Luca Marini über 850er-Honda: «Das Motorrad ist wirklich schön zu fahren»
Vor dem MotoGP-Rennwochenende in Assen sprach Honda-Pilot Luca Marini über seine Erfahrungen beim 850er-Test in Brünn. Was er von der Verbannung des Holeshot-Devices (Startvorrichtung) hält.
Beim Großen Preis der Niederlande 2025 fehlte Luca Marini. Zur Erinnerung: Der Honda-Pilot stürzte letztes Jahr im Mai bei Testfahrten für das 8-Stunden-Rennen von Suzuka mit der Honda CBR1000RR-R SP schwer, weshalb er die Grands Prix in Aragon, Mugello und Assen auslassen musste. Dieses Jahr ist der Halbbruder von Valentino Rossi motiviert, auf dem legendären TT Circuit ein gutes Ergebnis zu erzielen.
«Letztes Jahr war ich nicht hier wegen der Verletzung», bestätigte der Italiener. «Assen zählt aber nicht zu meinen Lieblingsstrecken. Ich möchte am Freitag gut starten, denn hier ist es wichtig, den Speed gut zu spüren und möglichst viele Runden nacheinander zu fahren, um die Pace und den Kurvenspeed zu verbessern. Es ist eine fantastische Strecke, aber in der MotoGP war ich hier nie sehr schnell. In der Moto2 allerdings schon. Vielleicht ist es ein gutes Jahr, um mich auf diesem Kurs zu verbessern, denn das Gefühl für unser Motorrad ist viel besser geworden. Honda hat gut gearbeitet.»
Ab dem Assen-GP ist bei den MotoGP-Bikes die Startvorrichtung (Holeshot-Device) verboten. Findet er das gut? «Das ist perfekt. So müssen wir über eine Sache weniger nachdenken, wenn wir nach dem Start auf die erste Kurve zufahren. Es ist eine gute Änderung – wir werden sehen, wie der Start hier in Assen sein wird», grübelte Marini. «Vielleicht können wir im Vergleich zu den anderen Herstellern einen Vorteil daraus ziehen, denn die Honda ist immer gut beim Start. Es könnte aber auch in die gegenteilige Richtung ausschlagen. Aber die Stürze in Kurve 1 werden dadurch nicht völlig verschwinden. Vielleicht reduzieren wir dadurch etwas das Risiko, aber die erste Kurve nach dem Start ist der einzige Moment, in dem du mit etwas Risko drei, vier oder fünf Fahrer überholen kannst. Normalerweise ist es während des Renens unmöglich mehr als zwei Fahrer zu überholen – außer du heißt Ai Ogura». Marini zollte damit dem Trackhouse-Aprilia-Piloten Respekt, der oft insbesondere in der zweiten Rennhälfte einen enormen Speed hat und eine beeindruckende Aufholjagd hinlegt.
Eine weitere Maßnahme wird beim übernächsten Rennwochenende wirksam. Ab dem Deutschland-GP auf dem Sachsenring gibt es bei der Startaufstellung zwischen den Bikes einen Meter mehr Abstand – die Distanz wurde von drei auf vier Meter erhöht.
«Auch das könnte ein kleiner Schritt sein, weil dann in der ersten Kurve weniger Bikes eng beieinander liegen und es für einen Fahrer mehr Platz gibt, um die Bremsphase zu managen», so der 28-Jährige. «Wenn man von einem hinteren Startplatz kommt, ist es schwierig, eine konstante Bremsphase zu haben – man bremst, löst die Bremse wieder, und so weiter. Mit etwas mehr Platz könnte dies einfacher werden.» Ein gutes Qualifying wird ab dem Deutschland-GP noch wichtiger sein. «Ja, aber auch jetzt macht es 85 Prozent eines Rennens aus. Vielleicht werden es dann 86 oder 87 sein», betonte Marini.
Luca Marini war einer von elf MotoGP-Piloten, die am vergangenen Montag in Brünn beim geheimen Test mit den 850er-Bikes und Pirelli-Reifen dabei waren. Welche Eindrücke konnte er sammeln? «Es war interessant und eine schöne Gelegenheit. Ich kann aber nichts darüber sagen. Alles ist gut gelaufen», schmunzelte Marini. Ist es ihm beim Test leichtgefallen, sich an das 850er-Motorrad und die Pirelli-Reifen zu gewöhnen? «Nein. Es hat sich alles normal angefühlt. Man hat etwas weniger Speed, wenn man die Gänge wechselt. Denn das derzeitige Level der Motoren (1000 ccm, Anm.) ist unglaublich. Wenn man den vierten, fünften oder sechsten Gang einlegt, marschiert das Bike immer nach vorne. Das Motorrad will ständig einen Wheelie machen. Nächstes Jahr wird man bei der Power einen Schritt zurück machen, man hat einige PS weniger zur Verfügung. Aber in der Zukunft, in einigen Jahren, wird die Leistung wieder ansteigen. Aber das Motorrad ist wirklich schön zu fahren.»
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