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Daniel Ricciardo: Jules Bianchis Tod veränderte mich
​In unregelmässigen Abständen greift Daniel Ricciardo für Red Bull zur Feder und plaudert aus dem Nähkästchen des Rennfahrers. Heute über seinen Sieg in Malaysia und seinen verlorenen Kollegen Jules Bianchi.
Formel 1
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Es hat ziemlich lange – zu lange! – gedauert, bis ich wieder einen Grand Prix gewinnen konnte. Mercedes dominiert auch in dieser Saison, und die Gegner erhalten nicht viele Gelegenheiten. Aber in Malaysia ergab sich eine Chance, und ich habe gerne zugepackt. Ich habe immer daran geglaubt, dass mein Moment kommen würde, und in Sepang war es so weit.
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Viele haben gefragt: War das Genugtuung für den entgangenen Sieg in Monte Carlo? Ein Rennen zu gewinnen, ist immer toll. Aber du kannst das nicht gegen eine Enttäuschung wie in Monaco aufwiegen. Was im Fürstentum passiert ist, hat den Sieg in Malaysia gewiss süsser gemacht – weil ich länger auf meinen vierten GP-Sieg warten musste. Die Freude in Malaysia war riesig, zumal ich eine Runde aus dem Schuh spendieren durfte. Einige haben nach Monaco gesagt: Mach dir keine Sorgen, das Schicksal wird dich für den entgangenen Sieg belohnen. Ich bin nicht so sicher, ob ich an Schicksal glaube. Aber ich glaube daran, dass Dinge aus bestimmten Gründen passieren. Nicht nur im Rennsport, im ganzen Leben. Vielleicht glaube ich eher an Karma als an Schicksal. Klar war ich in Monaco am Boden zerstört. Aber ich blieb davon überzeugt: Wenn ich mir selber treu bleibe und anhaltend gut fahre, dann würde ein Sieg kommen. Gewiss, wir haben in Malaysia vom Pech von Lewis Hamilton profitiert. Aber die Rekordbücher weisen nur aus, wie viele Siege du hast, und nicht, auf welche Weise du zum Sieg gekommen bist. Monaco war für ihn so glücklich wie Sepang für mich – das macht für mich Sinn.
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Nach einem Sieg, wenn du oben auf dem Podest stehst, wird es einen Moment ganz ruhig, anschliessend wird die Landeshymne gespielt. In dieser kurzen Pause wird dir nach dem ganzen Trubel erst so richtig bewusst, was eben passiert ist. Malaysia war besonders intensiv, auch wegen des heissen Duells mit Max und wegen des Wetters.
Jeder konnte sehen, dass ich auf dem Podest ziemlich emotional reagierte. Das lag teilweise an der Erschöpfung, teilweise daran, dass ich zwei Jahre lang nicht gewonnen hatte. Es lag aber auch daran, dass ich an Jules Bianchi dachte.
Es war das erste Rennen, das ich gewinnen konnte, seit wir ihn verloren haben. Suzuka stand als nächster WM-Lauf auf dem Programm, der Ort also, wo er seinen schlimmen Unfall hatte. Und seit seinem Tod im Sommer 2015 wollte ich einen passenden Moment finden, um ihm zu gedenken. In diesem ruhigen Moment auf dem Podest von Sepang war ich überwältigt von Gedanken an Jules. Die Leute wissen, dass wir Freunde waren. Wir hatten viele Nachwuchsklassen zusammen durchlaufen, sein Tod hat mich verändert. Vielleicht mehr als jedes andere Erlebnis in meinem Leben.
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Ich würde nicht sagen, dass ich vor seinem Unfall undankbar war für mein Dasein als Formel-1-Rennfahrer, aber sein Schicksal hat mir vor Augen geführt, wie privilegiert ich wirklich bin. Ich habe für mich gelernt, den Moment mehr zu geniessen, nicht zu viel an die Zukunft zu denken, wie das viele in der Formel 1 machen. Wenn du zu sehr an die Zukunft denkst, dann kommst du in Gefahr, die Gegenwart zu wenig zu schätzen. Ich weiss, dass es damals in Japan auch mich hätte treffen können. Nach seinem Unfall habe ich mir geschworen – wenn ich schon die Risiken dieses Sports auf mich nehme, dann will ich das Meiste daraus schöpfen und es wirklich geniessen. Wir bereisen die Welt, und ich finde, das sollte ich nutzen. Und zwar, in dem ich bewusster wahrnehme, was um mich herum passiert, in dem ich neue Dinge kennenlerne, in dem ich die Augen offener habe. Vielleicht hat es auch etwas mit Älterwerden zu tun. Aber Jules hatte noch so viel vor sich, und das ist ihm alles weggenommen worden. Du musst dein Leben leben, das Beste rausholen, jeden Tag geniessen. Das hat mir Jules Bianchi mit auf den Weg gegeben. Grandioser Empfang in Japan
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Die Fans in Japan hauen mich immer wieder um. Als Rennfahrer hast du auf einmal das Gefühl, ein Rockstar zu sein. Das hat mich angeregt, ein wenig über den Rummel um uns Fahrer nachzudenken. Als ich in die Formel 1 kam, fand ich das ganze Berühmtseinding ein wenig seltsam. Ich mochte es nicht, wenn die Leute von mir ein Foto machen wollten – weil ich fand, ich hätte doch noch gar nichts erreicht, ich verdiente es quasi nicht, fotografiert zu werden, es fühlte sich einfach nicht richtig an. Wenn ich mit meiner Familie zu Tisch sass, fand ich es merkwürdig, wenn Leute herüberkamen. Aber mit den ersten Erfolgen nahm das zu, und du musst das annehmen. Wir dürfen uns wirklich sehr glücklich schätzen, dass wir diesen Job ausüben dürfen, dass uns so viele Leute unterstützen. Wenn du die Aufmerksamkeit der Fans zu schätzen lernst, dann macht das richtig Spass. Das schenkt dir viel gute Energie. Es gibt schliesslich keine Fans, die stundenlang auf dich warten, nur um dir zu sagen, dass sie dich nicht mögen. Als Rennfahrer lernst du auch viele prominente Menschen kennen, und ich meine jetzt richtige Berühmtheiten. Hin und wieder werde ich dann verlegen wie ein Fan. In Abu Dhabi lernt ich beispielsweise den amerikanischen Schauspieler Kevin Hart kennen und den Rapper Ludacris. Beide haben eine massive Fangemeinde, und ich kam mir ein wenig seltsam vor, als ich ihnen vorgestellt wurde. Ich fühlte mich neben ihnen unwichtig und klein. Ich finde es schön, dass ich diese Gefühle noch habe.
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Max Verstappen gibt Schub Schon das ganze Jahr über fühle ich mich in guter Form. Das mit der Form ist so eine Sache. Wenn ein Tennisspieler einen guten Lauf hat, dann ist das für die Fans von freiem Auge zu sehen. Bei uns ist das anders, weil wir mit einem hochkomplexen Arbeitsgerät unterwegs sind. Du kannst gut drauf sein, leider aber passt der Wagen nicht. Also siehst du insgesamt nicht so gut aus. Es kann aber auch vorkommen, dass der Wagen gut läuft, du selber bist aber nicht ganz auf der Höhe. Ich glaube, ich habe in diesem Jahr ein neues Niveau gefunden. Ich fühle mich abseits der Strecke wohl in meiner Haut, mein Selbstvertrauen ist gross, wir haben mit dem Wagen gute Fortschritte gemacht, als Team haben wir einen tollen Lauf – in den vergangenen neun Rennn standen acht Mal Fahrer von uns auf dem Podest. Max hat uns allen bei Red Bull Racing nochmals einen Schub gegeben. Nun geht es nach Austin. Ich bin derzeit auf Diät, so dass ich in Texas dann beim Barbecue so richtig zuschlagen kann! Ebenfalls auf meiner To-do-Liste – Live-Musik hören! Wenn nicht in Austin, wo dann? Vielleicht lasse ich mir auch wieder einen Bart wachsen, wie ich das ein paar Mal gemacht habe. Ich hätte da schon ein paar Ideen ...
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