MotoGP-Experte Ramon Forcada: «Ducati ohne Marc Marquez orientierungslos»
Weltmeister Marc Marquez liegt nach sechs Rennen nur auf WM-Rang 5. Für den erfolgreichen MotoGP-Cheftechniker Ramon Forcada ist die Lage für «MM93» und Ducati Corse gleichermaßen brisant.
Spätestens seit dem US-Grand-Prix läuten im Haus der MotoGP-Familie Marquez als auch in der Zentrale von Ducati Corse in Borgo Panigale die Alarmglocken. Nach einem Wochenende auf dem Circuit of the Americas ohne Podestplatz für den siebenfachen «King of Cota» Marc Marquez ist klar, dass die Titelverteidigung bereits nach drei Events in ernsthafter Gefahr ist.
Der Austin-GP deckte schonungslos auf, dass sowohl Mann als auch Maschine nicht in weltmeisterlicher Form sind. Los ging es vor dem ersten Rennen, denn im Qualifying war der Champion auf seiner Haustrecke nicht über die Startreihe 2 hinausgekommen. Für einen Marquez in Bestform kein Grund zur Panik, doch für Marc Marquez im März 2026 reichten die wenigen Meter Nachteil aus, um genug Druck für einen vermeidbaren Fehler, frühen Fehler, aufzubauen.
Der Crash und die unvermeidbare Kollision mit Fabio Di Giannantonio zogen eine Strafe nach sich; das Dilemma war perfekt. Mehr als Platz 5 war für den unter normalen Umständen haushohen Austin-Favoriten nicht drin. Die nach Marquez-Maßstäben als Katastrophe zu wertende Ergebnisse in den USA waren keine Verkettung unglücklicher Umstände, sondern das Ergebnis von Defiziten auf beiden Seiten, so auch das Urteil des Technik-Experten Ramon Forcada.
2026: Der wahre Marc Marquez war noch nicht zu sehen
Der Spanier, der als Crew-Chief alleine drei MotoGP-Titel mit Jorge Lorenzo holte und weiterhin aufmerksamer Beobachter und Teil des Fahrerlagers ist, analysierte die Situation für den Podcast «Dura la Vita». Forcada: «Wir haben Marc dieses Jahr noch nicht richtig in seinem Element gesehen. Ich weiß nicht, wie es im Detail um das Motorrad steht, aber Marquez hat wirklich viel zu tun. Den wahren Marc Márquez haben wir auf dem Motorrad 2026 bislang nicht gesehen. Für mich ist das ein Problem, das mit der Verletzung zusammenhängt, das sieht man auch an seiner Körpersprache.»
Forcada weiter mit Bezug auf den Unfall im Austin-Sprint: «Vor der Verletzung hätte Marquez wahrscheinlich nicht aufgegeben und alles versucht, das Motorrad wieder unter Kontrolle zu bringen und den Sturz zu vermeiden. Das ist kein mentaler Faktor, sondern eher instinktiv. Die Tatsache, dass er ein «problemloses« Bike fahren muss, ist ein alarmierendes Zeichen: Da stimmt etwas nicht.»
Laut dem Technik-Routinier ist so auch eine Wechselwirkung mit Ducati entstanden. «Wenn der Weltmeister nicht zu 100 Prozent fit ist, dann verliert auch der Hersteller die Orientierung. Da alle Ducatis auf der Strecke sind, hat man keinen klaren Überblick: Es fehlt ein Bezugspunkt. Diejenigen, die sich zuvor wohlgefühlt haben, wie Marquez oder Fermin Aldeguer, finden sich nicht zurecht. Morbidelli und Bagnaia scheinen weit weg zu sein. Der Einzige, der sich wirklich wohlzufühlen scheint, ist Di Giannantonio.»
Dazu kommt: Die Konkurrenz schläft nicht. Forcadas Worte zeugen von großer Bewunderung für die Rennabteilung aus Noale: «Die Hersteller haben den Fahrern zu viel Macht eingeräumt, während sich bei Aprilia alles um Massimo Rivola dreht: Es ist eines der wenigen Teams mit einer klaren Struktur. Und sie haben es auch aus technischer Sicht gut gemacht, den Mut zu haben, ihren eigenen Weg zu gehen, ohne Ducati zu kopieren: Jetzt sind sie der Maßstab. Die Aprilia ist jetzt das Bike, das es zu kopieren gilt.»
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