24h Le Mans: Was beim Vortest noch aufgefallen ist

Von Oliver Müller
24h Le Mans

SPEEDWEEK.com schaut auf die großen und kleinen Geschichten des Vortests zur diesjährigen Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans. Dort ging es im Feld der 60 Fahrzeuge richtig zur Sache. Das ist der zweite Teil der Analyse.

Der Vortest zu den 24 Stunden von Le Mans läutete am Sonntag die 86. Ausgabe des Langstrecken-Klassikers an der französischen Sarthe so richtig ein. Und nicht nur an der Spitze des Feldes ging es bei Toyota, Rebellion und SMP heiß her, auch auf den Positionen dahinter wurde um Rundenzeit gefightet. Beispielsweise im Bykolles Racing Team. Dominik Kraihamer schaffte mit dem ENSO CLM–NISMO aus Bayern eine Zeit von 3:23,644 Minuten. Das ist eine Verbesserung von über fünf Sekunden zum Vortest 2017 und bestätigt die Entscheidung des Teams, sich zum Ende der Saison 2017 aus den aussichtslosen Rennen gegen Toyota/Porsche zurückzuziehen und sich auf die Weiterentwicklung des Fahrzeuges zu beschränken. Nachholbedarf hat der ENSO CLM noch in Bezug auf den Downforce. Auf den wenigen Metern der Porsche-Kurven gingen knapp 1,2 Sekunden auf den besten Rebellion verloren.

Voran ging es auch bei Ginetta. Nach dem Desaster von Spa-Francorchamps konnten die G60-LT-P1 in Le Mans endlich auf Zeitenjagd gehen. Nachdem am Vormittag nur ein Fahrzeug unterwegs war, hatten am Mittag schließlich beide Ginetta Testarbeit verrichten können. Insgesamt 94 Runden wurden absolviert. Das ist sogar eine mehr als beispielsweise SMP Racing (zusammen 93 Umläufe) geschafft hat. Mit 8,682 und 9,114 Sekunden Rückstand ist die Performance aber noch ausbaufähig. Zur Rennwoche hin soll aber noch ein weiteres Aero-Update für mehr Top-Speed aus Großbritannien kommen. Das ist bitter nötig. Denn mit Werten von 323,9 bzw. 322,9 km/h lagen die Ginetta am Ende des gesamten LMP-Feldes.

Insgesamt hat sich jedoch in Bezug auf den Top-Speed im Vergleich zum Vorjahr einiges getan. Damals markierte der Dallara LMP2 mit 341,3 km/h beim Vortest noch die Spitzengeschwindigkeit. 2018 ging es für die italienischen Prototypen mit 331,8 knapp zehn km/h langsamer voran. Das hat mit den Jocker-Updates zu tun, welche Dallara und auch Ligier im Winter entwickeln durften. Die überarbeitete Aero brachte jedoch kein neues Bild in der LMP2-Kategorie. Erneut dominierten die Oreca 07 das Geschehen. Alle neun Oreca schafften es beim Vortest unter die ersten elf. Im Vergleich dazu: Sieben der acht startenden Ligier JS P217 lagen am Ende auf den letzten acht Plätzen der Klasse. Zwar sind die Ligier auf der Geraden einigermaßen mit von der Partie, doch im Downforce-Bereich fehlt es den französischen Wagen elementar.

Trotz eigener Le-Mans-BoP führten Ford und Porsche wie schon zuvor in Spa-Francorchamps erneut das Tableau in der GTE-Klasse an. Die Zeiten beim Vortest sind allerdings mit äußerster Vorsicht zu genießen, da keiner der Hersteller sein volles Potential aufzeigen wollte. Was jedoch gesagt werden kann ist, dass es für Aston Martin richtig schlecht lief. Der über den Winter entwickelte Vantage AMR drehte beim Vortest seine ersten Le-Mans-Runden auf dem so besonderen 'Circuit de la Sarthe'. Dabei zählt natürlich jeder Meter, um Erkenntnisse für das Setup zu sammeln. Doch schon in der ersten Session ging durch den Unfall von Marco Sørensen eines der beiden Fahrzeuge verloren. Für die Rennwoche muss sogar ein Ersatzchassis aufgebaut werden. Somit war der Schwesterwagen von Alexander Lynn, Maxime Martin und Jonathan Adam am Nachmittag als giftgrüner britischer Einzelkämpfer in Sachen Abstimmung unterwegs. Letztendlich fehlten Aston Martin 4,937 Sekunden auf die Klassenspitze.

Was die Arbeit mit zwei Fahrzeugen bringen kann, zeigt das Beispiel von BMW. Die M8 GTE sind ebenfalls Le-Mans-Debütanten. Während den bayrischen Boliden in der ersten Session am Vormittag noch über 3,1 Sekunden auf die Klasssenspitze fehlten, konnte dieses Loch mittags auf nur 1,395 Sekunden zugefahren werden. Das macht Mut für die Rennwoche. Das freie Training zu den 24 Stunden von Le Mans steigt am Mittwoch (13. Juni) ab 16:00 Uhr. Am selben Tag steht ab 22:00 Uhr bereits die erste Qualifikation auf der Agenda.


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