Martin Bauer: «Im Qualifying wird es bitterer Ernst»

Von Matthias Dubach
MotoGP
Martin Bauer: Das Debüt in der MotoGP-WM steht bevor

Martin Bauer: Das Debüt in der MotoGP-WM steht bevor

Beim Brünn-GP nimmt erstmals seit 1996 wieder ein Österreicher ein MotoGP-Wochenende in Angriff. Bauer über fehlende Nervosität, seine zwei Suter-BMW-Varianten und mangelnde Erfahrung.

Mit Martin Bauer gibt in dieser MotoGP-Saison bereits zum zweiten Mal ein Fahrer sein Debüt in der Königsklasse, der gar nicht mehr regelmässig Rennen fährt. In Barcelona sprang der 36-jährige, Ende 2012 zurückgetretene Javi Del Amor kurzfristig für den verletzten Hiroshi Aoyama ein. In Brünn kommt nun – deutlich besser vorbereitet – Bauer zum Zug, der letztmals 2011 eine ganze Saison bestritt. Von einem Engagement bei Suzuki in der IDM Superbike für 2013 sah der 37-Jährige in letzter Minute ab, diesen Sonntag gibt der dreifache Deutsche Superbike-Meister nun sein MotoGP-Debüt auf einer Suter-BMW des österreichischen Claming-Rule-Projekts «Remus Racing by S&B Motorsport».

Das Team wurde von Fritz Schwarz und Andreas Bronnen auf die Beine gestellt, beim Material wird auf Suter-BMW vertraut, Wildcard-Pilot Bauer drehte bei mehreren Tests in Brünn hunderte von Runden. Der frühere Superbike-Pilot ist der erste Österreicher in der Königsklasse seit 1996, als Karl Truchsess auf dem A1-Ring fuhr, aber nicht zum Rennen antrat. Qualifiziert sich Bauer für das Rennen, ist er der erste Pilot aus der Alpenrepublik an einem MotoGP-Start seit Andreas Meklau 1993 in Jarama.

Martin, ist man in deinem Alter noch nervös vor einem Rennen, auch wenn es das MotoGP-Debüt ist?

Eigentlich nicht. Man ist natürlich etwas mehr angespannt, denn ich kenne die Leute nicht, mit denen ich auf der Strecke unterwegs sein werde. Ich kann sie noch nicht einschätzen, ich kenne den Speed-Unterschied noch nicht. Das sind so Sachen, auf die ich konzentrierter sein werde, ich muss erst mal abtasten, wo wir stehen und wo ich mit ihnen am besten mitfahren kann. Man will ja auch nicht im Weg rumstehen oder blöde Aktionen machen da draussen.
Das sind die Dinge, die mich jetzt ein bisschen beschäftigen. Für mich ist es eine super Sache, da mal dabei zu sein.
Aber für mich ist es nicht das Grösste, es ist nicht das Non-plus-Ultra. Im Endeffekt mache ich keinen anderen Job als die letzten 15 Jahre. Das ist genau das Gleiche. Ich fahre Rennen, nur einfach diesmal mit ein paar anderen Jungs, das macht es natürlich etwas spannender. Aber ich bin jetzt nicht total fertig.

Aus dem Alter bist du raus…

Ja, es wäre vielleicht etwas anderes, wenn ich noch 25 wäre. Wenn das meine Zukunft sein könnte, dann bist du angespannt und nervös. Aber so weiss ich, dass es zeitlich sehr beschränkt ist, was ich hier als Fahrer machen kann. Vielleicht habe ich noch zwei Jahre als Pilot, aber ich bin natürlich weit davon entfernt zu sagen, ich kann mich in dieser Szene noch als Fahrer etablieren. Das geht vom Alter her nicht mehr, da bin ich Realist.

Wäre ein junger Fahrer bei diesem CRT-Projekt wegen Übermotivation und der mangelnder Erfahrung fehl am Platz gewesen?

Wir haben kein Know-how auf diesen Gebiet, und wir haben auch nicht grossartige Informationen bekommen. Das heisst, das Ganze zusammenzusetzen, dass es gut fährt, kannst du nur mit viel Erfahrung. Deshalb hat es gut gepasst, deshalb sind wir in der kurzen Zeit auch so weit gekommen. der Fritz hat viel Erfahrung mit der Technik allgemein, er macht einen guten Motor, ich kenne mich mit den Chassis recht gut aus, mit den Einstellungen, mit Justierungen, und somit sind wir in relativ kurzer Zeit relativ weit gekommen.

Zu wieviel Prozent reizt du das Motorrad schon aus?

Ich schätze mal, dass wir im Grunde schon noch eine gute Sekunde an Performance im Fahrzeug drin haben. Nur haben wir noch den Weg nicht gefunden, das herauszukitzeln. Dafür war die Zeit zu kurz. Wir haben vielleicht 30, 35 Prozent der Einstellmöglichkeiten mal durchprobiert. Mehr war das noch nicht. Es fehlt uns noch so viel, was wir noch gar nicht probieren konnten, weil die Zeit nicht da war. Deshalb erwarte ich schon noch das eine oder andere was mir helfen würde, schneller zu fahren.
Das Problem ist auch, dass wir zwei unterschiedliche Chassis haben. Das eine ist zu spät fertig geworden, auf dem haben wir eigentlich noch gar nichts probieren können. Dieses ist aber von Haus aus besser gegangen, deshalb ist es schwierig, weil die Zeit gefehlt hat, alles auszuprobieren. Drum wäre es schön, wenn wir mit dem Projekt weitermachen könnten, dann hätten wir vielleicht die Zeit, die Sachen zu probieren. Jetzt müssen wir einfach das Beste aus den Möglichkeiten machen, die wir hatten.

Welches Motorrad der beiden bevorzugst du nun?

Es haben beide ähnliche Einstellmöglichkeiten, aber das Chassis ist anders, auch von der Länge her und bei der Flex kann man ein wenig variieren. Dieses Motorrad werde ich fahren. Es ist auch von der Geometrie anders, das ist generell das, welches ich bevorzugen würde. Deshalb versuchen wir, am Freitag damit noch weiterzuarbeiten. Das andere Motorrad ist mal auf einem gewissen Stand, noch nicht perfekt, aber damit kann ich halbwegs fahren. Das ist wie ein Back-up. Deshalb versuchen wir mit dem neuen zu arbeiten, damit wir da vielleicht noch weiterkommen. Das ist am Freitag das Hauptthema.

Der Freitag ist im Prinzip noch ein weiterer Testtag für euch?

Für uns ist alles bis zum Qualifying noch wie ein Test. Wir versuchen, bis zum Qualifying noch so viel zu probieren, um vielleicht etwas zu finden, was uns helfen kann. Im Quali wird es dann bitterer Ernst.

Für dich hat das Rennwochenende eigentlich schon am Donnerstag begonnen. Welche Termine hast du absolvieren müssen?

Das wichtigste war das Rider Briefing. Das ist gerade für die Neuankömmlinge wichtig, da werden die ganzen Prozeduren erklärt. Wobei das nicht anders war als das, was ich schon kannte. Ich bin da vielleicht auch nicht das Paradebeispiel, aber neben mir ist aber ein 16-jähriger Wildcard-Pilot gesessen, der weiss dann nicht so Bescheid. Ein paar interessante Sachen gibt es schon, die neu für mich waren, wie zum Beispiel die Flag-to-Flag-Regeln. Das gab es in der Superbike nicht. Es war interessant zu hören, wann ich die Box fahren darf, dass dies erst angezeigt werden muss. Dann hatten wir einige Fototermine, weil sie einige Fotos brauchen für die Einspielungen bei den TV-Einspielungen und für die Website. dann gab es die technische Abnahme, die aber auch nichts Spezielles war.

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