MotoGP

Pit Beirer (KTM): «Wir haben für Zarco alles getan»

Von - 01.10.2019 06:43

KTM-Rennchef Pit Beirer bedauert, dass die Zusammenarbeit mit Johann Zarco beendet werden musste. «Wir haben alle seine Wünsche erfüllt, aber wir konnten ihm kein Bike geben, das seinen Vorstellungen entsprach.»

Es ist bisher noch nie vorgekommen, dass ein MotoGP-Werksfahrer einen Zwei-Jahres-Vertrag nach einem halben Jahr gekündigt hat und wenig später für den Rest der ersten Saison von seinem Arbeitgeber beurlaubt worden ist. Beim Red Bull KTM Factory Team ist das in den vergangenen Wochen passiert. Johann Zarco löste beim GP von Österreich am 10. August seinen Vertrag für 2020 auf. Am Tag nach dem Misano GP und nach weiteren Missfallenskundgebungen durch den Franzosen (8. Startplatz, Rang 11 im Rennen) wurde Zarco für den Rest der Saison durch Testfahrer Mika Kallio ersetzt.

Zarco kassiert bei KTM eine Jahresgage von 1,8 Millionen Euro. Auf diese hat er für 2020 verzichtete, obwohl er bisher kein konkretes Angebot als MotoGP-Stammfahrer hat. Bei Repsol-Honda stehen auch Stefan Bradl und Takaaki Nakagami zur Diskussion. Zarco kann aber MotoGP-Testfahrer bei Yamaha werden, er würde aber dort nicht einmal ein Zehntel seiner KTM-Gage einkassieren und dürfte maximal drei Rennen als Wildcard-Fahrer bestreiten.

«Die Entscheidung von Zarco war mutig. Ob sie auch intelligent war, will ich nicht beurteilen», sinnierte Jorge Lorenzo.

Pit Beirer, Motorsport-Direktor bei KTM, bemühte sich mit seiner Mannschaft monatelang, Zarco ein Motorrad mit verbesserter Fahrbarkeit hinzustellen. Aber auch die von Pol Espargaró seit Le Mans und später von Zarco übernommene KTM RC16 mit der neuen Karbonschwinge und der geänderten Zündfolge stellte Zarco nicht zufrieden. Auch der Testarbeit von Dani Pedrosa konnte Zarco absolut nichts abgewinnen.

«Wir können für Johann keine Yamaha bauen», betonte Beirer immer wieder. «Aber er hat nie um ein Aluminium-Chassis oder um Öhlins-Suspension gebeten. Ich weiß nicht, ob er das wollte. Wenn er uns um ein besserer Turning gebeten hat, haben wir uns angestrengt, das zu liefern. Aber am Ende konnte wir ihm kein Motorrad geben, das seinen Vorstellungen entsprochen hat. Es gab keinen Wunsch, dem wir ihm nicht erfüllt haben. Wir sind allen seinen Anfragen und Aufforderungen nachgekommen. Wir haben das Bike für ihn länger und kürzer, niedriger und höher gemacht. Wir haben alles versucht, was in unserer Macht stand. Ich weiß als Rennmanager, dass ein Motorrad, das für einen Fahrer passt, nicht für jeden anderen passen muss. Das haben wir bereits 2006 erkannt. Seither wissen wir, dass Fahrer unterschiedliche Ansprüche haben und man versuchen muss, ihnen gerecht zu werden. Wir betrachten jeden Fahrer individuell, wir stoßen keinen vor den Kopf. Aber wir haben ein Basiskonzept für unser Motorrad, wir konnten es nicht grundlegend für Johann ändern. Er hat aber auch nie darum gebeten. Ich würde sagen. Wir haben alles getan, um ihn happy zu machen.»

Beirer: «Wir waren beim Chassis immer stark beim Bremsen. Aber das Turning war schwierig. Also haben wir in Laufe der Saison das Turning verbessert, doch wir haben etwas von unseren Vorteilen beim Bremsen eingebüsst. Inzwischen haben wir das ganze Paket konkurrenzfähiger gemacht. Wir sind beim Turning besser und sind beim Bremsen wieder stärker. Das entsteht aus einer Kombination von Motor und Chassis. Das bedeutet, wir haben auch am Motor Veränderung vorgenommen, um das Bike fahrbarer zu machen. Wir haben am Triebwerk etwas verändert, um die Leistungskurve weniger aggressiv zu machen. So haben wir die Lebenszeit des Hinterreifens verlängert.» Da gelang mit der erwähnten veränderten Zündfolge…

«Es war ein sehr emotionaler Moment für uns, als uns Johann in Spielberg gebeten hat, den Vertrag für das nächste Jahr aufzulösen», ergänzt Beirer. «Das war ein Schock für uns, denn wir befanden uns noch in der ersten Hälfte des ersten Jahres! Uns war klar: Der Fahrermarkt gibt nicht viel her, die meisten Topfahrer haben Zwei-Jahres-Verträge. Doch wir wollten die Saison mit Johann zu Ende fahren. Aber nach so einem Vorkommnis ändert sich etwas im Kopf aller Beteiligten, bei mir selbst, bei der Crew und so weiter. Wir überlegten uns, was die Zukunft bringen wird. Gleichzeitig mussten wir uns auf die Zukunft vorbereiten. Ich wollte nicht 50 Prozent des Werksteams und des Projekts unbenutzt lassen, ohne Testfahrten, ohne Fortschritte mit unseren Bike. Wir brauchen jedes Motorrad und den Input aller Fahrer, auch von Tech3, um das Motorrad besser zu machen. Wir brauchen Fahrer, die das Projekt pushen. Das habe ich bei Johann nicht mehr gesehen. Deshalb ist in den Wochen nach Spielberg die Idee entstanden, die Trennung von Zarco vor dem Saisonende zu vollziehen.»

WM-Stand MotoGP nach 14 von 19. Rennen

1.Marc Márquez 330. 2. Dovizioso 202. 3. Rins 156. 4. Petrucci 155. 5. Viñales 147. 6. Rossi 137. 7. Quartararo 123. 8. Miller 117. 9. Crutchlow 98. 10. Morbidelli 80. 11. Pol Espargaró 77. 12. Nakagami 68 . 13. Mir 49. 14. Aleix Espargaró 46. 15. Iannone 32. 16. Bagnaia 29. 17. Oliveira 29. 18. Zarco 27. 19. Lorenzo 23. 20. Rabat 18. 21. Bradl 16.

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