Dorna-Affäre: Widersacher von Ezpeleta eingesperrt

Von Günther Wiesinger
Carmelo Ezpeleta

Carmelo Ezpeleta

Heftige Kehrtwendung in der Steueraffäre von Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta. Jetzt wurde sein Widersacher Miguel Bernad von der Gewerkschaft «Manos Limpias» eingesperrt.

Kurz vor dem Argentinien-GP in Las Termas de Rio Hondo forderte das Manos Limpias («Saubere Hände»)-Syndikat in Spanien die Untersuchungshaft für Carmelo Ezepeleta, den Chief Executive Officer (CEO) von MotoGP-Promoter Dorna Sports.

Doch jetzt folgt der nächste Knalleffekt: Nicht Ezpeleta wurde eingesperrt, sondern Miguel Bernad, der Chef von «Manos Limpias».

Die Vorgeschichte: Es geht um eine mysteriöse Affäre anlässlich des Verkaufs von Dorna-Anteilen in den Jahren zwischen 2003 und 2006, die in den ersten März-Tagen 2016 ans Tageslicht gekommen ist.

Carmelo Ezpeleta und Dorna-Manager Enrique Aldama wurden der Steuerhinterziehung bezichtigt; sie sollen deshalb namhafte Millionen-Beträge als Geldstrafe bezahlen. Aldama ist Chief Financial Officer (CFO) von Dorna Sports, also der Finanzchef.
Ezpeleta und Aldama wurde vorgeworfen, einen Verkauf von Dorna-Anteilen vorgetäuscht zu haben, um ihre Steuerbelastung zu reduzieren.

Das Problem: Die Firma, an welche diese Anteile angeblich verkauft worden waren, soll sich ebenfalls im Besitz von Ezpeleta und Aldama befunden haben, lautete die Anklage. Den Dorna-Managern wird also vorgeworfen, auch dieses Unternehmen kontrolliert zu haben.

Das heisst: Das Geld wurde in Wirklichkeit nie in Bewegung gesetzt und nie transferiert.

Die Beschuldigten machten eine Kapitalaufstockung geltend, aber das Gericht hat diese Darstellung als unglaubwürdig empfunden. So kam es zu den Geldstrafen. Ursprünglich sollte Ezpeleta 5,1 Millionen Euro zahlen, Aldama 1,2 Millionen Euro. In zweiter Instanz wurde Ezpeletas Strafe auf 3,9 Mio reduziert, aber die von Aldama auf 2,7 Mio Euro erhöht.

Bei der Dorna wird vermutet, Carlo Bottero habe diese Affäre ins Rollen gebracht. Er war jahrelang CEO der Logistikfirma SEL, die weltweit alle Transporttätigkeiten für die Dorna erledigt.

Die SEL und ihre Vorgängerfirmen wie TNT sind seit 18 Jahren für die Dorna tätig – für Logistik und Fracht, ein Millionengeschäft.

SEL-Chef Bottero soll bereits im Herbst verdächtige Geschäftspraktiken und die missbräuchliche Ausnützung der marktbeherrschenden Stellung der spanischen Firma Dorna angeprangert haben; das berichtet die Website autoevolution.com. Eine Untersuchung wurde eingeleitet.

Zuletzt verlangte das Syndikat «Manos Limpias», die Behörden sollten Ezpeleta in Untersuchungshaft stecken, es bestehe Fluchtgefahr, er könne sich ins Ausland absetzen, wurde sogar gemutmasst. Ein Hirngespinst. Denn eine Haftstrafe stand weder bei Ezpeleta noch bei Aldama jemals zur Debatte.

«Manos Limpias» wurde 1995 gegründet und klagte damals einen Richter an, der wegen Menschenrechtsverletzungen unter dem Franco-Regime ermittelte. Manos Limpias hat seit 2009 keine institutionelle Vertretung mehr, spricht aber von 6000 Mitgliedern, die einen jährlichen Beitrag von 60 Euro leisten. Trotzdem macht die kleine Gewerkschaft immer wieder viel Lärm, sie steht politisch weit aussen am rechten Rand. Miguel Bernad war in den 1980er-Jahren Mitglied der Rechtspartei «Fuerza Nueva». Seine Gegner werfen ihm ein wirtschaftsfeindliches Gebaren vor; er soll in der Vergangenheit 90 Prozent der Gerichtsverfahren verloren haben.

Seit Februar 2015 wird von den Behörden in Spanien gegen Miguel Bernad und gegen die Manos-Limpias-Rechtanwältin Virginia Lopez Negrete wegen des Verdachts auf Veruntreuung und Geldwäsche ermittelt. Die Staatsanwaltschaft hat Hinweise darauf, dass Spenden zweckentfremdet wurden. Das Gericht hat diese Anklageschrift bestätigt.

Insider vermuten, Bottero habe um seine Dorna-Aufträge gebangt, weil die Spanier in den Niederlanden eine steuerschonende Firma namens «Dorna Worldwide Freight» gegründet haben, über die jedoch bisher nicht viele Transportgeschäfte abgewickelt wurden. Ein Sitz in den Niederlanden sei sinnvoll gewesen, weil es zwischen den Niederlanden und GP-Austragungsländern wie Japan, Malaysia und den USA kein Doppelbesteuerungsabkommen gibt.

Bottero soll deshalb der Dorna vorgeworfen haben, sie habe mit Hilfe des Unternehmens «Dorna World Wide Freight» Steuern hinterzogen.

Inzwischen ist aus dieser Fehde zwischen der Dorna und Bottero ein offener Rachefeldzug entstanden. Schon beim Barcelona-GP 2015 und Misano-GP 2015 sei es zu heftigen Zerwürfnissen mit Bottero gekommen, ist zu hören. Beim Argentinien-GP 2016 wurde Bottero von Funktionären unsanft aus dem Fahrerlager geschmissen. Er drohte danach an, mit dem Manos-Limpias-Chef (leider jetzt in Haft) zum Jerez-GP zu kommen und sich auf diese Weise Zutritt zum Fahrerlager zu verschaffen.

Die Dorna-Manager haben angekündigt: «Wir werder Bottero auch in Jerez keinen Zutritt zum Fahrerlager gestattten.»

Die Dorna ist seit 1992 Inhaber der kommerziellen Rechte im GP-Sport und kontrolliert seit drei Jahren auch die Superbike-WM.

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