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Formel 1

Kolumne

Lewis Hamilton: Punkte futsch, so gefährdet ist Titel

​Lewis Hamilton hat in Ungarn Verblüffendes getan: Er gab einen dritten Platz an Valtteri Bottas zurück und verschenkte so drei Punkte. Wie stark sind dadurch seine WM-Chancen beeinträchtigt?

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Lewis Hamilton
Lewis Hamilton
Foto: LAT
Lewis Hamilton
© LAT

Gewiss, eine Formel-1-Fahrer-WM wird nicht in einem Rennen gewonnen oder verloren. Klar spielen die Ergebnisse übers ganze Jahr eine Rolle. Ob Dritter oder Vierter, das ist in Melbourne so wichtig wie auf dem Hungaroring oder beim WM-Finale von Abu Dhabi, wenn es am Ende um jeden Punkt geht.

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Der grosse Unterschied bei Lewis Hamilton: Gegen technische Defekte ist er machtlos, wie in Malaysia 2016, als der Motor seines Silberpfeils schlappmachte. Und wenn Punkte durch eine Kollision verloren gehen, dann trägt der Fahrer meist mindestens Mitschuld.

Aber aus freien Stücken Punkte hergeben? In einem WM-Kampf gegen einen so harten Gegner wie Sebastian Vettel im Ferrari? Das hätten viele Lewis Hamilton nicht zugetraut, aber genau so ist es passiert.

Formel-1-Weltmeister Damon Hill über das Manöver von Mercedes: "Ich bin schon überrascht davon, wie Hamilton freiwillig drei Punkte hergibt – in einem WM-Kampf mit Vettel, bei dem es wirklich um jeden Punkt geht. Das hätte ich nicht erwartet."

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Mercedes-Teamchef Toto Wolff dazu: "Ja, das stimmt. Am Ende könnten uns diese drei Punkte zum Titel fehlen. Vielleicht werden die Leute eines Tages zurückblicken und sagen – in Ungarn wart ihr naiv, da habt ihr den WM-Titel weggeworfen. Aber für mich ist es wichtig, dass du zu gewissen Werten stehst."

"Wir versuchen, einen ausgeprägten Teamgeist zu pflegen. Dieser Geist hat mitgeholfen, dass wir drei WM-Titel in Folge gewonnen haben. Wenn wir ein Wort geben, dann stehen wir auch dazu. Wir wollten versuchen, ob Hamilton die Ferrari vor sich knacken kann. Das hat nicht geklappt. Aber wir haben auch von Anfang an gesagt – wenn es nicht funktioniert, dann muss er den Platz an Valtteri zurückgeben. Klar war dieser Funkspruch einer der schwierigeren während meiner Zeit als Teamchef."

"Gewiss, was wir getan haben, hat in die Hände von Ferrari gespielt. Aber nochmals – Fairplay ist für uns wichtig, und das wird auch weiterhin gelten. Wenn eine Situation entsteht, wenn der eine Fahrer einen klaren Vorsprung auf den anderen hat, dann kommt vielleicht eine andere Entscheidung. Im Moment aber haben beide eine Chance auf den Titel, und das wollen wir niemandem wegnehmen."

In der WM heisst es nun Sebastian Vettel (202 Punkte) vor Lewis Hamilton (188) und Valtteri Bottas (169).

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Lewis Hamilton meint: "Es war eine Entscheidung des Herzens, denn im Kopf weisst du ja ganz genau, dass jeder WM-Punkt wichtig ist. Das Herz sagte mir aber, dass es das Richtige ist, Valtteri wieder vorbei zu lassen. Ich würde einen Titel nicht so gewinnen wollen. Klar, das könnte sich rächen, aber ich will es richtig machen und ich denke, heute haben wir auch alles richtig gemacht. Ich bin überzeugt, dass einem Gutes widerfährt, wenn man Gutes tut."

Und der 57-fache GP-Sieger fügte an: "Ich lag in der WM-Tabelle schon einmal 20 Punkte zurück und habe den Abstand bis auf einen Zähler verkürzt. Nun sind es wieder 14 Punkte. Wir haben in der ersten Saisonhälfte einige Punkte verloren. Aber ich weiss, dass wir es schaffen können, wenn wir nach der Sommerpause noch besser zurückschlagen."

3 Punkte mehr oder wenig: Die neuen Weltmeister

Wie oft in der Formel-1-WM machen drei Punkte den entscheidenden Unterschied? Wir haben uns die Weltmeisterschaften angeschaut, denn wir wollten wissen – in welchen Jahren hätte ein anderer Fahrer den Titel geholt, eben genau mit drei Punkten mehr?

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1950 hätte Juan-Manuel Fangio mit Weltmeister Nino Farina gleichgezogen. Damit wären beide gleichauf gewesen – gleich viele Siege, gleich viele zweite Ränge, gleich viele beste Rennrunden.

1956 hätte Stirling Moss mit Fangio gleichgezogen, zum Titel hätte es für den Engländer aber nicht gereicht (wegen Streichergebnissen).

1958 wäre Stirling Moss Weltmeister geworden, nicht Mike Hawthorn.

1961 hätte Wolfgang Graf Berghe von Trips als erster Deutscher den Titel geholt, nicht der US-Amerikaner Phil Hill.

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1964 hätte Graham Hill mehr Punkte geholt als John Surtees, aufgrund der Streichresultatregel wäre jedoch John Surtees gleichwohl Champion geworden.

1974 wäre Clay Regazzoni Weltmeister geworden, nicht Emerson Fittipaldi.

1976 hätte Niki Lauda den Titel erfolgreich verteidigt, James Hunt wäre WM-Zweiter geworden.

1981 wäre Carlos Reutemann Weltmeister geworden, nicht Nelson Piquet.

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1983 hätte sich Alain Prost zum ersten Formel-1-Champion von Frankreich gemacht, Nelson Piquet hätte das Nachsehen gehabt.

1984 wäre dafür Prost Champion geworden, nicht Niki Lauda.

1986 hätte Nigel Mansell mehr Punkte gemacht als Alain Prost, aber aufgrund der Streichresultatregel hätte es dennoch nicht zum Titel gereicht.

1988 hätten selbst drei Punkte mehr von Prost gegen Senna nicht gereicht – erneut wegen der Streichpunktevorschrift.

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1994 wäre Damon Hill statt Michael Schumacher Weltmeister geworden.

1999 hätte Eddie Irvine den Titel geholt, nicht Mika Häkkinen.

2003 wäre nicht Michael Schumacher Champion geworden, sondern Kimi Räikkönen.

2007 hätte Lewis Hamilton oder Fernando Alonso Weltmeister Kimi Räikkönen überflügelt.

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2008 wäre Felipe Massa Champion geworden, nicht Lewis Hamilton.

2012 hätte Fernando Alonso mit Sebastian Vettel gleichgezogen, aber zum Titel hätte es nicht gereicht (Vettel hatte mehr Siege).

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