Jorge Lorenzo (Rang 17): «Ich will die WM gewinnen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Jorge Lorenzo im Regen von Brünn

Jorge Lorenzo im Regen von Brünn

Movistar-Yamaha-Werkspilot Jorge Lorenzo gilt als wasserscheu. Dazu kommt, dass ihm in Brünn Gummistücke aus dem Vorderreifen davonflogen, er musste zwei Stopps einlegen.

So kann Weltmeister Jorge Lorenzo den spanischen WM-Leader Marc Márquez natürlich nicht gefährden: In den Regenrennen von Assen, Sachsenring und Brünn holte Lorenzo 6, 1 und 0 Punkte, Márquez hingegen 20, 25 und 16.

Das Gesamtfazit also: Sieben Punkte für Lorenzo, 61 für Márquez.
Kein Wunder, wenn Titelverteidiger Lorenzo sieben Rennen vor Schluss schon 59 Punkte hinter Marc Márquez liegt. Eine aussichtslose Situation angesichts der neuen Beständigkeit des Repsol-Honda-Stars.

Jorge, erzähl uns etwas über dieses Rennen aus deiner Sicht.

Es war eine verwirrende Situation für meine Boxencrew, als ich zum ersten Stopp gefahren bin, weil ich wusste, dass ein großen Stück aus meinem Vorderreifen davon geflogen war.
Denn als ich das Bike hinstellte, war das Loch im Vorderreifen nicht zu sehen, es war unten auf dem Fahrbahnbelag versteckt... Es war aber ein recht grosses Stück weggeflogen. Ich fuhr also mit Slicks raus, weil das Ersatz-Motorrad mit profillosen Reifen bestückt war. Aber ich habe sofort gesehen, dass es zu nass war für Slicks. Also bin ich nach einer Runde wieder reingefahren und habe wieder das erste Bike geholt, das jetzt frische Regenreifen montiert hatte.
Ja, dummes Pech. Denn mit diesem kaputten Reifen konnte ich das Rennen nicht zu Ende fahren. Iannone und Dovizioso ging es ähnlich. Einige Fahrer haben es mit dem Medium-Vorderreifen über die 22 Runden geschafft, bei mir hat es nicht geklappt.
Als ich nach dem zweiten Stopp wieder auf der Piste war, sind Rossi und Cal die besten Zeiten gefahren. Ich hatte das Gefühl, ich könnte schneller fahren als sie, aber ich hatte bei zwei Stopps zu viel Zeit eingebüßt. Vielleicht wäre für mich ein dritter Platz möglich gewesen, vielleicht sogar ein zweiter.

Du ärgerst dich über die Michelin-Reifen?

Ich wünsche mir einfach, dass sie uns Reifen geben, die auch im Regen eine Renndistanz durchhalten, ohne dass Stücke davonfliegen. Der Reifen war von der Konstruktion her anscheinend am Limit. Einige Fahrer hatten Probleme, andere nicht. Wenn das Rennen ein paar Runden mehr gedauert hätte, wären die Probleme vielleicht auch bei anderen Kollegen aufgetreten.

Beeinträchtigt dein Fahrstil, der sehr Vorderrad-lastig ist, den Vorderreifen mehr als bei anderen Piloten?

Der Vorderreifen hat auch bei Iannone und Dovizioso arg gelitten, dazu bei Maverick Viñales, der auf Platz 9 zurückgefallen ist. Er hatte auch Reifenprobleme, glaube ich. Anscheinend sind bei Michelin die Reifen nicht alle von gleicher Qualität. Vielleicht haben ein paar Fahrer schadhafte Reifen erwischt. Aber so etwas sollte nicht passieren. Michelin muss andere Reifentypen für solche Verhältnisse konstruieren. Solche Bedingungen können wir ja bald wieder vorfinden. Es sollte nie mehr passieren, dass sich Reifenstücke selbstständig machen.
Ich kann ja verstehen, wenn wir auf der Seite Reifenverschleiß haben. Aber es sollte nicht geschehen, dass ganze Gummistücke davon fliegen.
Ich weiß, das bei Michelin unermüdlich gearbeitet wird.
Sie haben das Gefühl für den Vorderreifen verbessert. Es ist auch das Problem mit den Hinterreifen gelöst worden, da lösen sich jetzt keine Gummistückle mehr. Dafür passiert es jetzt vorne.

Sieben Rennen vor Schluss liegst du 59 Punkte hinter Marc Márquez. Rossi sagt, es geht jetzt zwischen ihm und dir nur noch um den zweiten WM-Platz. Siehst du das auch so?

Gut, ich will Weltmeister werden. Ich bin oft genug WM-Zweiter gewesen. Ich bin sehr stolz, dass ich seit sieben oder acht Jahren in der WM immer Erster oder Zweiter war. Nur 2014 bin ich Dritter geworden.
Aber mich interessiert in erster Linie der Titelgewinn. An den Titel 2016 denke ich jetzt sowieso nicht. Ich konzentriere mich auf das nächste Rennen. Irgendwann werden die Punkte am Schluss zusammengezählt. Dann werfen wir einen Blick auf die Tabelle. Ich will in diesem Jahr noch möglichst viele Rennen gewinnen. Ich glaube, hier in Brünn hätten wir im Trockenen eine gute Chance auf den Sieg gehabt. Im Regen war es schwieriger. Ohne die Reifensorgen hätten wir jedoch auf Platz 3 oder 2 landen können.

Lassen sich 59 Punkte in sieben Rennen aufholen?

Wir haben Pech gehabt in dieser Saison, dazu kommt, dass ich im Nassen kein gutes Gefühl habe und deshalb eine schlechte Performance. Das sind unsere größten Probleme.
Bei uns sind Fehler passiert, es war aber auch Pech dabei, bei Rossi genauso, als in Mugello sein Motor zerplatzt ist. Dadurch hat Márquez diesen großen Vorsprung herausgefahren. Er hat aber überall die bestmöglichen Resultate herausgefahren, auf allen möglichen Pisten, bei allen erdenklichen Bedingungen. Er hat mit dem Bike, das er zur Verfügung hat, eine sehr konstante und reguläre Meisterschaft gezeigt. Wir hatten ein bisschen Pech... Dazu kommt, dass ich mit den Michelin-Reifen im Regen nicht konkurrenzfähig bin.

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