MotoGP

Matthias Moser: «Sachsenring-GP kann profitabel sein»

Von Günther Wiesinger - 01.08.2018 12:59

Der Investmentbanker und Superbike-WM-Teambesitzer Matthias Moser will 75,1 % der SRM GmbH übernehmen und Sachsenring-GP-Promoter werden.

«Ich mache das schon mein Leben lang, dass ich Firmen übernehme, vor allem für institutionelle Investoren», sagt Matthias Moser im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Bevor ich mich zu irgendetwas hinreißen lassen habe, habe ich eine ordentliche Sorgfaltsprüfung durchgeführt. Ich habe damit Ernst & Young beauftragt, das gesamte Zahlenwerk zu prüfen. Die große Frankfurter Kanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy hat das gesamte Vertragswerk geprüft. Da sind von der SRM alle Zahlen bis ins letzte Detail vorgelegt worden. Es gab da nie irgendwelche Probleme. Auf Grund dieser Zahlen und auch auf Grund der Zahlen von 2018, die mir vorliegen, habe ich noch einmal bestätigt, dass ich mich bei der SRM GmbH engagieren will.»

Moser möchte per 30. September 75,1 Prozent der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH kaufen, die bisher ganz im Besitz der vier Gemeinden Hohenstein-Ernstthal, Gersdorf, Oberlungwitz, Bernsdorf und des Landkreises Zwickau war. Es wird ein Kaufpreis von 300.000 Euro kolportiert.

Im Motorradrennsport machte sich Matthias Moser als Teamchef in der IDM und später der Superstock-1000-EM einen Namen. Sohn Marc fuhr selbst Rennen. Seit 2018 betreibt Moser mit Triple-M das einzige Honda-Satelliten-Team in der Superbike-WM.



«Motorräder sind meine große Leidenschaft, da bin ich mit dem Herz dabei», sagt der Eigentümer von Ducati Frankfurt, der als Investment-Banker zu Geld kam.

Bis April 2016 war Moser einer der wichtigsten Manager von Immobilieninvestor Patrizia, für das Augsburger Unternehmen hat er mehrere Milliarden-Übernahmen eingefädelt. Diese Geschäfte brachten Patrizia Gewinne im dreistelligen Millionen-Bereich.

Vor seinem Job bei Patrizia Immobilien war der 54-jährige Moser Deutschland-Chef des New Yorker Finanzinvestors Fortress, dessen Mitgründer und damaliger Europa-Chef Robert Kauffman 2011 wegen eines Immobilienskandals bundesweit in die Schlagzeilen geriet. Davor war Moser für die Deutsche Bank tätig.

«Seit 2000 habe ich knapp 20 Milliarden Euro investiert», sagt der Hesse. «Das ist ein Geschäft, das ich sehr gut verstehe. Da gibt es in Deutschland sonst keinen, der das geschafft hat.»

Zum Stichtag 30. September 2018 plant Moser 75,1 Prozent Anteile an der Sachsenring Management GmbH (SRM) zu übernehmen.

Die Firma, die sich zu 100 Prozent in öffentlicher Hand befindet, veranstaltet seit 2012 den Sachsenring-GP und trug das alleinige finanzielle Risiko. Doch den Vertrag mit WM-Promoter Dorna für den deutschen Grand Prix hat der ADAC, er läuft bis einschließlich 2021.

Herr Moser, Sie wollen keine Firma übernehmen, die auf Subventionen angewiesen ist. Aber die SRM hat von der Staatskanzlei von 2013 bis 2015 mehr als 2 Millionen bekommen; den Verlust von 900.000 Euro haben 2017 die Sparkasse Chemnitz und das Verkehrssicherheitszentrum geschluckt. Es war von einem Rettungsplan die Rede. Ohne Subventionen ging es bei der SRM offenbar bisher nicht. 


Ja, aber die Zuschüsse wurden nach 2015 nicht mehr bezahlt. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass wir sie wieder bekommen.


Wie das 2017 mit den 900.000 Euro gelaufen ist, das will ich nicht kommentieren. Das ist nicht mein Thema. 
Das will ich nicht erörtern.

Was in der Vergangenheit gelaufen ist, darf ich nicht kommentieren. Ob das versteckte oder offene Subventionen waren, dazu kann ich keine Aussage treffen.


Ich will darüber diskutieren, unter welchen Voraussetzungen ich diese Gesellschaft übernehme, ob ich sie übernehme, was ich damit plane, das kann ich alles bestätigen. 


Ich kann nur betonen, dass sich mein Geschäftsplan nicht auf Subventionen stützt. 


Es wurde aber auch 2018 einen Verlust erwirtschaftet. Es war von 500.000 Euro Defizit die Rede.


Diese 500.000 sind weit am Ziel vorbei geschossen. Die wahren Zahlen liegen der SRM und mir vor. 


Lässt sich mit den aktuellen Gegebenheiten auf dem Sachsenring beim Grand Prix ein Gewinn erwirtschaften?


Ich habe gemeinsam mit meinen Beratern und der SRM für die nächsten Jahre einen sehr detaillierten Businessplan ausgearbeitet. Dieser Businessplan hat zum Ziel, und das wird auch so passieren, dass der Sachsenring-GP wirtschaftlich betrieben werden kann, also dass wir keine Verluste machen und wir nicht auf Subventionen angewiesen sind. 
Das kann ich 100-prozenzig bestätigen.

Wenn das nicht so wäre, würde ich dieses Geschäft niemals machen.

In meiner Karriere haben sich jene Investitionen immer als die schlechtesten herausgestellt, die auf irgendwelche Subventionen angewiesen waren. Wenn es sich nicht ohne Zuschüsse rechnet, funktioniert das nicht. 


Reden wir über die Trittbrettfahrer. Es gibt drei Tribünen auf Privatgrundstücken; die Besitzer kaufen Stehplatztickets für 80 Euro und schlagen fast 100 Prozent drauf. Und die SRM wird mit ihren GP-Kosten von 6 Millionen allein gelassen. So ein System existiert auf der ganzen Welt nicht.


Da gebe ich Ihnen völlig recht. Und natürlich muss es mein Ziel sein, diese Situation zu verbessern.


Der schlimmste Trittbrettfahrer ist aber der Campingplatz-Betreiber auf dem Ankerberg, der sich an den Kosten gar nicht beteiligt. Und die anderen eben auch. Ich setze jedoch am Anfang nicht unbedingt auf Konfrontation.

Es gibt sicherlich Möglichkeiten, da mehr Druck aufzubauen. 
Aber ich glaube nicht, dass dies unbedingt notwendig ist. Ich habe schon viele Situationen erlebt, wo sich mehrere Parteien ganz unversöhnlich gegenüberstanden. Man kann trotzdem immer eine Lösung finden. 


Die Logik ist ja zwingend, wie SPEEDWEEK schon geschrieben hat.


Jemand verdient einen Haufen Geld, weil es den Grand Prix gibt. Wenn es den Grand Prix nicht mehr gibt, verdient er kein Geld mehr. Also muss jeder einen Beitrag leisten.


Wir werden probieren, hier eine bessere Lösung zu finden, sodass jeder, der vom Grand Prix profitiert, auch seinen Beitrag leistet. 
Ich bedrohe niemanden. Ich will Gespräche führen und die Leute überzeugen. Wenn das nicht geht, müssen wir über andere Lösungen nachdenken. Aber ich bin zuversichtlich.


Ich habe bisher immer einvernehmliche Lösungen gefunden. Ich gucke nach vorne und brauche unbedingt die Unterstützung von allen Beteiligten.


Warum die SRM diesen Vertrag damals 2012 so unterschrieben hat, kann ich nicht beurteilen. Ich war nicht dabei.


Ich kann nur die aktuelle Situation beurteilen und mir dann eine Meinung bilden: Was kann ich draus machen?


Der Sachsenring ist keine permanente Rennstrecke, es gibt zu viele Parteien, die abkassieren, von AMC bis zu JF Consulting, vom ADAC Sachsen bis zum ADAC in München. 


Aber die Situation hat sich zum Vorteil der SRM verändert. Es gibt eine so genannte Pachtkettte und eine Grundstücks GmbH. Frau Pohlers sagt, auf Grund dieser Grundstücks-Pachtverträge kann der Grand Prix ohne SRM nicht durchgeführt werden. Der Sachsenring kann nur der SRM für den Grand Prix zur Verfügung gestellt werden. Das ist ein Riesenvorteil.


Das war eine wichtige Bedingung für mich, damit mir nicht irgendjemand die Rechte entziehen kann, den Grand Prix zu veranstalten. Das haben wir sehr genau geprüft. Das ist in den Grundbüchern alles eingetragen.


Der ADAC Sachsen betont, ohne ihn ginge es auch nicht, weil ihm dies und jenes gehört und er sportlicher Ausrichter ist. 


Dem ADAC Sachsen gehören vor allem die Lärmrechte. Und natürlich könnte der ADAC Sachsen, wenn die SRM einen direkten Vertrag mit der Dorna macht, sagen: Von uns kriegt ihr keine Lärmrechte.


Kann es sich der ADAC Sachsen leisten, der SRM die Lärmrechte zu entziehen und sie Bike Promotion zu geben, und deshalb kann der Grand Prix nicht stattfinden?


Das kann ich mir nicht vorstellen.


Seit der ADAC den Vertrag mit der SRM gekündigt hat, gilt auch der Vertrag über die Lärmtage mit dem ADAC Sachsen nicht mehr. 


Ja, er kann der SRM die Lärmtage entziehen. Aber wird er das wirklich machen? Wie gesagt: Ich glaube es nicht.


Man hört, die SRM zahle dem ADAC Sachsen 500.000 Euro pro Jahr für die Rolle des sportlichen Ausrichters. Gibt es da eine Alternative?

Darüber habe ich nicht intensiv nachgedacht, weil wir davon ausgehen, dass der ADAC Sachsen weiter gern der Ausrichter sein will.


Wir würden ja den Grand Prix gern mit dem ADAC München und dem ADAC Sachsen machen. Das ist ja eigentlich eine ganz gute Konstellation.

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