Valentino Rossi: Gegen Hetze in sozialen Netzwerken

Von Sharleena Wirsing
Obwohl Andrea Iannone den derzeitigen WM-Leader Valentino Rossi in Australien in einem direkten Duell fair besiegte, musste er in sozialen Netzwerken einen wahren «Shitstorm» über sich ergehen lassen.

Die Wellen der Wut in sozialen Netzwerken schaukeln sich meist unbemerkt auf, bevor sie über einzelne Personen oder ganze Gruppen hereinbrechen. Und das nicht nur in der Politik, sondern auch im Sport.

Auf Phillip Island durften sich die Fans der MotoGP-WM über eine grandiose Leistung von Marc Márquez, Jorge Lorenzo, Andrea Iannone und Valentino Rossi freuen. Ein derart spektakuläres und spannendes Rennen mit mehrfachen Wendungen krönte die bisherige MotoGP-Saison, die bereits für viel Unterhaltung sorgte.

Doch einige Fans von Valentino Rossi stieß es sauer auf, dass der legendäre «Doctor» von seinem Landsmann Andrea Iannone geschlagen wurde.

Neben zahllosen Lobeshymnen auf die fahrerischen Leistungen der Top-4 waren auf unterschiedlichen Plattformen auch verheerende Kommentare zu lesen. Meist waren sie gegen Ducati-Pilot Andrea Iannone gerichtet:

«Das wird er noch bereuen. Ich hoffe, er verletzt sich.»

«Er verdient es nicht mehr, Italiener zu sein.»

«Es ist vielleicht Rossis letzte Titelchance. Iannone hätte sich den Ärger ersparen sollen, mit allen Mitteln vor Vale zu bleiben.»

«Die Winglets sollten verboten werden. Sie kosten Vale den Titel. Beim nächsten Rennen geht es dem Iannone wie dem Vogel.»

«Wenn Vale deshalb den Titel verliert, schleifen sie Iannone durch Tavullia.»

Diese Kommentare stammen von angeblichen Fans dieses Sports. Offene Anfeindungen gegen einen Sportler, der sein Bestes gab, eine starke Leistung zeigte und einen fairen Kampf gegen einen der besten Motorradfahrer der Welt gewann? Diese Hobby-Provokateure haben wohl den Sinn und Zweck eines Wettkampfes nicht ganz verstanden. Oder sie suchen eine Projektionsfläche für ihre privaten Unzulänglichkeiten. Online wird oftmals jeglicher Anstand vergessen.

Einem Sportler, der bei jedem Rennen sein Leben riskiert, wie der schwere Unfall von Alex De Angelis erst wieder schmerzhaft deutlich machte, eine Verletzung zu wünschen? Solche unreflektierten Äußerungen  sind den Verfassern offenbar nicht einmal peinlich. Sie freuen sich wahrscheinlich über jedes Like für ihren Kommentar.

Ein Grund zum «Fremdschämen».

Dies sieht auch Valentino Rossi so. «Diese Leute sind sehr dumm. Leider ist das die Zeit des Social Network. Heute traut sich jeder zu sagen, was er denkt. Auch wenn es dumm ist. Die Leute sprechen gerne schlecht über andere Jungs, die mehr Glück haben als sie selbst oder mehr Talent haben, weil sie in ihrem Leben machen, was sie wollen. Auch auf meinen Social Media-Seiten gibt es viele, die dummes Zeug über mich oder meine Mutter sagen. Du kannst ja nicht einmal mit ihnen reden, denn das ist verschwendete Zeit», findet der 36-Jährige klare Worte gegen Hetzjagden im Netz.

Ein Racer wie Rossi will seinen zehnten WM-Titel sicher nicht deshalb einfahren, weil ihn andere italienische Piloten verschonen, obwohl sie schneller sind. Iannone genießt Rossis Respekt. «Mir tut es einfach leid, dass Andrea jetzt so angefeindet wird. Er ist einfach sein Rennen gefahren. Es ist normal, dass er da versucht, mich zu schlagen.»

Dass auch Jorge Lorenzo durch seinen Landsmann Marc Márquez Punkte verlor, sorgte nicht für einen derartigen Aufstand. Manche Rossi-Fans treiben die Verehrung ihres Idols weiter, als es dem «Doctor» selbst lieb ist. Für die wahren Fans des Sports ist ohnehin klar: Möge der Bessere gewinnen!

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