Einheitsreifen - MotoGP ohne Spannung

Kolumne von Peter Clifford
MotoGP 800 ccm
Dani Pedrosa bei den Tests in Valencia

Dani Pedrosa bei den Tests in Valencia

Puig und Pedrosa wollten die Einheitsreifen. Jetzt haben wir sie. Doch die MotoGP-Rennen haben an Spannung verloren.

Alberto Puig wollte die Einheitsreifen. Er dachte, sein Schützling [*Person Dani Pedrosa*] sei mit den Michelin-Gummis schlechter bestückt als die Konkurrenz mit Bridgestone. Der Spanier setzte sich durch. Deshalb driften heute alle auf denselben Reifen um die Strecke.

Aber: Pedrosa gewann 2006 und 2007 je zwei Grands Prix für Michelin. In der ersten Hälfte der Saison 2008 gewann er wieder zwei Rennen, nach dem Wechsel zu Bridgestone aber keinen mehr. 2009 war er wieder bei seinen üblichen zwei Siegen angelangt.

Die Einheitsreifenregel hat also Pedrosa bisher nichts gebracht. Aber darüber hinaus ist sie einer der Faktoren, welcher die MotoGP-Rennen weniger attraktiv gemacht hat.

Denn die Performance der Reifen ist vor den Rennen jetzt einfacher einzuschätzen, deshalb widerspiegeln die Resultate mehr oder weniger die Zeitenliste der Trainings. Als es noch drei Reifenmarken gab – Michelin, Bridgestone, Dunlop – , war nie klar, wie sich die Reifenwahl am Renntag auswirken würde, vor allem, wenn sich die Lufttemperatur im Vergleich zum Vortag stark verändert hatte. Sogar als die Dunlops in den letzten Jahren nicht mehr auf dem gleich hohen Level wie die Konkurrenz waren, hatten sie mit etwas Glück immer noch auf dem einen oder andern Kurs bei schwierigen Bedinungen ihre Chancen.

In der Schlacht Michelin gegen Bridgestone waren immer wieder Überraschungen möglich, selbst wenn sich die Bedingungen am Renntag nicht gross verändert hatten. Oft war die grosse Frage, wann ein bestimmter Reifen im Verlaufe des Rennens abzubauen beginnen würde. So war es spannend mitzuerleben, wie beispielsweise die mit weichen Mischungen gestarteten Bridgestone-Reiter gegen die mit härteren Compounds angetretenen Michelin-Piloten gegen Rennende Mühe bekundeten.

Hinzu kam, dass die Reifenhersteller eine grosse Menge unterschiedlicher Mischungen und Karkassen mitbrachten. Für die Fahrer war es unmöglich, alle zu testen. Damit spielte auch eine glückliche Hand bei der Reifenwahl eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Das ist alles Geschichte. Die Reifenwahl ist eng limitiert, Überraschungen sind kaum noch möglich. Das mag Alberto Puig gefallen, aber die Rennen sind deswegen sicher nicht aufregender geworden. Wir haben zwar einige grosse Rennen dieses Jahr gesehen, aber das Beste waren eindeutig die Duelle zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo, die beide auf demselben Motorrad und denselben Reifen unterwegs waren.

Ein weiterer Grund, warum das Resultat schon früh erkennbar wird, sind die schon nach wenigen Runden sichtbaren Abstände zwischen den einzelnen Fahrern und Gruppen. Viele haben erwartet, dass die Einheitsreifenregel das Feld näher zusammenrücken lassen würde, aber das Gegenteil ist der Fall. Jeder der Fahrer erarbeitet sich im Training sein eigenes, persönliches Set-up, aber alle mit mehr oder weniger denselben Reifen. Die Differenzen in Sachen möglicher Rundenzeit sind meistens bereits in der ersten oder zweiten Runde sichtbar und werden dann von Runde zu Runde grösser.

Bridgestone hat den Rücktritt aus der Formel 1 verkündet. Sie könnten dasselbe in der MotoGP-Klasse tun. Michelin würde sich aber voraussichtlich gegen eine Rückkehr sträuben, denn die Art und Weise, wie sie aus dem MotoGP-Paddock herausgeworfen wurden, war sicher nicht nach dem Geschmack der Franzosen. Irgendwer würde sich sicher finden lassen, der Reifen liefern würde, aber besser wären sie sicher nicht. Auch die Chancen für eine Rückkehr zum offenen Wettbewerb im Reifensektor sind sehr gering.

Die Einheitsreifenregel mag kostengünstiger für die Teams sein. Doch der geringere Testaufwand hat seinen Preis: die MotoGP-Rennen sind weniger attraktiv geworden.

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