Andrea Iannone: Warum er bei Ducati gehen muss

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Andrea Iannone

Andrea Iannone

Nach der Verpflichtung von Jorge Lorenzo musste Ducati einen Werksfahrer opfern. Es traf Andrea Iannone, obwohl er jünger und schneller ist als Dovizioso. Sportdirektor Paolo Ciabatti erklärt die Gründe.

Als sich Jorge Lorenzo (29) praktisch schon bei den drei Übersee-GP für eine Zukunft mit Ducati entschied, wurde bei Ducati Corse für 2017 und 2018 ein Werksfahrer überflüssig – Andrea Iannone oder Andrea Dovizioso.

«Die Entscheidung war schwierig», räumt Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein.

Da stellt sich die Frage, warum Ducati nicht auf die Idee zurückgriff, die schon im Juli und August 2014 aufkam, als Ducati mit Dovizioso, Crutchlow und Iannone drei Kandidaten für das Werksteam hatte, ehe sich das Problem von selbst löste, weil Cal Crutchlow zu LCR-Honda ging.

Damals wurde überlegt, Iannone im Marlboro-Design bei Pramac fahren zu lassen, quasi als dritten echten Werksfahrer, mit Werksmechanikern, nur unter der Bewerbung von Pramac.

Aber so eine Konstellation wäre heute nicht mehr gangbar gewesen. Als WM-Fünfter von 2015 und Podestkandidat hat sich Iannone in höheren Gagen-Sphären geschraubt. Seine Gage würde nicht ins Pramac-Konzept passen.

«Die Medien vergessen manchmal diese finanziellen Aspekte des Geschäfts», sagt Ciabatti. «Iannone ist heute einer der schnellsten MotoGP-Fahrer. Und er hat gewisse Erwartungen an sein Salär, das in der Realität nicht ins Gefüge von Pramac passt.»

«Ausserdem ist es unsere Strategie, in den Kundenteams wie Pramac und anderswo Fahrer zu positionieren, die jung sind, sich in der MotoGP-WM noch entwickeln können und die einen Aufwärtstrend erwarten lassen. Wir hätten gern eine Lösung gefunden, um beide Andrea behalten zu können. Aber es hat sich bald abgezeichnet, dass wir uns von einem trennen mussten», schildert der Ducati-Manager.

Trotzdem tippten viele Experten auf Iannone, denn er hat «Dovi» im Vorjahr als WM-Fünfter klar in den Schatten und ist auch 2016 meistens der Schnellere.

«Wir wussten immer, dass Iannone etwas schneller ist als Dovi, aber leider ist er bei normalen Verhältnissen auch weniger konstant», sagt Ciabatti. «Wir müssen ja auch berücksichtigen, dass Dovizioso in Argentinien und Texas durch Unfälle punktelos blieb, an denen er unschuldig war. Wenn die Situation klar gewesen wäre, wer von den beiden der Beste ist, dann wäre uns die Entscheidung leichter gefallen. Aber wir mussten eine Entscheidung treffen. Es gab Faktoren, die für Dovizioso sprachen und Faktoren, die für Iannone sprachen. Es war nicht leicht. Als wir zu dem Punkt kamen, dass wir uns entscheiden mussten, dachten wir, Dovizioso sei für uns die bessere Lösung.»

«Dovi» wird sicher auch die Nummer-2-Rolle neben Lorenzo eher annehmen als der ungestüme Iannone. Hat das mitgespielt?

Ciabatti: «Das ist etwas, was du dir denken kannst. Und vielleicht hast du damit Recht. Aber ehrlich gesagt, Jorge hat sich nie eingemischt. Er hat nie gesagt, er würde diesen oder jenen Fahrer als Teamgefährten vorziehen. Aber nach dem Vorkommnis von Barcelona wäre es vielleicht schwieriger, sich Iannone und Jorge als Teamkollegen vorzustellen. Aber unsere Entscheidung fiel ohnedies vorher.»

Andrea Iannone versprach nach dem Abschuss von Lorenzo in Barcelona beim nächsten Grand Prix in Assen reumütig, er werde künftig mehr seinen Kopf verwenden.

«Ich denke, Iannone ist ein super schneller Fahrer. Letztes Jahr hat er sehr wenige Fehler gemacht», erinnert sich Ciabatti. «In diesem Jahr hat er die Saison mit sehr hohen Erwartungen begonnen. Er stürzte in Katar, er hätte dort sicher um einen Podestplatz fighten können. In Argentinien ist in der letzten Runde passiert, was passiert ist, weil Andrea Iannone mit Platz 3 hinter Dovi nicht zufrieden war. Dann hatten wir einige Rennen wie Le Mans, wo Andrea sogar um den Sieg fighten hätte können. Mit einem besseren Start wäre es auch in Mugello möglich gewesen. Er war in der ersten Kurve an 13. Stelle, am Schluss war er Dritter im Ziel, vier Sekunden hinter dem Sieger. Andrea war in einigen Situationen so erpicht darauf, das bestmögliche Resultat zu erringen, dass ihm einige Fehler passierten... Wie diese Fehleinschätzung gegen Jorge in Barcelona. Er glaubte nicht, dass Jorge wegen seiner Reifenprobleme mit einer so langsamen Pace unterwegs sein würde. Aber man muss manchmal den Kopf ein bisschen mehr benützen, wie Andrea jetzt in Assen angekündigt hat. Andrea sah Jorge vor sich, er hätte einfach auf eine bessere Gelegenheit zum Überholen warten sollen. Es waren ja noch acht Runden zu fahren. Aber wir schauen in der Box oder vor dem Fernseher zu, bei uns fliesst kein Adrenalin. Der Fahrer sitzt auf dem Motorrad, manchmal trifft er eine gute Entscheidung, manchmal eine weniger gute. Wichtig ist, dass Andrea diese Lektion gelernt hat. Er ist sehr intelligent. Er will, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt.»

Iannone sagte in Assen auch: «Ich werde meinen Kopf mehr benützen, aber Ducati muss gleichzeitig das Motorrad verbessern.»

«The Maniac» beklagte, das Fahren mit der Desmosedici des Jahrgangs 2016 sei immer noch zu kraftraubend.

Ciabatti: «Wir wissen, wir müssen am Motorrad arbeiten. Wir haben ein gutes Level an Konkurrenzfähigkeit erreicht. Aber das Motorrad ist nicht perfekt. Das gilt aber auch für die Honda. Die Yamaha ist das am besten ausbalancierte Motorrad. Wir haben Aufholbedarf. Wir müssen es den Piloten einfacher machen, das Bike über die Renndistanz zu beherrschen. Die Fahrer sollten weniger Energie beim Fahren brauchen, das ist unser Ziel.»

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