Ducati GP26: Bringen Schritte nach hinten den Sprung nach vorne?
Vor, während und nach dem MotoGP-Test in Sepang drangen aus dem Ducati-MotoGP-Lager kaum Geräusche an die Öffentlichkeit. Die Ergebnisse nach dem Malaysia-Marathon sprachen aber einmal mehr für sich.
«Sorry, das Management steht leider bei diesem Test für keine Gespräche zur Verfügung», so die doch überraschende Antwort der Ducati-Presseabteilung beim MotoGP-Testmarathon in Sepang. Trotz freundlicher Gesichter und netter Gesten aus dem Lager der Roten blieben sowohl beim dreitägigen Shakedown mit Tester Michele Pirro als auch bei der folgenden Erprobung mit den Stammpiloten inklusive Welt- und Vizeweltmeister die Medien außen vor.
Die extrem fokussierte Herangehensweise ist keine Überraschung, denn für Ducati Corse hat die Saisonvorbereitung 2026 höchsten Stellenwert. Man will nicht noch einmal in die außergewöhnliche und energieraubende Lage wie im Vorjahr geraten. Denn 2025 brachte zwar auch die Titel in allen Disziplinen, doch zugleich war ein Leistungs- und Stimmungsgraben bei den Piloten entstanden.
Denn während Marc Marquez die offensichtlichen Schwachstellen der GP25 einfach überfuhr, strauchelten die beiden Italiener Pecco Bagnaia und Fabio Di Giannantonio. Beide mussten sich auf der GP25 mit Platz 5 und 6 in der Tabelle noch hinter der Konkurrenz aus Italien (Aprilia/Bezzecchi) und Österreich (KTM/Acosta) anstellen.
Blendend lief es wiederum für Alex Marquez, der auf der Vorjahres-Ducati seine beste Saison in der Königsklasse fuhr und souveräner Vize wurde. Auch wenn Piloten aus allen drei Ducati-Teams weiter zur Elite der MotoGP und Gresini-Pilot Fermin Aldeguer als bester Rookie die Nutzerfreundlichkeit der Desmosedici bestätigten, war nach dem Ausfall von Marc Marquez (ab Mandalika) auf der Strecke kein Vorteil mehr für die Renner aus Bologna zu erkennen.
Der Aprilia-Doppelsieg beim Finale in Valencia beendete das Jahr mit einem ebensolchen Ausrufezeichen. Weiter ging es beim Testtag nur zwei Tage nach dem GP. Als wieder zwei RS-GP an der Spitze standen und mit Alex Marquez und Fermin Aldeguer zwei GP26-Piloten folgten, hatte der Test vor allem eines für Ducati Corse geklärt – nämlich mit welcher Basis man 2026 nicht an den Start gehen wird.
Die Hinweise auf den Entwicklungsstand des 2026er-Prototyps kamen von den Piloten. Bis zum Ende der großflächigen Erprobung sprachen alle Fahrer mit Werksmaterial stets von einer hybriden Spezifikation aus GP25 und GP26, deren Entwicklung sich noch bis zum Thailand-Test eine Woche vor dem Saisonstart hinziehen wird. Alex Marquez, der die GP25 nie in einem Rennen bewegt hatte, erzählte in Sepang vom positiven Charakter der GP24, der für ihn weiterhin erhalten blieb.
Das Ziel der Übung ist klar. Ducati will eine erneute Spaltung unter den Piloten mit Werksmaterial vermeiden. Als Mittel zum Zweck kam hier auch wieder die kerngesunde Basis der GP24 zum Einsatz – die nun mit den Lerneffekten aus 2025 plus ganz neuer Teile für 2026 zur Universalwaffe werden soll. Neu – das bezieht sich in erster Linie auf das Entwicklungsfeld der Aerodynamik.
Das Entscheidende: Das Rezept «das Beste aus drei Welten» führt offensichtlich zum vorgegebenen Ziel, ein Bollwerk mit Namen GP26 zu errichten. Denn als es am finalen Tage in Sepang sowohl um Speed auf eine Runde als auch um Simulationen von Renndistanzen ging, versammelten sich die hybriden Desmosedici geschlossen an der Spitze. Stellenweise rangierten alle vier GP26 auf den ersten vier Positionen. Die Zeiten von Alex Marquez, der Sepang als Spitzenreiter verließ, und von VR46-Pilot Di Giannantonio (3.) haben eine hohe Aussagekraft – beide fuhren jeweils volle Sprintdistanzen.
Dass Marco Bezzecchi in den letzten Minuten noch einen Keil in das Quartett trieb und sich mit der RS-GP Platz 2 vor Pecco Bagnaia und Marc Marquez schnappte, dürfte das Corse-Management nicht verunsichern. Denn während Noale einen heißen Siegkandidaten hat, warten nach der Malaysia-Reise auf Ducati-Seite gleich vier Fahrer mit den besten Karten zum Saisonstart 2026.
Pos.
Fahrer
Hersteller
Zeiten
1.
Alex Marquez (E)
Ducati
1:56,402 min
2.
Marco Bezzecchi (I)
Aprilia
+0,124 sec
3.
Fabio Di Giannantonio (I)
Ducati
+0,383
4.
Marc Marquez (E)
Ducati
+0,387
5.
Francesco Bagnaia (I)
Ducati
+0,527
6.
Franco Morbidelli (I)
Ducati
+0,728
7.
Raul Fernandez (E)
Aprilia
+0,843
8.
Pedro Acosta (E)
KTM
+0,851
9.
Joan Mir (E)
Honda
+0,866
10.
Enea Bastianini (I)
KTM
+0,888
11.
Ai Ogura (J)
Aprilia
+0,924
12.
Alex Rins (E)
Yamaha
+1,178
13.
Brad Binder (ZA)
KTM
+1,188
14.
Maverick Vinales (E)
KTM
+1,197
15.
Johann Zarco (F)
Honda
+1,199
16.
Luca Marini (I)
Honda
+1,403
17.
Jack Miller (AUS)
Yamaha
+1,754
18.
Toprak Razgatlioglu (TR)
Yamaha
+1,924
19.
Diogo Moreira (BR)
Honda
+2,074
20.
Lorenzo Savadori (I)
Aprilia
+2,500
21.
Augusto Fernandez (E)
Yamaha
+2,876
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