Hubert Nagl: «Jeder will viel, bevor er etwas zeigt»

Von Matthias Dubach
Motocross-WM MX2
Der Lausitzring-GP findet ohne einheimischen MX2-Fahrer statt. Der deutsche Nations-Teammanager Hubert Nagl spricht im Interview Klartext: «Es herrscht das falsche Denken».

Es ist ein ernüchterndes Bild: Beim Deutschland-GP findet die MX2-WM ohne einen einzigen einheimischen Fahrer statt. Im Feld der 250-ccm-Klasse ist der einzige deutschsprachige GP-Stammfahrer der Österreicher Pascal Rauchenecker, auf dem Lausitzring kam mit dem Schweizer Jeremy Seewer ein weiterer als Ersatzfahrer hinzu.

Aber deutsche MX2-Fahrer – Fehlanzeige. Kein einziger Nachwuchspilot wagte sich beim Heim-GP an die Aufgabe, einen Eindruck vom WM-Niveau zu erhalten. Wir haben mit Hubert Nagl, den Teammanager des deutschen Nationen-Motocross-Teams Co-Teamchef bei KTM Scott Racing, über die Situation gesprochen. KTM Scott ist vom mangelnden Nachwuchs direkt betroffen, die drei WM-Piloten stammen aus Norwegen, Belgien und der Ukraine. Einzig im ADAC MX Junior Cup und in der nationalen 65-ccm-Meisterschaft kann die Mannschaft mit jungen Deutschen starten.

Hubert Nagl, beim Deutschland-GP gibt es keinen einheimischen MX2-Fahrer. Obwohl die Situation nicht neu ist – ist das nicht ein Armutszeugnis?

Ich sehe das genauso. Für mich ist es unverständlich, dass sich keiner der Herausforderung stellt. Es wird dann immer ganz schnell vorgeschoben, ‹wir müssen 1000 Euro bezahlen›. Dann sehe ich aber wiederum, wie Tausende Euros verschossen werden für sinnlosen Kram. Das ist ernüchternd. Aber das spiegelt unseren deutschen Leistungsstand. Wir sind Lichtjahre weg von dem, was hier beim GP läuft.

Wo könnte ein Lösungsansatz liegen?

Ich mache mir darüber nicht erst seit Tagen oder Jahren darüber Gedanken, sondern eher zehn Jahre. Wenn ich die Patentlösung hätte und wüsste, würde ich sie umsetzen. Ich weiss es aber nicht. Es ist auch ein bisschen so, dass sich die Fahrergeneration verändert hat. Es gibt zu viele andere Dinge, die das Leben schön machen. Da muss man sich nicht unbedingt bei 40 Grad einen 25. Platz abholen. Ich denke, das ist das Problem in Deutschland.
Wenn jetzt ein Junger kommen würde, wäre es ein Erfolg, wenn er zwischen 20 und 30 fährt. Aber das interessiert kein Schwein. Zuhause fährt er seine Kirchturm-Serie, da ist er der grosse Star. Da hat er seine Titelseite im Dorfblatt und ist der Held. Aber ein 25. Platz hier beim GP kann er nicht erklären. Weil die Leute draussen nicht wissen, dass die Rundenzeiten hier nochmals 10 sec schneller sind.

Machen es andere Länder besser?

Es gibt schon ein paar Länder, die es uns vormachen. Aber die haben eine komplett andere Struktur. Die Franzosen haben Hauptberufler, die sich um den Nachwuchs kümmern. Da gibt es Gymnasien, wie bei uns die Ski-Gymnasien. Das haben die auch für Motocross, das ist eine ganz andere Vorgehensweise. Bei uns läuft alles über Ruhm und Ehre. Bei uns muss ein junger Kerl bis um 4 oder 5 Uhr arbeiten, dann ist er abends beim Training tot. Die anderen machen in der Früh ein Training, gehen dann ein bisschen in die Schule und am Nachmittag wieder. So funktioniert es. Wir haben diese Strukturen einfach nicht.

Sind diese fehlenden Strukturen die Hauptursache?

Die Importeure setzen sich ein und machen einiges. Nur, bei uns ist ein Denken da, jeder will viel, bevor er etwas gezeigt hat. Aber ich muss erstmal was zeigen, dann kann ich was wollen. Es wird immer ganz schnell gesagt, ‹es wird nicht gefördert›. Aber was soll ich denn fördern? eine Oberbayern-Serie brauche ich nicht zu fördern. Es ist das falsche Denken. Wenn sich aber einer durchbeisst, wird er schon gefördert. Aber mit Sicherheit nicht für den Hessen-Cup oder weiss der Geier für was.

Könnte sich Ken Roczen zu einem leuchtenden Beispiel für andere entwickeln, wie einst in der Formel 1 Michael Schumacher?

Man muss das ganze einfach ganz nüchtern betrachten. Leute wie Kenny oder auch ein paar Jahre vorher Max (Anm.: Huberts Sohn Max Nagl, langjähriger GP-Pilot), solche Leute gibt es nicht immer. Bei den Italienern ist das ähnlich, die haben ihren Cairoli, aber danach kommt kaum etwas. Gut, sie haben, in Anführungsstrichen, noch ein paar ältere Piloten wie zum Beispiel Guarneri. Aber bei den Jungen fallen sie komplett aus.

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