Hartes Portimao-Pflaster für WM-Pilotin Lucy Michel
Bei den offiziellen Testfahrten im Rahmen der FIM Frauen-Weltmeisterschaft musste die einzige deutsche Pilotin den ersten Frust der Saison verkraften. Nur noch wenige Tage bis zum Saison-Start 2026.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Wie es bei Wettkämpfen aller Art so ist, kommt einem oder einer die undankbare Aufgabe zu, die rote Laterne zu kassieren und damit den letzten Platz zu belegen. Diese Regel ist auch bei der FIM Women’s Circuit Racing World Championship (WorldWCR) nicht anders. Als sich die Teilnehmerinnen am Montag, wenige Tage vor ihrem ersten Rennwochenende des Jahres, auf der Strecke von Portimao trafen, hatte Lucy Michel vom Team TSL den fiesen Job, das mit der roten Laterne zu übernehmen.
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Die Meisterschaft selbst steht vor ihrem dritten Jahr, genauso wie für Lucy Michel und ihren Teamchef Stefan Laux, die gemeinsam auch in diesem Jahr die Einstiegshürde in die Frauen-WM gemeistert hatten. Beim Test im Autodromo Internacional do Algarve setzte sich Titelverteidigerin Maria Herrera in Szene. Die Spanierin, die über den Winter ins Terra & Vita GRT Yamaha WorldWCR-Team wechselte, markierte in der finalen Session mit 1:52,728 Minuten die Bestzeit des Tages. Als einzige Fahrerin knackte sie die 1:52er-Marke und setzte damit früh ein Ausrufezeichen. Michels Teamchef Stefan Laux ordnet die Zeiten der Spitzenreiterin ein: «Sie ist 2,5 Sekunden schneller gefahren als beim Rennen vor zwei Jahren, als wir das letzte Mal hier waren. Und das in einer Testrunde. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass unter den Top-Ten alleine sechs Spanierinnen sind. Man kann davon ausgehen, dass sie hier in Portugal regelmäßig trainieren.» Michels letzte Runden auf der äußerst anspruchsvollen Strecke in Portugal sind zwei Jahre her. Ein Test im Süden Europas kommt für die Deutsche nicht in Frage. Der Grund ist einfach: Solche Eskapaden gibt das Budget nicht her.
Dann haben wir das Motorrad erst mal zerlegt und den restlichen Kies von der Vorgängerin rausgeschaufelt.Stefan Laux
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Doch Laux weiß auch, dass es Lucy Michel in der Hand hat, sich bis zum kommenden Wochenende wieder zu berappeln. Auch wenn die Saison mit der für sie schwersten Strecke des Kalenders 2026, auch aufgrund der mangelnden Erfahrung, beginnt. «Aber sie kann kein Gefühl für das Motorrad und die Strecke aufbauen, sie kommt einfach nicht in den Fluss Dann bleibt es nicht aus, dass sie verkrampft», so Laux' Einschätzung. Bei den Testfahrten im Winter war Michel mit ihrem teameigenen Testmotorrad unterwegs. Die WM-Einsatzmotorräder werden jedes Jahr zugelost. Im Vorjahr hatte Michel ein neues Motorrad erwischt, dieses Jahr war es nichts mit dem Losglück und sie erwischte ein ziemlich ramponiertes Moped.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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«Am Sonntag haben wir das Motorrad bekommen», berichtet Laux. «Dann haben wir das Motorrad erst mal zerlegt und den restlichen Kies von der Vorgängerin rausgeschaufelt. Anschließend haben wir es von Grund auf neu aufgebaut. Den Rest muss Lucy jetzt auf der Strecke richten, da gibt’s kein Vertun. Es ist unsere schwierigste Strecke, aber was will man machen, das ist eben so.» Erschwerend kommt hinzu, dass das Team Laux über keinerlei Daten in Sachen Portimao verfügt. Im ersten Jahr der WM waren die Frauen zwar in Portimao am Start, doch die ausgelesenen Daten verblieben bei den Technikern der Dorna und dürfen bis jetzt nicht eingesehen werden. Erst seit letztem Jahr stehen den Teilnehmerinnen ihre Daten von den Rennwochenenden zur Verfügung. Was Lucy Michel allerdings herzlich wenig hilft, da sie seitdem nicht mehr auf der portugiesischen Achterbahn unterwegs war. Daten von privaten Testfahrten liegen manchen Teams vor und dürfen auch zum Vergleich herangezogen werden.
Da das Fahrerlager von Portimao heute geschlossen ist, hat Stefan Laux die Rennverkleidung mitgenommen und wird sie erst einmal mit dem neuesten Outfit bekleben. Am morgigen Mittwoch muss alles fertig sein, dann steht der offizielle Foto-Termin an. Ab Freitag gilt es dann für Michel und ihre Kolleginnen. Der Plan der Deutschen dürfte klar sein, die rote Laterne an jemand anderes weiterreichen.
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