Stefan Bradl (16.): «Das haben wir schön verpokert»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl suchte nach dem 16. Platz beim Heim-GP nicht lange nach Ausreden. «Das war mein Fehler.» Der Bayer unterlag einer Fehleinschätzung.

Nach dem tristen 16. Platz musste Stefan Bradl mit der LCR-Honda-Crew kein langes Technical Briefing machen. Er hatte es verbockt und setzte sich nach ein paar kurzen Sätzen hinten in einen Winkel der Box, Teambesitzer Lucio Cecchinello tröstete ihn.

Dann gab Bradl SPEEDWEEK.com das erste Interview. Bradl: «Ich kann nicht einmal weinen. Was soll ich machen?»

Der Bayer hat jetzt den achten WM-Rang an Andrea Iannone verloren.

Stefan, du bist zwei Besichtigungsrunden gefahren, da war es noch ziemlich nass?

Ja, zwei Besichtigungsrunden. Die erste Runde mit Regenreifen. Dann haben wir zum Nachtanken an die Box fahren müssen. Danach bin ich zur Besichtigungsrunde 2 rausgefahren. Ich habe dann auf dem Startplatz entschieden, auf Slicks zu gehen.
Ich dachte, wenn wir vom normalen Startplatz wegfahren und alle anderen Asse aus der Boxengasse, habe ich einen Riesenvorsprung. Aber der Vorsprung war dann nicht gross genug.
Und das nächste Problem war, dass wir mit dem Umbau aufs Trocken-Set-up nicht fertig geworden sind. Die Vordergabel war auf Regen abgestimmt. Wir haben zwar statt der Stahlbremsen noch die Karbonbremsen eingebaut. Aber es gab dann ein Problem mit dem Federbeinwechsel hinten. Dadurch haben wir keine Zeit mehr gehabt, um das Gabel-Set-up zu ändern. Das grösste Problem: Wir haben am Grid nur den weichsten Vorderreifen gehabt anstelle des Medium.
Ich bin dann die Aufwärmrunde gefahren. Ich auf Slicks, alle anderen Werksfahrer auf Regenreifen. In diesem Moment habe ich überlegt: Wenn ich jetzt nicht an die Box fahre, sondern draussen vom Startplatz losfahre, dann ist es vielleicht mit der Vorderradgabel gar nicht so schlimm, weil unten in der Senke ist es sowieso nass, ich kann dort beim Bremsen eh nicht voll pushen.
Ausserdem habe ich gedacht, dass mein Vorsprung durch das Losfahren vom Grid sehr gross sein wird.

Das war eine grobe Fehleinschätzung. Márquez lag nach einer Runde schon auf Platz 10, er war nur noch 7,7 sec hinter dir?

Ja, und ich habe dann sofort gemerkt, das mit der Gabel ist ein komplettes Desaster. Ich habe überhaupt nicht pushen können. Ich bin drei Sekunden pro Runde langsamer gefahren als die Gegner. Mit dem weichen Vorderreifen und dem Regen-Setting vorne ging es nicht schneller.

Was ist dir in den ersten Runden durch den Kopf gegangen?

Ich habe mir nur gedacht: Das haben wir jetzt schön verpokert. Ich habe nur gesehen, dass mich alle überholen. Ich habe mal überlegt, ob ich an die Box fahren und das Trocken-Bike holen soll. Aber ich wusste, das bringt mich auch nicht weiter. Das wäre eine noch grössere Katastrophe gewesen. Bei so einem Motorradwechsel verlierst du locker 30 Sekunden. Das holst du nie mehr auf. Ich hätte auch mit einem Stopp keine Punkte geholt.

Fazit des Tages?

Was soll ich noch sagen? Fehler von mir. Ich hätte nicht in die Startaufstellung fahren, sondern an der Box das Trocken-Bike holen sollen – wie die andern.
Ich dachte, wir haben am Startplatz die richtige Entscheidung getroffen. Aber leider gab es das Problem beim Federbeinwechsel. Und wenn du die Besichtigungsrunde mit den andern fährst, geht dir so viel durch den Kopf: Da unten ist es noch nass, der Rest ist trocken, ich bin schon auf Slicks, ich kann also von meinem Startplatz losfahren.
Ich dachte, ich habe nach einer Runde bestimmt 20 oder 30 Sekunden Vorsprung.

From hero to zero?

Absolut. Das war ein Griff ins Klo. Ich weiss gar nicht, wievielter bin ich geworden? 16? 17.?

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