Bernhard Gobmeier: «Ducati braucht zwei Schritte»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Andrea Dovizioso (Ducati)

Andrea Dovizioso (Ducati)

Bernhard Gobmeier, General Manager bei Ducati Corse, plädiert bei der Entwicklung der GP13 für eine Politik der kleinen Schritte.

Was sich beim Jerez-Test abgezeichnet und beim Katar-GP bestätigt hat, hätte in der ersten Februar-Woche beim ersten Sepang-Test 2013 niemand für möglich gehalten. Ducati ist auf dem besten Weg, wieder ein Podestkandidat zu werden. In Malaysia lagen die Ducati-Piloten Dovizioso und Hayden anfangs mehr als zwei Sekunden zurück. «Dovi» war die Enttäuschung damals von weitem anzusehen. Bernhard Gobmeier hat als General Manager von Ducati Corse noch viel vor. «Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung», sagt er.

Herr Gobmeier, jetzt kann man den Lichtblick vom Jerez-Test nicht mehr als Zufallstreffer bezeichnen? Vierter Startplatz in Katar, das kann sich sehen lassen.
Der Abstand in Jerez war ein bisschen verzerrt, weil Jerez eine kürzere Strecke ist als beispielsweise Sepang. Aber in Katar haben wir gesehen, dass «Dovi» jetzt mit Stefan, Bautista und Rossi mitfahren kann. Es hat  inzwischen einiges getan.
Wir haben durch ein paar Massnahmen überall ein bisschen was gefunden, Nicht für alle Fahrer gleich viel. Auch Ben Spies kommt zunehmend besser mit dem Motorrad zurecht, auch mit seiner Schulter.
Andrea Iannone geht recht unverkrampft an alles heran; Nicky hat teilweise noch Probleme. Aber Andrea kommt mit dem Motorrad immer besser zurecht. Natürlich haben wir auch Änderungen gemacht, die ihm entgegen kommen.
Aber wir brauchen nicht einen Schritt, sondern zwei.
Und ich wiederhole: Wir arbeiten lieber an zehn Sachen, die jeweils eine Zehntelsekunde bringen, statt einem Wunderteil hinterherzulaufen, das eine Sekunde bringt. Dieses Wunderteil existiert nämlich nicht.
Unser Ziel ist es jetzt einmal, in der zweiten Gruppe mit den genannten drei Piloten mitfahren zu können.

In Jerez wurde eine neue Aerodynamik erprobt, die sich in Katar bewährt hat?

Ja, sie kommt aus dem Windkanal und hat bestimmte Eigenschaften. Es hat auf alle Fälle für die Kurven etwas gebracht; die bisherige Verkleidung war in erster Linie auf Top-Speed ausgerichtet.

Es wurde erzählt, an der Desmosedici sei auch die Zündfolge geändert worden?
Nein, die ist gleich geblieben. Aber wir haben in bezug auf Gasannahme etwas in der Elektronik geändert. Und das hat Dovi anscheinend gut gepasst.
Wir arbeiten jetzt einfach in die Richtung, dass das ganze Motorradl fahrbarer wird, sozialverträglicher.

Der Motor ist also immer noch ein Screamer, es hat keine Rückkehr zum Big-Bang stattgefunden?

Es ist ein V4-Screamer … im Gegensatz zu einem Reihenmotor-Screamer.

Der technische Laie ist jetzt völlig überfordert... Ich bitte um Aufklärung. Wie sieht bei Ducati die Zündfolge aus?
Ein Reihenvierzylinder hat alle 180 Grad seine Zündung, der V4 hat bedingt durch seine V-Anordnung eine Zündfolge 270 Grad-90-Grad-270-90. Das nennt man eigentlich Big-Bang. Screamer ist eigentlich der verkehrte Ausdruck dafür.
Je nachdem, wie du die Kurbelwelle baust, kannst du eine unterschiedliche Zündfolge wählen.

Arbeitet Ducati an einer anderen Zündfolge? Ein Big-Bang würde ja weniger Reifenverschleiss verursachen?
Ducati hat in der Vergangenheit schon verschiedene Lösungen ausprobiert. Die jetzige Lösung scheint nicht schlecht zu sein. Aber bevor ich an die Zündfolge rangehe, ändere ich die Dinge, die leichter zu ändern sind. Denn für eine geänderte Zündfolge musst du die Kurbelwelle neu machen, eine andere Auspuffanlage, du hast Vibrationsthemen, und, und, und. Das zieht einen riesigen Rattenschwanz nach sich.
Zuerst machen wir das, was einfacher ist und wahrscheinlich einen identischen Effekt hat.

Es wird aber beim GP13-Motor verschiedene Entwicklungsstufen geben?
Ja, deshalb haben wir vorläufig nur zwei der sechs erlaubten Motoren pro Fahrer verplomben lassen.

Wie lange muss Ducati noch Daten sammeln, bis eine Entwicklungsrichtung festgelegt werden kann?

Wir haben durch die Tests mit Michele Pirro zusätzliche Daten gesammelt. Wichtig ist: Wenn irgendetwas bei irgendeinem Fahrer auf irgendeiner Strecke funktioniert, soll es auch auf anderen Strecken funktionieren. Sonst ist das eine Eintagsfliege; dann haben wir womöglich ein Chassis, das nur in Jerez funktioniert, aber nicht in Sepang oder sonst wo.
Wir wissen, in welche Richtung wir gehen. Aber wir haben noch nicht das Optimum gefunden.
Wir greifen in allen Bereichen an: biem Chassis, beim Motor, da dauert es ein bisschen länger. Dazu kommen Fahrdynamik und Elektronik.

 

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