Timo Glock: Verstappen schuldlos, Mercedes klar voraus, Ferrari ernüchtert
Der Deutsche Timo Glock ist als GP-Experte für die Kollegen der deutschen Sky nach Australien geflogen. Der WM-Zehnte von 2008 und 2009 sagt, was ihn in der Melbourne-Quali am meisten verblüfft hat.
Das erste Abschlusstraining mit den neuen Formel-1-Rennwagen ist vorbei, und es hat sich gezeigt, was viele Fans und Fachleute vermutet hatten: Mercedes ist hervorragend aufgestellt.
Achte Formel-1-Pole für den Engländer George Russell (gleich viele wie Jenson Button, Riccardo Patrese und John Surtees), seine erste seit Singapur 2025, seine erste in Melbourne. Für Mercedes ist dies F1-Pole Nummer 144, die erste in Australien seit 2019.
Und die Marke mit dem Stern hat dank Kimi Antonelli beide Autos in Reihe 1, zum 83. Mal in der Königklasse (Rekord) und zum ersten Mal seit Silverstone 2024 (damals mit Russell vor Lewis Hamilton).
Timo Glock hat das Geschehen live mitverfolgt im Albert-Park von Melbourne. Der 43-jährige Hesse aus Lindenfels schildert als F1-Experte von Sky seine stärksten Eindrücke aus dieser Quali.
Glock: «Ganz starke Ansage von Mercedes»
«Schon nach dem freien Training hiess die Frage für mich eigentlich nur: Wie gross wird der Vorsprung von Mercedes sein? Der ist jetzt deutlich. Das ist eine ganz starke Ansage von Mercedes.»
«Hut ab auch vor Kimi Antonelli. Nach seinem Unfall im dritten Training war der Druck gross, und er war in der Quali auch zwei Mal neben der Spur, das war ein Ritt auf der Rasierklinge, aber letztlich hat er mit Rang 2 abgeliefert. Und das mit einem Auto, das bestimmt nicht ideal abgestimmt war nach der langen Reparatur.»
Glock: «Max Verstappen ist ohne Schuld»
Zu Red Bull Racing meint der frühere GP-Fahrer von Toyota: «Mir hat zunächst sehr gefallen, wie Isack Hadjar das gemacht hat. Er ist das ganze Wochenende über in der Nähe von Max Verstappen gewesen, und nach dem Unfall von Max war vielleicht sogar ein wenig Druck von seinen Schultern. Hadjar hat sich im Laufe der Quali gesteigert und zum Schluss eine fehlerfreie Runde gezeigt, P3.»
«Sehr schade für Max Verstappen, der in meinen Augen völlig schuldlos von der Bahn abgekommen ist. Das sah ganz nach einem Problem an der Hinterachse aus, weil die Räder urplötzlich blockiert haben.»
Die anhaltende Kritik von Max an den neuen Rennwagen ordnet Glock so ein: «Max ist nun mal einer, der immer seine Meinung sagt. Sobald er im Auto sitzt, wird er immer versuchen, das Bestmögliche aus dem Wagen zu holen, das hat also nichts mit seiner Einstellung zu diesen Fahrzeugen zu tun. Im Übrigen: Kein Fahrer ist restlos happy mit diesen neuen Regeln.»
«Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, welch tollen Job Red Bull Powertrains und Ford mit dem neuen Motor gemacht haben. Die fahren da mit, als seien sie schon immer da gewesen. Das ist nicht selbstverständlich. Nun zahlt sich die jahrelange, sehr gute Vorbereitung aus und auch die clevere Entscheidung, damals von Honda und Mercedes sehr helle Köpfe engagiert zu haben.»
«Die sind noch nicht auf Niveau von Mercedes, aber nicht weit weg, und ich glaube, das haben viele Leute nicht erwartet.»
Glock: «Ferrari in der Realität angekommen»
Ferrari wird das Rennen im Albert-Park von Melbourne von den Rängen 4 (Charles Leclerc) und 7 (Lewis Hamilton) in Angriff nehmen. Timo Glock findet: «Das ist eine solide Ausgangslage für Ferrari, vor allem habe ich von Lewis Hamilton hier in Australien einen guten Eindruck. Der scheint zu seinem alten Schwung und zur alten Selbstsicherheit zurückgefunden zu haben.»
«Allerdings ist auch für die Italiener hier ein wenig die Realität eingekehrt. Die haben geahnt, dass Mercedes sehr stark sein würde, aber ich glaube, die haben dann noch nicht erwartet, dass der Rückstand auf die Pole acht Zehntelsekunden betragen würde.»
Glock: «Mercedes macht das besser als McLaren»
Leise Enttäuschung bei Konstrukteurs-Weltmeister McLaren: Oscar Piastri auf Startplatz 5, Weltmeister Lando Norris auf P6, da hatten sich die Papaya-Mannschaft gewiss mehr ausgerechnet.
Timo Glocks Einschätzung: «McLaren hat ja die gleiche Antriebseinheit wie der Mercedes-Werksrennstall. Aber ich habe hier in Australien schon das Gefühl, dass Russell und Antonelli hier in Sachen Energie- oder Batterie-Management besser aufgestellt sind als die Kunden-Fahrer.»
Timo Glock zum kommenden Australien-GP: «Das wird vorne eine Spazierfahrt für Mercedes. Für die meisten anderen Teams gilt – Abkommen bedeutet fast sichere Punkte. Ich erwarte da schon einige Ausfälle.»
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