Danilo Petrucci: Der Weg führt klar zu Red Bull KTM
Danilo Petrucci überzeugte sich heute im Munderfing von den Kapazitäten der eindrucksvollen Rennabteilung von KTM Factory Racing. Er wird voraussichtlich den Platz von Pol Espargaró übernehmen.
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Auch wenn sich die Beteiligten alle Mühe gaben, es ist inzwischen Tatsache: Danilo Petrucci und sein Manager Alberto Vergani reisten heute im Pkw nach Österreich statteten KTM Factory Racing in Munderfing/Oberösterreich einen Besuch ab. Denn der 4. Juni dürfte der Stichtag gewesen sein, bis zu dem KTM das HRC-Angebot von Pol Espargaró "matchen" oder egalisieren hätte müssen.
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Die KTM-Verträge sind folgendermassen gestaltet: Wenn ein Werkspilot ein Angebot eines anderen Herstellers bekommt, muss er KTM über die Details des Angebots unterrichten. KTM hat dann sieben Tage Zeit, ein Gegenangebot zu unterbreiten. Wenn sie das gegnerische Angebot "matchen", also finanziell gleichziehen, muss der Fahrer den Vertrag bei KTM unterschreiben. Falls KTM das Angebot nicht auf die gleiche Höhe bringt, darf der abtrünnige Fahrer seinen Transfer nicht vor dem 15. September bekannt machen. Widrigenfalls kann KTM eine Strafe von 15 Prozent der Jahresgage kassieren. Da dürfte es beim Spanier um ca. 280.000 Euro gehen.
Pol Espargaró, der Moto2-Weltmeister von 2013 (auf einer Kalex im Pons-Team), schwankte anfangs nach dem Repsol-Honda-Angebot einige Zeit zwischen Honda und KTM, denn er hat zur familiären KTM-Mannschaft in dreieinhalb Jahren ein sehr inniges Verhältnis aufgebaut. Aber als KTM seine Gage für 2021 und 2022 bis Anfang Juni nicht drastisch erhöhte, war sein Abgang besiegelt.
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Honda verkauft ca. 20 Millionen motorisierte Zweiräder im Jahr, das Budget ist unerschöpflich. "Wir sind Honda, wir können uns das leisten", betonte der einstige Repsol-Honda-Teamchef Livio Suppo, als HRC nach der Saison 2011 bei Kiefer Racing freiwillig 300.000 Euro für die Freigabe von Stefan Bradl ablieferte, obwohl der Moto2-Weltmeister für 2012 nur eine mündliche Zusage gemacht hatte.
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KTM versuchte dann noch, Testfahrer Dani Pedrosa zu einer Rennsaison zu überreden, aber der rennmüde Spanier sagte ab.
Fahrermanager Alberto Vergani hatte seinen Schützling Danilo Petrucci zu diesem Zeitpunkt längst bei KTM angeboten. Heute wurden in Oberösterreich Vertragsgespräche für zwei Jahre geführt. Der letztjährige WM-Sechste Petrucci passt mit 29 Jahren vom Alter ausgezeichnet in das Red Bull-KTM-Konzept, das neben ihm momentan nur mit MotoGP-Youngstern bestückt ist. Außerdem hat er vor zwei Jahren bei Pramac-Ducati noch ca. 200.000 Euro kassiert, ehe er im Ducati-Werksteam den Platz von Jorge Lorenzo (25 Millionen für 2 Jahre) übernahm. Er zählt also bisher nicht zu den Bestverdienern unter den MotoGP-Assen.
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"Ducati befördert mich nicht ins Werksteam, weil ich besser bin als Jorge, sondern weil ich billiger bin", schmunzelte "Petrux" im Mai 2018 beim Le-Mans-GP. Danilos Ducati-Gage für 2020 wird auf 600.000 Euro geschätzt. Als Nummer 1 bei Red Bull KTM und nach neun Podestplätzen und einem Sieg wird KTM das Salär gehörig aufbessern müssen. Aber: Ein Fahrer wie der 34-jährige Dovizioso kassiert inzwischen bei Ducati ca. 5 Millionen Euro im Jahr. Johann Zarco (sechs MotoGP-Podestplätze) wurde von KTM mit rund 1,8 Millionen pro Saison angelockt.
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Groß war die Auswahl an renommierten MotoGP-Fahrern für 2021 nicht. An Piloten wie Bagnaia und Nakagami ist KTM nicht interessiert. "Die sind zweite Wahl", lautete die Devise. Cal Crutchlow hat sich zwar bei KTM ebenfalls angeboten. Aber der Brite wirbt seit zwölf Jahren für die Energy-Drínk-Firma Monster. Schwer vorstellbar, dass KTM-Hauptsponsor Red Bull von so einer Konstellation begeistert wäre. Crutchlow kam deshalb auch im Vorjahr bei Repsol-Honda (Red Bull ist dort Co-Sponsor) nicht für die Lorenzo-Nachfolge in Frage. Petrucci und Vergani bekamen bei KTM alle Einrichtungen zu Gesicht, sie zeigten sich von der neuen Rennabteilung beeindruckt. 150 Mitarbeiter arbeiten dort konstant an den Projekten für Moto3, MotoGP, Dakar, Motocross-WM MX2 und MXGP, Supercross-WM, Enduro-WM und so weiter. Während Petrucci also beste Chancen hat, aus dem roten Ducati-Team zur orangen KTM-Mannschaft zu wechseln, darf sich Pol Espargaró bis 15. September nicht zu seinem Teamwechsel äußern. Es sei denn, KTM entbindet ihn von der Schweigepflicht. Deshalb redete er im aktuellen Interview mit motogp.com um den heißen Brei herum. Zwischen den Zeilen wurde aber klar: Pol wird sich die siegfähige Honda RC213V nicht entgehen lassen. Denn er ist 29 Jahre alt geworden und weiß nicht, ob die KTM RC16 in den nächsten zwei, drei Jahren ein Sieger-Motorrad wird.
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Anderseits braucht Repsol-Honda endlich einen verlässlichen Top-5-Fahrer, der Marc Marquez bei der Sicherstellung der Marken- und Team-WM tatkräftig unterstützt. Ob es für die Beteiligten jetzt noch Sinn macht, dem loyalen KTM-Werksfahrer Pol Espargaró für drei weitere Monate einen Maulkorb umzuhängen, darf bezweifelt werden. Auch Danilo Petrucci darf während seiner Amtszeit bei Ducati Corse nicht für KTM die Reklametrommel rühren. Deshalb lässt sich Manager Vergani nur einen Satz entlocken: "Danilo würde gut in die Red Bull-KTM-Familie passen." Ducati wird KTM im Gegenzug den ehemaligen Moto3-Weltmeister und aktuellen Moto2-Titelanwärter Jorge Martin abspenstig machen. Der Ausnahmekönner wird den Platz von Jack Miller bei Pramac übernehmen. Teamkollege: Johann Zarco oder Pecco Bagnaia.
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Danilo Petrucci hat sich 2019 nach dem Mugello-Triumph zu viel Druck gemacht, er wollte unbedingt seinen dritten WM-Rang halten. Jetzt zeichnet sich ein vielversprechender Deal mit KTM ab. Der Römer kann die nächsten 13 Rennen unbeschwert genießen und sein wahres Können offenbaren. Für den Ducati-Superbike-Werksvertrag fühlt er sich ohnedies zu jung. Petrux hat in der MotoGP-WM noch ein paar Angelegenheiten zu erledigen… So sehen die MotoGP-Teams 2020 aus
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