Training Kanada: Antonelli 1., Verstappen P5, Albon überfährt Murmeltier
Training zum Kanada-GP: WM-Leader Kimi Antonelli mit Bestzeit, Ferrari ist zweite Kraft, Verstappen auf P5, mehrere rote Flaggen, Williams-Fahrer Alex Albon kann einem Murmeltier nicht ausweichen.
Im gnadenlosen Ablauf eines Sprint-Wochenendes der Formel 1 geht den Fahrern die Zeit aus: Sie haben nur 60 Minuten, um die Abstimmung ihrer Rennwagen zu verfeinern und um etwaige neue Teile auszuloten. Da bleibt kein Raum für Fehler.
Viele Rennställe hatten für die Action in Miami Evo-Pakete mitgebracht, allen voran McLaren, Red Bull Racing und Ferrari. Mercedes hatte gesagt – unsere neuen Teile kommen dann in Kanada.
Und das brachte der WM-Leader als Neuheiten nach Montreal: Frontflügel, Belüftung der Vorderbremse, vordere Platte des Bodens, Unterboden, Diffusor (das aufsteigende Ende des Bodens), Zusatzflügel im aerodynamisch heiklen Bereich der Hinterräder.
Aber auch McLaren mit vielen Verbesserungen: Frontflügel, Motorraum-Entlüftung, Motorverkleidung, Zusatzflügel am Schutzbügel Halo, Endplatten des Heckflügels, Verkleidung der Hinterradaufhängung, Rand des Unterbodens.
Red Bull Racing mit neuem Frontflügel, anderer Belüftung der Vorderradbremsen (Montreal ist einer der härtesten Kurse für die Bremsen), Unterboden und geänderter Motorraum-Entlüftung.
Auch Williams mit optimierter Bremsbelüftung, dazu anderer Verkleidung der Vorderradaufhängung und anders positioniertem Auspuff-Endrohr.
Die Racing Bulls mit neuem Unterboden, anderer Luftführung bei den Hinterrädern, anderem Zusatzflügel über dem Getriebe und neuem Design des Aufpuff-Endrohrs.
Erstes grosses Evo-Paket bei Haas: Einlässe der Seitenkästen, Motorverkleidung, Unterboden, Hinterradaufhängung, Zusatzflügel bei den Hinterrädern – alles neu.
Audi mit verbesserter Frontbremsen-Belüftung, verbessertem Diffusor, anderer Entlüftung des Motorraums und neuem Design der Einlässe für die Hinterradbrems-Belüftung.
Alpine mit neuem Unterboden und anderem Heckflügel, Cadillac mit neuem Diffusor und mehr Potenzial für die Bremskühlung.
Ohne neue Teile: Ferrari und Aston Martin.
So lief das Training
Das Training begann bei Idealbedingungen: viel Sonne, 16 Grad, frischer Wind, die Rennstreckenoberfläche bei 37 Grad.
Die FIA teilte mit: Im freien Training werden Versuche gefahren mit unterschiedlich farbenen Rücklichtern, dies auf Initiative der Fahrer – Generator der elektrischen Energie nicht auf voller Kraft, ganz aus, Superclipping (wenn der Fahrer aufgrund mangelnder Elektro-Power langsamer wird).
Zuvor war all dies signalisiert durch rot blinkend. Nun wird mit anderen Farben experimentiert, um dem folgenden Fahrer mehr Infos über den Zustand des Autos vor ihm zu geben. Dies ist der erste von mehreren Versuchen, ab der Sprint-Quali hier und für den Rest des Wochenendes gilt dann die bisherige Konfiguration.
McLaren also mit dem zweiten Upgrade-Paket, zunächst die zwei Fahrer mit altem und neuem Frontflügel, um zu sehen, ob die Vergleichszahlen aus der Simulation auf der Piste bestätigt werden.
Alpine-Fahrer Franco Colapinto früh in Schwierigkeiten, am Eingang der Boxengasse. Der Argentinier am Funk: «Das Gas geht nicht.» Er rollte im Schneckentempo in die Boxengasse und wurde von seinen Mechanikern in Empfang genommen. Also genau eines jener Probleme, die man bei nur einem Training nicht braucht.
Lando Norris rutschte auf dreckiger Bahn bei der Schikane vor Start und Ziel geradeaus, zum Glück nichts passiert. Max Verstappen im hinteren Pistenteil mit den linken Rädern im Gras – Auto meisterhaft abgefangen.
Die Bahn baute rapide Grip auf, Verstappen vor Hadjar und Piastri nach zehn Minuten. Zur gleichen Zeit gelbe Flagge – der Racing Bulls-Rennwagen von Liam Lawson war stehengeblieben, virtuelle Safety Car-Phase. Liam: «Ich habe ein Problem, keine Servolenkung mehr.» Das deutet in der Regel auf einen Hydraulikdefekt hin.
Während auch Max Verstappen mit verschiedenen Frontflügeln experimentierte, erkundigte sich sein Renningenieure über die Schaltmanöver. Der Niederländer: «Fühlt sich besser an, viel weniger Neigung zum Blockieren, auch wenn der Wagen in niedrigen Gängen noch ein wenig zu sehr anschiebt.»
Rote Flagge nach 12 Minuten, weil der Wagen von Liam Lawson nicht auf die Schnelle weggeschafft werden konnte. Gemeinerweise läuft die Uhr in solchen Fällen weiter, aber die FIA verfügte – es werden am Ende vier Minuten angehängt.
Franco Colapinto hatte da den Helm schon abgenommen. Alpine musste den Motor wechseln.
Nach 20 Minuten McLaren-Fahrer Piastri vorne, gefolgt von Russell, Verstappen, Antonelli und Hamilton.
Haas-Fahrer Esteban Ocon monierte einen Rennwagen, der übermässig aufsetzt, der Franzose erkundigte sich nach der Bodenfreiheit des Fahrzeugs. «Es fühlt sich furchtbar an.»
Rote Flagge nach 24 Minuten: nach Mauerkuss von Williams-Fahrer Alex Albon zwischen den Kurven 6 und 7. Der Thai-Brite blieb zum Glück unversehrt, von seinem Rennwagen liess sich das nicht behaupten, viel Arbeit für die Mechaniker vor der Sprint-Quali.
Auf eine Wiederholung wurde verzichtet, aber heftiger Einschlag in die Mauer, dies, nachdem der Londoner einem Murmeltier ausweichen wollte, leider ohne Erfolg. Das Fiese an der ganzen Situation – es gibt unter den Piloten keinen grösseren Tierliebhaber als Alex Albon.
Stand: Piastri, Hamilton, Russell, Antonelli, Verstappen, Weltmeister Norris auf P8.
Nach gut zehn Minuten Pause ging es weiter, die FIA meldete – das Training wird um eine Viertelstunde verlängert.
Max Verstappen am Funk: «Die Lenkung fühlt sich auf einmal schwergängiger an, ich weiss nicht wieso.»
Eine halbe Stunde vor Schluss des nun verlängerten Trainings rückte Russell bis auf 13 Tausendstelsekunden an Leader Piastri heran. Champion Norris nach einem Verbremser als Rasenmäher unterwegs. Vorjahressieger Russell übernahm das Kommando vor WM-Leader Antonelli, die Verbesserungen am Mercedes scheinen zu funktionieren.
Valtteri Bottas brachte währenddessen seinen Cadillac an die Box, mechanisches Problem. Nun Antonelli vor Russell, Abstand 52 Tausendstelsekunden.
Verstappen am Funk: «Der Wagen neigt zum Ausbrechen, das ist wirklich ungemütlich, beim Runterschalten, als ob das Differenzial öffne.» Der Niederländer prompt in der Wiese, so wie danach auch Antonelli und Norris sowie Hamilton, die Fahrer machten nun mehr Dampf.
15 Minuten vor Schluss George Russell mit weichen Reifen neuer Leader, eine halbe Sekunde vor dem 19-jährigen Italiener, der nun seinerseits auf den rot markierten, weichen Pirelli ausrückte – mehr als vier Zehntel vor dem Briten!
Aufreger in den letzten zehn Minuten: Piastri mit kapitalem Verbremser, Ferrari-Ass Leclerc hoch auf P3, Russell verringerte den Rückstand zu Antonelli auf 0,142 sec.
Beim Versuch, Antonelli zu unterbieten, rutschte Russell in der ersten Kurve aus und küsste sachte eine Mauer.
Dann erneut rote Flagge – nachdem Esteban Ocon an einer Mauer die Nase seines Haas-Rennwagens samt Frontflügel abgestreift hatte, dies nach heftigem Ausbruch des Wagens in der Beschleunigungsphase. Gut möglich, dass der Wagen da aufsetzte, was Ocon ja am Funk moniert hatte. Viele Trümmerteile auf der Bahn.
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