Champion Sandro Cortese: «Wer siegt, ist interessant»

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
Sandro Cortese mit Teilen des Kallio-Teams und der Familie

Sandro Cortese mit Teilen des Kallio-Teams und der Familie

Ende 2017 lag die Karriere von Sandro Cortese in Trümmern, nach einer starken Saison mit Kallio Yamaha ist er Supersport-Weltmeister und steigt 2019 in die Superbike-WM auf.

2009 gelang Sandro Cortese im Katar-GP auf der 125er mit Rang 3 der erste Podestplatz in einer Weltmeisterschaft. 2012 wurde der heute 28-Jährige mit dem Red Bull KTM Ajo Team mit fünf Siegen und 15 Podestplätzen Moto3-Weltmeister.

Der darauffolgende Aufstieg in die Moto2-WM erwies sich schwierig, nach fünf Jahren mit nur drei Podestplätzen war der Deutsche als Bruchpilot verschrien.

Nach der Saison 2017 erfolgte die Trennung vom Team Dynavolt Intact GP, Corteses Karriere drohte das Ende. Kurzfristig einigte er sich mit Yamaha-Teamchef Vesa Kallio, ein Jahr später ist der Berkheimer Supersport-Weltmeister. In zwölf Rennen fuhr er immer in die Top-6 und siebenmal aufs Podium, in Aragón und Donington Park gewann Cortese.

Schon vor dem WM-Finale in Katar stand fest, dass Cortese 2019 Superbike-WM fahren wird, im neuen Satelliten-Team von Mirko Giansanti (GRT). Dort erhält er gleiches Material wie Michael van der Mark und Alex Lowes im Yamaha-Werksteam.

Sandro, du wurdest Weltmeister in deinem ersten Supersport-Jahr. Was bedeutet dir der Titel?

Sehr viel, ich kann das nicht in Worte fassen. Wenn ich ein Jahr zurückdenke, da lag meine Karriere am Boden. Bis Februar hatte ich keinen Teamplatz, dann kam der Anruf von Vesa. Wir hatten kaum Vorbereitungszeit und dann ging es schon zum Auftakt nach Australien.

Ich wusste nichts. Zwar habe ich mir die Supersport-Rennen immer angesehen, aber ich fuhr nie zuvor so eine Maschine. Ich hatte keine Ahnung, ob ich gut oder schlecht sein würde.

Ich kann Vesa und Mika Kallio nur danken, dass sie an mich geglaubt haben. Sie haben mir immer gesagt, dass wir es schaffen können, um den Titel zu kämpfen. Wir haben nicht so viele Rennen wie Jules Cluzel gewonnen, aber unsere Konstanz war besser. Ich schaffte es in den meisten Rennen aufs Podium oder war nahe dran, das war unser Ziel. Wenn der Sieg möglich ist, dann musst du ihn ergreifen. Wenn nicht, dann musst du so viele Punkte wie möglich heimbringen.

Du bist mit Platz 3 auf Phillip Island in die Saison gestartet, das dritte Rennen in Aragón hast du gewonnen. Hast du da erstmals an den Titel gedacht?

Nein, das kam später. Ich wusste, auf welchen Strecken ich schnell sein kann. Bei Imola, Portimao und Magny-Cours war ich mir nicht sicher, diese Strecken kannte ich nicht. Aber alle im Team blieben immer ruhig und beruhigten mich, auch wenn es am Freitag mal nicht so gut lief oder wir Probleme mit der Abstimmung hatten. Die finnische Mentalität hat mir sehr geholfen, das hat sich ausbezahlt.

Auch deinen zweiten Titel hast du mit einem finnischen Team gewonnen. Was hast du als halb Schwabe, halb Italiener für eine besondere Beziehung zu den Finnen?

Ich habe einige Jahre mit Aki Ajo gearbeitet und jetzt mit Vesa Kallio. Ich mag die finnische Mentalität. Süditaliener neigen dazu, gleich heiß zu laufen. Sie sind immer sehr enthusiastisch. Und dann ist da natürlich meine deutsche Seite, diese sorgt dafür, dass ich ruhig bleibe.

Das Team hat es geschafft, uns immer in der Spur zu halten. Wenn es mal nicht so gut lief sagten mir die Jungs immer, dass das egal ist. Sie sagten, dass ich ruhig bleiben soll, dass sie wissen was ich kann, und dass sie an mich glauben. Wie in Imola, als ich nur auf Startplatz 9 stand. Sie gaben mir immer das Gefühl, dass ich gewinnen kann. Das braucht ein Fahrer, um eine Meisterschaft zu gewinnen.

Ihr habt das Yamaha-Werksteam mit Lucas Mahias und Federico Caricasulo geschlagen, wie speziell ist das für euch als Privatteam?

Klar gab es Teams, die finanziell besser aufgestellt waren und mehr Personal zur Verfügung hatten. Aber wir sind als Familie zusammengewachsen, sie haben alles gegeben. Ständig haben sie versucht, das Motorrad zu verbessern. Das hat uns stark gemacht. Dazu braucht man nicht immer das größte Budget, wobei Geld natürlich hilfreich ist. Aber vor allem brauchst du eine Gruppe gute Leute. Wenn sie dir Vertrauen entgegenbringen, dann gibst du ihnen das zurück.

Dass wir gegen das offizielle Yamaha-Team kämpfen konnten, da kann ich nur meinen Hut vor dem Kallio-Team ziehen.

MotoGP hat bei den Fans und Medien einen deutlich höheren Stellenwert als SBK, dieses Jahr sahen wir aber Markus Reiterberger in der Superstock-1000-EM gewinnen und dich in der Supersport-WM. Das hat unter den Racing-Fans in Deutschland viel Interesse hervorgerufen. Ist es letztlich wichtiger, dass ein Deutscher gewinnt, und nicht in welcher Klasse?

Es ist immer so, dass eine Sportart dann interessant ist, wenn die eigenen Leute gewinnen. Momentan interessiert Tennis in Deutschland niemand. Vor 30 Jahren hatten wir Boris Becker und es gab viel Rummel.

Markus hat dieses Jahr großartige Arbeit geleistet.

Ich liebe die Atmosphäre im Superbike-Fahrerlager, dort herrscht unglaublicher Sportsgeist. MotoGP ist MotoGP, keine Frage. Ich würde aber wetten, dass es in SBK viele gute Fahrer gibt, die besser sind als einige im anderen Fahrerlager.

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