Fabio Quartararo: Kommt die MotoGP zu früh für ihn?

Kolumne von Manuel Pecino
MotoGP
Fabio Quartararo

Fabio Quartararo

Warum hatte es das SIC-Petronas-Yamaha-Team so eilig, Fabio Quartararo unter Vertrag zu nehmen? Einen Fahrer ohne GP-Sieg, der drei Jahre in der Versenkung war?

Ich verstehe die Dringlichkeit nicht, mit der das neue SIC-Petronas-Yamaha-Team den 19-jährigen Franzosen Fabio Quartararo unter Vertrag genommen hat. Dass der sehr junge Franzose Talent hat, ist unumstritten. Es gibt niemanden, der sich im Rennsport auskennt und dieser Ansicht widerspricht. Quartararo hat das Talent, mit einem Motorrad schnell zu sein.

Aber seine Akte zeigt auch, dass er unter Druck manchmal zusammenbricht.

Nachdem das Talent in der internationalen CEV Repsol-Moto3-Meisterschaft mit 14 und 15 Jahren zweimal mit eiserner Hand dominierte, kam er in die Moto3-Weltmeisterschaft, wo er in Emilio Alzamoras starkem Estrella-Galicia-0,0-Honda Team als «der neue Márquez» betitelt wurde.

Fabio wurde den Erwartungen jedoch nicht immer gerecht. Im ersten Jahr 2015 schaffte er immerhin den zehnten WM-Rang. Er unterschrieb Ende des Jahres enttäuscht für 2016 beim Team Leopard-Honda. In dem Moto3-Team aus Luxemburg blieb er eine Saison, er schaffte keinen Podestplatz und beendete die WM als Dreizehnter, bevor er beim Team Pons unterschrieb, einem der führenden Moto2-Teams, bei dem er dieselben Resultate erzielte. Der 13. WM-Rang war gut, aber keine Offenbarung, wenn man die Performance mit Vorgängern und anderen Rookies wie Viñales, Rins, Bagnaia oder Mir vergleicht.

Nachdem sein Stern quasi erloschen war, wechselte Quartararo für 2018 zu Luca Boscoscuros Speed-Up-Moto2-Rennstall. In einem Umfeld, in dem weniger Druck auf ihn ausgeübt wurde, sammelte Fabio langsam, aber sicher wieder Selbstvertrauen. Daraus folgte, dass sich seine Resultate verbesserten, bis er in Barcelona Mitte Juni einen unerwarteten Sieg erzielte und zwei Wochen später in Assen Zweiter wurde. Zwei Resultate (ja zwei!), die seine Glaubhaftigkeit so untermauerten, dass er bald als erste Wahl für den zweiten Fahrerplatz neben Morbidelli im neuen SIC-Petronas-Yamaha-Team galt, als Dani Pedrosa dort absagte.

Diese Dringlichkeit, Fahrer unter Vertrag zu nehmen, die während drei Jahren überhaupt nicht wahrgenommen wurden, lässt mich hinterfragen, warum es die Teams so eilig haben. Vor allem nach den jüngsten Erfahrungen mit Zarco, Viñales oder Lorenzo.

Erinnert sich jemand, was passierte, nachdem Zarco frühzeitig bei KTM unterschrieben hatte? Oder die unnötige Eile, Viñales vor Beginn der Saison weiter bei Movistar-Yamaha unter Vertrag zu nehmen? Später hätte man Lorenzo zurückhaben können...

Und welchen Sinn hatte die Eile von Ducati, als es ihnen darum ging, Jorge Lorenzo rasch loszuwerden? Der Satz «Eile ist ein schlechter Ratgeber» ist ein alter, aber weiser Ratschlag.

Warum muss man gleich Quartararo nehmen? Wäre es nicht schlauer gewesen, noch fünf, sechs oder sieben Rennen zu warten und ihn weiter zu beobachten, bis man ihm das SIC-Petronas-Bike anbietet? Wenn er mit weiteren guten Resultaten bewiesen hat, dass er des neuen Yamaha-Motorrads würdig ist?

Fabio Quartararo (19) würde ruhiger fahren, wenn er wüsste, dass ein gutes Motorrad auf ihn wartet. Und das Team könnte sehen, wie Fabio auf den Druck, Resultate erzielen zu müssen, reagieren würde.

Wenn alles gut laufen würde, hätte man den Beweis, dass er in mehr als nur in zwei Rennen gut performen kann. Wenn es nicht so gelaufen wäre wie gehofft, hätte das Team immer noch genug Zeit gehabt, sich nach einer Alternative umzusehen. Álvaro Bautista zum Beispiel ist verfügbar, er war Fünfter in Deutschland. Oder Bradley Smith. Er ist in Sachsen auf Platz 10 gelandet.

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