Boscoscuro: Die neuen Pirelli-Reifen haben uns 2025 das Genick gebrochen
Chassis-Hersteller Luca Boscoscuro erklärt im Interview von SPEEDWEEK.com, was in der Moto2-Saison 2025 schieflief und welchen Fahrern der Italiener in diesem Jahr viel zutraut.
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Obwohl er mit Izan Guevara den letzten Grand Prix der Saison in Valencia gewann und Jake Dixon die Meisterschaft auf dem fünften Platz beendete, war 2025 für Luca Boscoscuro, ehemaliger GP-Pilot und Hersteller des gleichnamigen Chassis, nicht die Saison, die er erwartete. Denn nach einem spektakulären Jahr 2024, in dem er mit Ai Ogura den Weltmeistertitel holte und drei seiner anderen Fahrer den dritten, fünften und sechsten Platz in der Meisterschaft belegten, versprach das Jahr 2025 mehr. SPEEDWEEK.com-Autor Manuel Pecino sprach mit Luca Boscoscuro beim Saisonauftakt 2026 in Thailand.
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Luca, kann man sagen, dass 2025 eine enttäuschende Saison war? Ja und nein. Was uns letztes Jahr das Genick gebrochen hat, war der neue Reifen, den Pirelli in Jerez eingeführt hat. Bis dahin hatten wir von den ersten vier Grands Prix zwei gewonnen und waren viermal auf dem Podium. Auch beim Rennen in Katar hätten wir gewinnen können, wenn Dixon nicht gestürzt wäre. Als wir in Jerez ankamen, hat Pirelli den Reifen gewechselt, und da hat sich das Blatt komplett gewendet. Hat euch das so sehr geschadet? Ja, denn es hat all die Arbeit zunichte gemacht, die wir geleistet hatten, um Grip am Heck zu erzeugen. Der neue Reifen hatte plötzlich sehr viel Grip und schob über das Vorderrad – ganz im Gegensatz zu dem, worauf wir unsere gesamte Arbeit im Winter ausgerichtet hatten.
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Das heißt, ihr habt die Saison mit dem gleichen Material beendet, mit dem ihr sie begonnen hattet? Nein. Ich habe eine verbesserte Version der Schwinge gebracht – und das genau in Jerez! Gerade als Pirelli den Reifen wechselte, und das hat mich fertiggemacht. Letztendlich war es keine Saison wie die 2024er, aber wir haben eine gute Kampagne hingelegt. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir fünf Rennen mit drei verschiedenen Fahrern gewonnen, 14 Podestplätze erreicht, und wenn man sich das letzte Rennen ansieht, hatten wir fünf Fahrer in den Top-10. Unsere Ergebnisse hingen stark vom Grip der Strecke ab.
Ich nehme an, du hast dich bei Pirelli beschwert. Natürlich! Sagen wir mal so, ich habe mit ihnen gesprochen, weil Pirelli angeblich den Reifen nicht ändern wollte. Stattdessen kamen sie mit diesem völlig anderen Reifen. Letztes Jahr hattest du acht Motorräder auf der Strecke, dieses Jahr sind es sechs. War die Betreuung von acht Bikes zu viel? Nein, überhaupt nicht. Acht oder sechs Motorräder, das ändert nichts.
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Welche Fahrer hast du dieses Jahr? Izan, der das letzte Rennen des letzten Jahres gewonnen hat, wir haben Canet, der meiner Meinung nach ein sehr guter Fahrer ist, wir haben Vietti, der meiner Meinung nach sehr gut abschneiden kann. Dann haben wir Deniz Öncü, der nach 6 bis 7 Monaten ohne Motorrad sein Comeback hat, weil er sich nach dem Rennen, das er in Deutschland gewonnen hat, verletzt hat, und wir haben zwei Rookies – Lunetta und Ferrández. Hast du Fahrer, die um den Titel kämpfen können? Wir werden sehen. Aber wie ich immer sage, der Fahrer macht den Unterschied. Das Motorrad hat bis zu einem gewissen Grad Einfluss, aber den Unterschied macht immer der Fahrer. Dieses Jahr hoffe ich, dass Celestino, der das Arbeitssystem bereits verstanden hat, schnell sein wird; dasselbe gilt für Canet, der meiner Meinung nach das Talent hat, Champion zu werden. Er muss nur gut arbeiten. Was meinst du mit gut arbeiten? Jeder Fahrer ist anders. Für mich war Aron bereits in der Moto3 ein sehr schneller Fahrer. Als er mit Aspar in die Moto2 kam, war er mit meinem Motorrad schnell unterwegs. Viele Jahre später gewann er dann sein erstes Rennen in der Moto2. Ich hoffe, dass Guevara sich weiterentwickelt, dass Canet sich beruhigt und im Marc-VDS-Team gut arbeitet und dass Vietti bereit ist, die ganze Saison über zu kämpfen. Die Meisterschaft hat für dich gut begonnen. Izan Zweiter, Vietti Sechster... Meiner Meinung nach werden wir das richtige Niveau erst in Jerez sehen, denn in den ersten vier Rennen ist sicher noch nicht alles zu 100 Prozent perfekt.
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Bist du zuversichtlich, dass es ein gutes Jahr wird? Ja, wir haben diesen Winter sehr hart gearbeitet, alle Daten überprüft und hoffen, dass sich die Arbeit auszahlt.
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