Geiz der Teams ist schuld am dummen Reglement

Kolumne von Ivo Schützbach
Speedway-World-Cup
Die Fans haben für vier Fahrer pro Lauf bezahlt – und wollen diese auch sehen

Die Fans haben für vier Fahrer pro Lauf bezahlt – und wollen diese auch sehen

In der Qualifikationsrunde zum Speedway-World-Cup sowie in Event 1 sahen wir jeweils ein Team, welches wegen Verletzungspech nur noch drei Fahrer hatte. Weshalb die Fans um besseren Sport betrogen werden.

Bei der Qualirunde in Landshut war Deutschland Russland unterlegen und ist damit zum wiederholten Mal nicht im World-Cup dabei. Den Deutschen fehlten sechs Punkte, mit einem fitten Tobias Busch wären diese leicht möglich gewesen. Doch der 27-Jährige war in der letzten Runde seines Auftaktlaufs gestürzt, auf dem Weg zurück ins Fahrerlager verkrampfte sein Oberschenkel derart, dass Busch sein Bein nicht mehr bewegen konnte. Alle Massagen halfen nichts, sodass der Rennarzt entschied ihm eine Infusion zu legen. Durch diese gingen die Krämpfe weg, doch Busch konnte ab dann nur noch zuschauen, da ihm der Rennarzt einen weiteren Start im Rennen untersagte.

Weil das Reglement keinen Ersatzfahrer erlaubt, blieb Buschs Platz in den folgenden Läufen unbesetzt, die Fans im Stadion Ellermühle sahen nur jeweils drei Piloten auf der Bahn und waren darüber entsprechend erbost. Schließlich hatten sie Eintritt bezahlt, um packende Rennen mit vier Fahrern zu sehen.

Vergangenen Samstagabend eine ähnliche Situation: Der Pole Jaroslaw Hampel stürzte in Event 1 in Gnesen unverschuldet und brach sich den Oberschenkel. Polen unterlag daraufhin den Schweden, obwohl sie das eindeutig bessere Team waren, sie müssen am kommenden Donnerstag in Vojens ins Race-off.

Der polnische Teammanager Marek Cieslak beschwerte sich bitter über das Reglement, die vielen polnischen Fans im Stadion konnten es ebenso wenig verstehen wie die Fans zuhause vor den Fernsehern.

Doch für einmal ist der Motorrad-Weltverband FIM unschuldig am unzureichenden Reglement. Es wurde auf Wunsch der nationalen Verbände dahingehend geändert, dass es nur noch vier fixe Piloten und keinen Ersatzfahrer mehr gibt. Damit muss das magere Preisgeld nur noch durch vier und nicht mehr wie früher durch fünf geteilt werden.

Dass Deutschland in Landshut wegen dieses Reglements ausschied, interessierte international niemanden. Dass es jetzt aber die Weltmacht Polen erwischte, gibt Denkanstöße. So traurig es für den bemitleidenswerten Jarek Hampel ist, aber ein solches Ereignis war nötig, um die etablierten Nationen aufzurütteln.

Ich wette, im World-Cup 2016 werden wir wieder Teams mit fünf Fahrern sehen. Das wäre nicht nur aus sportlicher Sicht fair, die Macher der Rennen müssen sich auch darüber bewusst sein, dass ein Zuschauer das sehen will, wofür er sein sauer verdientes Geld ausgegeben hat.

Abgeschafft gehört auch die unsägliche Regel, wonach ein Fahrer wegen Bandberührung disqualifiziert wird – auch das ist Betrug am Fan. Im Straßenrennsport oder der Formel 1 gibt es Durchfahrtstrafen für Frühstart. Da dies im Bahnsport nicht praktikabel ist, wäre ein Handicap-Start angebracht, etwa 30 Meter hinter der Linie, wie wir es in diversen Ligen schon gesehen haben. Kein Fahrer stellt sich freiwillig in die zweite Reihe, es würde nicht mehr Bandberührungen geben.

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