Laurent Mekies (Red Bull Racing): «Zahlen natürlich einen kleinen Preis»
Red Bull Racing-Teamchef Laurent Mekies erklärt, warum die Entscheidung, 2025 noch mal anzugreifen, richtig war. Was der außergewöhnliche Kampfgeist der Truppe damit zu tun hat.
In der Schlussphase der Saison 2025 setzte Red Bull Racing noch einmal alles auf Angriff. Max Verstappen hatte in einer spektakulären Aufholjagd bis zum letzten Rennen eine Chance auf den WM-Titel, verpasste seine fünfte Weltmeisterschaft am Ende nur um zwei Punkte. Das Investment in die Entwicklung des 2025er-Autos – ein Auslaufmodell, da 2026 neue Regeln kamen – wurde viel diskutiert.
Red Bull Racing-Teamchef Laurent Mekies war damals frisch im Job und stand direkt vor der Wahl: Das 2025er-Auto abschreiben, obwohl Max Verstappen noch eine Chance auf den WM-Titel hat? Oder das Auslaufmodell für 2025 weiterentwickeln, dafür aber Ressourcen vom Projekt für 2026 abziehen? Im Podcast «F1 Nation» spricht Mekies nun über die Entscheidung und ihre Auswirkungen auf die aktuelle Saison.
Mekies: Viele Gründe dagegen
Mekies erinnert sich an die Zeit, in der Ende der Saison 2025 die Siege für Verstappen kamen: «Ich habe mich so für alle im Team gefreut, denn sie hatten letztes Jahr einen so schwierigen Saisonstart. Das Auto lief nicht so, wie sie es sich erhofft hatten. Der Druck war groß. Mitten in der Saison kam dann ein neuer Teamchef. Es gab alle möglichen Gründe – die neuen Vorschriften für 2026, das Motorenprojekt –, zu sagen: Wisst ihr was, lasst uns ein neues Kapitel aufschlagen. 2025 hat nicht funktioniert, konzentrieren wir uns auf 2026. Es wäre verrückt gewesen, etwas anderes zu tun.»
Niemand wollte das Kapitel abschließen.Laurent Mekies
Doch es kam anders. Mekies: «Die Wahrheit ist, dass niemand das wollte. Niemand wollte das Kapitel abschließen. Sie alle wollten dem Auto von 2025 auf den Grund gehen, herausfinden, warum es nicht auf dem erwarteten Niveau funktionierte, und das Blatt wenden. Und ja, sie wussten, dass sie dafür später einen Preis zahlen müssten, aber so tief sitzt der Kampfgeist im Team. Und so haben sie alle zusätzliche Anstrengungen unternommen, um zu verstehen, was uns einschränkte, um eine bessere Lösung für unsere Probleme zu finden, und sind dabei ein enormes Risiko eingegangen.»
Mekies lobt Teamgeist
Mekies: «Die zweite Jahreshälfte verlief nicht reibungslos. Wir hatten viele Siege, aber wir hatten auch extrem schmerzhafte Rennen. Ich bin sicher, ihr erinnert euch an Zandvoort oder Budapest oder vielleicht an den Samstag in Brasilien. All diese Erfolge waren also dem unglaublichen Teamgeist zu verdanken, dem Team, das nicht aufgeben wollte. Alle Erfolge waren das Ergebnis der enormen Risiken, die das Team in dieser kurzen Zeit eingehen musste, um das Blatt zu wenden.»
Die Ansage zu machen, dass man 2025 noch mal angreifen wolle, sei aber überhaupt nicht schwierig gewesen. Mekies: «Das war einfach, denn niemand wollte aufgeben.»
Zahlt Red Bull Racing 2026 den Preis für 2025?
Die große Frage aber: Zahlt Red Bull Racing nun 2026 den Preis dafür? Mekies stellt klar: «Wir dachten und denken immer noch, dass es das Richtige war, denn wir hatten das Gefühl, dass ein Neuanfang im Jahr 2026 eine etwas zu einfache Ausrede gewesen wäre und ein Wunschdenken, dass das nächste Jahr besser wird, obwohl wir die Grenzen des Autos von 2025 nicht vollständig verstanden hatten. Wir hielten das nicht für den richtigen Weg. Nun, natürlich: Hat die Zeit und Energie, die wir letztes Jahr in den Endspurt investiert haben, Auswirkungen darauf, wo man 2026 startet? Natürlich hat es das. Also zahlen wir heute natürlich einen kleinen Preis dafür. Nutzen wir das als Ausrede? Nein. Wir sind mit unserer Ausgangssituation nicht zufrieden. Aber wir glauben, dass wir diese Schwierigkeiten überwinden werden. Wie schon im letzten Jahr werden wir ein umfassendes Verständnis für die Grenzen des Autos gewinnen. Und dieses Team war bisher sehr, sehr gut darin, das Blatt zu wenden, und wir haben dieses Jahr eine weitere Chance, das zu tun.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach