Deutsche Straßenrennfahrer zum «Fremdgehen» gezwungen
Wenn ein Deutscher Straßenrennen bestreiten möchte, dann kann er es seit dieser Saison nicht mehr mit einer Lizenz vom Deutschen Motor Sport Bundes. Er ist gezwungen, sich anderweitig umzusehen.
«Eigentlich wollen wir doch nur Rennen fahren, aber so schwer wie dieses Jahr wurde es uns noch nie gemacht», beginnt der passionierte Straßenrennfahrer Kenny Hinck seinen Beitrag auf Facebook. «Nach dem ganzen Airbag-, Helme- und Regenlicht-Nonsens hat unser DMSB, der ja für uns da sein soll, unter der Hand beschlossen, dass ihre Lizenz beim Road Racing nicht mehr gültig ist!!!» «Dieser Umstand ist nur durch einen Zufall und auf Nachfrage bekannt geworden. Nachdem ich dann unsere Lizenz seitens des DMSB zurückziehen durfte, fahre ich nun unter belgischer Flagge. Ich frage mich allerdings, warum diese Aktion vom DMSB nicht offensiv kommuniziert wird. Hoffentlich wird es für keinen meiner Kollegen im Rennbüro kein böses Erwachen geben wird.»
In einer Stellungnahme, die SPEEDWEEK.com vorliegt, heißt es seitens des DMSB auf die Frage, ob die Information stimmt, dass man mit einer A-Lizenz nicht mehr an Straßenrennen teilnehmen darf: «Es ist richtig. Zu diesen Entscheidungen, die auch erst kürzlich getroffen wurden, sah sich unser DMSB-Präsidium gezwungen, hier die Hintergründe: Das Präsidium hat beschlossen, dass ab diesem Jahr Straßensport-Rennen in Deutschland auf nicht permanenten Rennstrecken nur noch mit dem Status angemeldet werden können. Dies aufgrund der Tatsache, dass diese Veranstaltungen nicht bei der FIM (Status International) angemeldet werden dürfen und der offene Kalender bei der FIM Europe (Status Europa-offen) nicht mehr existiert.»
Und weiter: «Wir als DMSB hoffen und versuchen zu erreichen, dass es bei FIM/FIM E ein Umdenken gibt bezüglich , im Sinne von Unterscheidung von Rennstrecken in sicher und nicht sicher und nicht in und und wünschen uns, dass die aktuell angestrebte FIM Grade F-Abnahme in Schleiz dazu beitragen kann. Des Weiteren bedeutet dies für deutsche Fahrer, die bei Straßenrennen im Ausland teilnehmen, wie bei IRRC-Läufen, dass sie dort nicht mehr mit einer deutschen Lizenz startberechtigt und versichert sind, sondern eine andere ausländische Lizenz mit Unfallversicherung benötigen. Wir würden in diesen Fällen die Freigabe dafür erteilen, dass Deutsche mit DMSB-Lizenz als Ausnahme auch andere Lizenzen erhalten können. Deutsche Fahrer werden bei Rennen in Deutschland wie Frohburg dennoch eine deutsche Lizenz benötigen.»
IRRC in Frohburg ohne ausländische Piloten?
Zwischen den Zeilen ist aber auch zu entnehmen, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur die Aktiven vor einem Problem stehen. So wären momentan bei der Veranstaltung der International Road Racing Championship (IRRC) auf dem Frohburger Dreieck am 19. und 20. September keine ausländischen Fahrer startberechtigt, weil es sich nur um ein Rennen mit dem Status «National» handelt. Für die bei Fahrern und Fans gleichermaßen beliebten Serie wäre dies der nächste harte Schlag, mussten doch bereits die Rennen auf dem Schleizer Dreieck und im finnischen Imatra aus dem Kalender gestrichen werden. «Uns ist bewusst, dass diese Regelungen die Sache für Fahrer und Veranstalter schwieriger macht. Dazu sei aber gesagt, dass die getroffenen Maßnahmen der einzige Schritt sind, die Rennen aufgrund der FIM-Regularien überhaupt noch stattfinden zu lassen. Wir als DSMB werden Rennen wie Frohburg und Schleiz auch weiterhin genehmigen und stehen zu diesen Traditionsveranstaltungen.»
Einige Fahrer haben bereits Konsequenzen gezogen und haben sich Lizenzen anderer Föderationen besorgt. Hinck wird künftig als «Belgier» («vielen Dank an Kurt Vanborm und Jacques Borremans für die Hilfe!») unterwegs sein, Deutschlands Road-Racing-Aushängeschild David Datzer und Nico Müller fahren 2026 unter slowakischer Flagge.
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