Auch in seiner vierten Saison bei LCR-Honda erlebet der Haudegen einige Rückschläge. In Argentinien wurde der bisher einzige Podestplatz in diesem Jahr erzielt.

Lucio, du hast ein paar graue Haare bekommen. Auch wegen Cal Crutchlow?


(Er lacht). 
Cal ist ein sehr schneller Pilot. Ohne Zweifel. Er ist ein Fahrer, der mehr mit seinem Herz fährt als mit dem Kopf. Er macht sich nicht allzu viel Gedanken darüber, wie er die Rennen managen soll. 
Jedes Mal, wenn er eine kleine Lücke sieht, in die er hineinstechen könnte, attackiert er. Er fährt einfach drauflos.


Manchmal gelingt es ihm, ein artistisch wunderbares Meisterstück zu vollführen. Manchmal misslingt dieser Angriff.


Dann stürzt er womöglich zweimal in einem Rennen… Cal ist in der WM auf Platz 8 zurückgefallen, es fehlt die Konstanz.

Ja. Das ist ein Teil seiner Schwachstellen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dieses Problem nicht gemeinsam mit ihm in den Griff bekommen können. Wir arbeiten daran. 
Wir wollen diesen Bereich der Schwäche zumindest lindern oder verbessern.


Kann man einen Rennfahrer im Alter von 32 Jahren wirklich noch verändern?


Das ist ein guter Punkt. Es ist definitiv schwierig. 
Aber ich sehe bei Cal immer noch viel Motivation. Er ist sehr fit und sehr fokussiert.


Und er hat gelernt, mir manchmal zuzuhören. Zum  Beispiel habe ich in Mugello zu ihm gesagt: «Wir müssen bei diesem Rennen unbedingt ins Ziel kommen.» Denn wir sind in Texas gestürzt, wir sind in Jerez gestürzt, wir sind in Le Mans am Samstag heftig gestürzt.
 Deshalb war es zweifelsohne wichtig, in Mugello in die Punkte zu fahren. Cal ist dann als bester Honda-Fahrer auf Platz 6 gelandet, er war bester Fahrer aus einem Kundenteam. Das war für uns ein bemerkenswertes Ergebnis.

Cal weiß, dass er Schwachpunkte hat, um die er sich kümmern muss. 


Cal Crutchlow trägt das Herz oft auf der Zunge, er ist nicht der geborene Diplomat. Im Mai hat erzu den Medien gesagt, er habe Angebote von anderen Werken, sein HRC-Vertrag sei nicht einmal das Papier wert, auf dem er geschrieben wurde. Diese Aussagen können dir und Honda nicht gefallen haben.


Hm. Ich habe danach nicht direkt mit ihm gesprochen. Aber er hat vielleicht bemerkt, dass er ein bisschen zu weit gegangen war. Wenn du ein Agreement auf diesem Level hast, mit einem Partner wie Honda und HRC, musst du diese Vereinbarung respektieren.


Was mir an Cal gefällt: Jedes Mal wenn er eine Gelegenheit sieht, versucht er sie auszunützen. Es spielt keine Rolle, auf welche Art und Weise das passiert.


Das geschieht auf der Rennstrecke, das geschieht auch neben der Piste.


Ich glaube, als er gespürt hat, dass Dovizioso vielleicht nicht bei Ducati bleibt, hat er ein sehr konkurrenzfähiges Motorrad gesehen, auch das finanzielle Potenzial war reizvoll, also hat er überlegt, ob er diese Chance packen könnte.


Er meinte, er könnte bei Ducati für 2019 einspringen.
 Und da Ducati ein großes Budget hat, hat er wohl vermutet, man könne ihn mit einem Penalty aus dem HRC-Vertrag von 2019 herauskaufen. Aber im HRC-Vertrag ist so eine Möglichkeit für einen Ausstieg nicht vorgesehen. Es gibt für ihn keine Ausstiegsklausel in dem Vertrag.


Was nicht wirklich sinnvoll war: Dass Cal in der Öffentlichkeit darüber gesprochen hat.


Wenn du eine Idee hast und wenn du so eine Chance siehst, ist es besser, wenn du das heimlich abklärst, wenn du das vertraulich machst. Erst wenn du überzeugt bist, dass es klappen wird, kannst du laut darüber reden.


Wie Jorge Lorenzo, der seinen Wechsel zu Repsol-Honda ganz im Geheimen angebahnt und Ducati überrascht hat.


Ja. Ich würde Cal gern den Rat geben: Bitte schau' dir auch in Zukunft alle Möglichkeiten und Gelegenheiten an, auch wenn ein gültiger Vertrag existiert, denn es ist richtig: Wenn du höflich und professionell auftrittst, kann man immer eine vernünftige Lösung finden. Da stimme ich zu.


Aber ich würde die Verhandlungen zuerst im Verborgenen führen.

Vielleicht wollte Cal auch zu Repsol-Honda, nachdem dort Johann Zarco abgesagt hatte? Er hatte sicher das Gefühl, er verdiene diesen Platz mehr als Dani Pedrosa. Das kann ihm keiner verübeln. 


Ja, ja. Das wäre verständlich.

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