BMW-Ausstieg: Wie arg leidet die Moral von Melandri?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Marco Melandri und BMW wollen 2013 Superbike-Weltmeister werden. Für die Motivation im Team ist der verkündete Ausstieg zum Saisonende Gift.

Als im Herbst 2012 klar wurde, dass BMW sein Werksteam in Stephanskirchen zusperren würde und zukünftig unter der Flagge von BMW Italia operiert, brachte das so viel Unruhe ins Team, dass Marco Melandri den WM-Titel mit zahlreichen Stürzen vergeigte.

Geschichte wiederholt sich. Marco Melandri und Chaz Davies fuhren vergangenen Sonntag in Moskau bei schwierigsten Bedingungen einen blitzsauberen Doppelsieg ein. Drei Tage später die Bekanntmachung: BMW steigt aus der Superbike-WM aus!

Noch Anfang Mai hatte BMW-Manager Christian Landerl, Leiter Entwicklung und Baureihen von BMW Motorrad, getönt, dass es keinen Grund für BMW gäbe, aus der Superbike-WM auszusteigen. «Wir würden doch nicht mitten in der Saison, wo es darum geht, ob wir ganz vorne mitfahren, bewusst Unruhe ins Team bringen», sagte er gegenüber SPEEDWEEK.com.

Schon damals ließen erste Mitarbeiter im Team den Kopf hängen, weil sich bereits abzeichnete, dass Ende des Jahre Schluss sein würde. In München ist zu hören, der Sargnagel für die Entscheidung des BMW-Vorstands gegen die Superbike-WM wären die zu hohen Kosten gewesen. Landerl verneinte dies stets: «Wir haben beschlossen, welche Aufwendungen wir machen wollen. Wir gehen im Augenblick nicht darüber hinaus. Ich habe ganz klare Zielvorgaben. Diese beziehen sich auf zu erreichende Ziele, einsetzbare Kapazitäten und Budget. Da befinden wir uns im Zielkorridor.»

BMW-Italia-Manager Andrea Buzzoni glaubt nicht, dass die Entscheidung von BMW Auswirkungen auf die Moral seiner Truppe haben wird: «Alle im Team sind sehr professionell und motiviert, und ich bin sicher, dass sie weiter ihr Bestes geben und die Saison erfolgreich beenden werden. 2013 ist ein gutes Jahr fu¨r uns. Die Stimmung im Team ist großartig. Wir sind mit den aktuellen Ergebnissen zufrieden und werden natu¨rlich weiter hart arbeiten. Ich bin u¨berzeugt, dass wir mit Marco und Chaz im Verlauf der Saison noch weitere Erfolge feiern können. Ich bedaure die Entscheidung, doch ich verstehe diesen strategischen Schritt des Unternehmens.»

BMW hat in dieser Saison bislang zehn Podestplätze erobert, darunter fünf Siege. Marco Melandri liegt mit 32 Punkten Rückstand auf WM-Leader Sylvain Guintoli (Aprilia) auf Rang 3, Chaz Davies ist mit 65 Punkten Rückstand WM-Fünfter.

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