Wie Steve Jenkner Honda-Ass Stefan Bradl hilft

Von Sascha Weingrill
Superbike-WM
Das Vorderrad sollte immer die Bodenhaftung bewahren

Das Vorderrad sollte immer die Bodenhaftung bewahren

Der ehemalige GP-Pilot Steve Jenkner arbeitet für Öhlins im Team von Red Bull Honda. Er gibt Einsicht in die Funktionsweise einer Gabel und wie er Stefan Bradl zu mehr Vertrauen verhilft.

Die Gabel an der Front des Motorrades ist eines der wichtigsten Elemente, wenn es um die Abstimmung bei der Zeitenjagd geht. Viele sind mit den nahezu unendlichen Einstellmöglichkeiten einer Gabel überfragt. Nicht so Steve Jenkner, der 2017 im Team von Stefan Bradl für die richtige Balance der Bikes sorgen soll. Der 41-jährige Sachse gibt einen Einblick in die Zusammensetzung einer Gabel und die Herangehensweise an einem Rennwochenende.

«Es sieht eigentlich so einfach aus, aber es steckt wirklich viel dahinter. So eine Gabel besteht aus vielen Elementen», so Jenkner. «Von außen betrachtet erkennt man das Außenrohr und das Innenrohr. Das Innenrohr hat eine spezielle Beschichtung, was eine sehr geringe Reibung ermöglicht. Innen hat man im oberen Bereich der Gabel die Feder. Etwas darunter folgt das Dämpfsystem mit der Zugstufe in einem Strang und die Druckstufe im anderen Strang. An der Oberseite der Gabel findet man eine Sechskant-Mutter, um die Federvorspannung einzustellen. Damit kann man die gewünschte Höhe und Federrate einstellen. Innerhalb der Sechskant-Mutter findet man noch eine Stellschraube, um die Zug- und Druckstufe einzustellen.»

Die prinzipielle Funktionsweise einer Gabel ist trotz fortschreitender Technologie in den letzten Jahren gleich geblieben. Die Einstellbereiche sind allerdings derart fein geworden, dass man viel Erfahrung benötigt, um nicht auf dem Holzweg zu landen. Ein Rennwochenende bietet oftmals nur wenig Zeit um die passende Einstellung zu treffen, zumal man auch schnell auf gute Rundenzeiten kommen muss.

«Wenn man ein gutes Setting gefunden hat, lässt man es meist mehr oder weniger bei dieser Basis», weiß Jenkner. «Wenn man allerdings an eine Strecke kommt, auf der sich der Fahrer damit nicht wohl fühlt, muss man etwas ändern. Man kann dazu die Feder austauschen oder das Dämpfungssystem ändern. Jede Strecke hat so seine Tücken, mit schwierigen und trickreichen Passagen. Das Ziel am Rennwochenende muss sein, immer den besten Kompromiss zu finden.»

Klagt der Pilot über zu wenig Stabilität auf der Bremse oder bewegt sich die Front zu stark, gibt es einige Möglichkeiten diese Probleme in den Griff zu bekommen.

«Man kann beispielsweise eine härtere Feder einsetzen, aber auch mehr Öl in die Gabel füllen, um die Gabel progressiver zu gestalten. Die Dämpfungselemente so einstellen, um den unteren Bereich der Einfederung zu erreichen. Da gibt es viele Optionen, um das gewünschte Resultat zu erzielen und so dem Fahrer zu mehr Vertrauen zu verhelfen.»

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