«Ich trau mich noch nicht rein!»

Kolumne von Harald Englert
Motocross-WM MX2
Der Abschied von Suzuki ist nicht einfach

Der Abschied von Suzuki ist nicht einfach

Der Wechsel zu KTM war eine schwierige Entscheidung für das Familienunternehmen Roczen.

«Ich trau mich irgendwie noch nicht rein», meinte Ken Roczens Vater Heiko Klepka zu mir, als ich ihn am späten Sonntagabend in Fermo vor dem Teamzelt von KTM getroffen habe. Drinnen im Zelt feierte die gesamte KTM-Crew und viele Gäste aus dem Fahrerlager –auch von anderen Teams- die drei WM-Titel der Österreicher. Stefan Everts gab den DJ und auch Ken Roczen und sein Teamkollege Arnaud Tonus tanzten ausgelassen in der Menge.

Heiko Klepka war sich natürlich bewusst dass er mehr als willkommen war auf der Party, er meinte mit seiner Aussage wohl viel mehr dass er seine innere Barriere noch nicht überwinden konnte. Der Vater des deutschen Nachwuchsstars ist noch so emotional mit Suzuki verbunden, dass er sich nach dem Doppelsieg seines Sohnes in Fermo und der folgenden innigen Umarmung mit den Suzuki-Leuten nicht die Abschieds-Tränen verkneifen konnte.

«Wir sind wahnsinnig eng mit Suzuki verbunden gewesen», erklärt Klepka seine Emotionen. «Wir sind seit dem ersten Rennen in der 85er Klasse nie mit einer anderen Marke gefahren. Ken ist mit Suzuki aufgewachsen und gross geworden. Sie haben uns viel ermöglicht.»

Auch der Junior war mit Herz und Seele ein «Gelber», doch ihm fällt die Umstellung aufgrund seines jugendlichen Alters ein wenig leichter als der Familie.

Auf jeden Fall war in Italien zu spüren, dass nach der Vertragsunterzeichnung eine schwere Last von der ganzen Familie abgefallen war. Die vertragliche Situation und die Verhandlungen für die nächsten Jahre waren alles andere als einfach.

Nicht leicht für einen 16-Jährigen, wenn neben den Eltern noch diverse Sponsoren und Manager Einfluss nehmen und Rat geben möchten. Doch letztendlich musste Ken Roczen selbst entscheiden was er will. «Nachdem ich mit einer ganzen Menge Leute gesprochen hatte, forderte ich erst mal ein Gespräch mit Kenny direkt», erzählte mir Pit Beirer von dem Verhandlungsmarathon. «Ich habe ihn gefragt ob er wirklich zu uns will, denn das war für uns entscheidend.»

Ein Teamwechsl ist im modernen Motocross-Geschäft nicht ganz so einfach wie man sich das gemeinhin vorstellt. Durch das Engagement von Energy-Drink Herstellern in fast jedem Team gibt es häufig Schwierigkeiten mit persönlichen Sponsoren der Fahrer. Im Teka Suzuki Team wurden nach einigen Querelen die Red Bull Sticker von den Motorrädern entfernt, eine Verbindung mit Rockstar wäre der logische nächste Schritt. Ken Roczen wollte nur äusserst ungern bei Red Bull aufhören, auch das hat eine entscheidende Rolle bei dem Wechsel zu KTM gespielt.

Ausschlaggebend war jedoch letzten Endes die Verpflichtung von Roger DeCoster. Roczen hatte sich schon beim Grand Prix in Glen Helen ausführlich mit dem Belgier unterhalten und die Weichen für eine Zukunft in den USA gestellt – damals noch gedanklich auf Suzuki. Mit DeCosters Kündigung war völlig unklar was Suzuki der Familie Roczen in den USA bieten könnte. Die Alternative auf Pro Circuit-Kawasaki hätte ebenfalls den Bruch mit Red Bull bedeutet, denn das Team ist eng mit Monster verbunden. Folglich fiel die Entscheidung zugunsten von KTM.

Die Umstellung wird für alle Beteiligten nicht lange dauern. Laut unbestätigten Gerüchten war der MX2-Vizeweltmeister schon zu vorgerückter Stunde in orangenem T-Shirt zu sehen. Bei Papa Heiko wird es wohl noch ein paar Tage dauern. «Ich weiss dass wir uns richtig entschieden haben», so Klepka. «Ich brauche nur noch ein paar Tage um es auch zu realisieren.»

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