MotoGP

Der Zwist zwischen KTM und Zarco: Längst vergessen?

Von - 18.05.2019 11:31

Der französische MotoGP-Pilot Johann Zarco machte sich bei KTM-Chef Stefan Pierer in Jerez durch rufschädigende Aussagen unbeliebt. Nach einem reinigenden Gewitter geht's wieder vorwärts.

Johann Zarco hat sich beim Jerez-GP den Unmut des KTM-Vorstandsvorsitzenden Stefan Pierer zugezogen, weil er im Zusammenhang mit dem Chassis und der Kraftentfaltung der KTM RC16 nach dem FP1 nur die Bezeichnungen «shit» gefunden hatte – vor laufender Kamera.

Stefan Pierer machte danach in einem SPEEDWEEK.com-Interview aus seinem Herzen keine Mördergrube udn bezeichnete Zarco als «große Enttäuschung», er stellte sogar eine Trennung zum Jahresende in den Raum.

Zarco hörte auf der Heimreise nach dem Mittwoch-Test in Jerez von diesem Interview, erkundigte sich dann bei Motorsportchef Pit Beirer, entschuldigte sich – und konzentrierte sich beim Le-Mans-GP auf seine Aufgabe, schließlich sollte er beim Red Bull KTM Factory Team die Leaderrolle spielen – nach sechs Podestplätzen in der MotoGP auf der Tech3-Yamaha 2017 und 2018 und einigen nur knapp verpassten Siegen.

Klar, die Nerven lagen beim Franzosen blank, denn einerseits war er 2018 als WM-Zweiter mit 58 Punkten nach Le Mans zum Heim-GP gekommen, diesmal hatte er sieben Punkte und den 18. Rang im Gepäck. Und ausgerechnet der rund acht Jahre jüngere Rookie Fabio Quartararo machte auf «seiner» privaten Yamaha vor dem Heim-GP die fetten Schlagzeilen.

Der zweifache Motocross-Weltmeister Jean-Michel Bayle soll Zarco jetzt als Riding Coach und Seelenklempner wieder in die richtige Spur bringen. Am Freitag in Le Mans waren ersten Fortschritte zu erkennen, Johann fuhr im FP1 auf Platz 9.

Zarco ist mit seinen abschätzigen Bemerkungen im GP-Sport bei weitem kein Einzelfall.

Barry Sheene verglich das Fahrwerk seiner Werks-Suzuki in Silverstone 1979 mit dem eines altersschwachen, gebrechlichen Esels. Kenny Roberts sagte über die neue 500-ccm-Yamaha-Werksmaschine 1981 in Le Castellet. «Das Bike ist eine Rakete. Aber wir brauchen eine Rennstrecke ohne Kurven dafür.» Und als das Magnesiumgehäuse des neuen Yamaha-V4-Motors 1982 auf dem Straßenkurs in Imatra/Finnland zerbrach: «Die Yamaha-Ingenieure sind dumm. Sie haben in Japan eine Teststrecke ohne Bahnübergang gebaut.»

Als er nach 20 Jahren mit Yamaha seine eigene Modenas-Dreizylinder-500-ccm-Maschine baute, wetterte Kenny Roberts: «Bei Yamaha gibt es Leute, auf die würde ich nicht mal pinkeln, wenn sie lichterloch brennen würden.» Immerhin hatte er mit Yamaha die 500-ccm-Fahrer-WM 1978, 1979 und 1980 gewonnen, dann als Teamchef dreimal mit Eddie Lawson die Halbliter-WM gewonnen und die 250er-WM 1990 mit John Kocinski; dazu kamen drei 500-ccm-WM-Titel mit Wayne Rainey von 1990 bis 1992.

Auch Rossi sagte kürzlich: «Yamaha hat zwei Jahre lang in die falsche Richtung entwickelt. Deshalb wurden wir in dieser Phase so oft von den Privatpiloten mit den Vorjahres-Yamaha besiegt.» Er meinte Jonas Folger und Johann Zarco.

Auch Ducati-Ingenieur Filippo Preziosi bekam sein Fett ab, als Troy Bayliss 2004 beim Welkom-GP über die unfahrbare neue Desmosedici sagte: «Keiner von uns hat nach mehr PS gefragt. Aber der neue Motor hat 30 PS mehr. Es fühlt sich an, als hätten sie dieses Bike aus dem Weltraum eingeflogen.»

Und Loris Capirossi wetterte über das umstrittene Monocoque-Chassis der Ducati: «Der Motor als tragendes Teil wirkt so steif wie ein Felsen. Deshalb haben wir kein Gefühl für das Limit der Reifen.»

Klar, die erwähnten Fahrer haben sich ein bisschen vornehmer und gewählter ausgedrückt als Zarco. Aber inzwischen wurden die Wogen zwischen KTM und Zarco geglättet. Rennchef Pit Beirer und Teammanager Mike Leitner haben Klartext mit dem Franzosen geredet, der am Samstag im Regen-FP3 in Le Mans mit dem starken fünften Platz glänzte.

Scott Redding hat die Werks-Aprilia 2018 beim Spielberg-GP als «piece of shit» bezeichnet. Er soll für dieses vernichtende Urteil eine Strafe von 50.000 bezahlt haben. Heute schimpft Aleix Espargaró alle zwei Wochen über die fehlenden Fortschritte bei Aprilia Racing.

Red Bull und KTM haben mit dem Fahrgenie Zarco noch viel vor.

Die KTM-Ingenieure wissen, dass sie beim Stahlrahmen die Steifigkeit vorne reduzieren müssen (wie es in der Moto2 geschehen) ist und der brachiale V4-Motor fahrbarer und benutzerfreundlicher gemacht werden muss. Bisher musste Zarco die KTM mit zuviel Kraftaufwand fahren, sein sanfter, reifenschonender Fahrstil führte nicht zum Erfolg. «Wir können aus der KTM keine Yamaha machen. Aber wir tun alles, um Johann bei der Motorradentwicklung entgegenzukommen. Gleichzeitig muss er seinen Fahrstil anpassen», sagte KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer. «Bis zur Saisonmitte werden wir das Problem gelöst haben.»

Die vielversprechenden Le-Mans-Ergebnisse von Pol Espargaró, Zarco und Oliveira demonstrieren die Fortschritte der Österreicher, die erst seit 2017 in der Königsklasse dabei und oft auf Augenhöhe mit Honda, Yamaha, Ducati und Suzuki um die Wette fahren.

Auf dem Weg an die Spitze kann es immer wieder mal holpern und rumpeln.

Solche lautstarken Zwischenfälle passieren nicht nur bei KTM, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

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Johann Zarco auf der KTM in Le Mans © Glänzel Johann Zarco auf der KTM in Le Mans Johann Zarco © Dorna Johann Zarco
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