Norton Superbike «Manx R» mit eigenem Rezept: Weg vom Rundkurs-Spezialisten
Ein V4-Sportler mit über 200 PS und historischem Namen bildet den Auftakt zum Comeback der Marke Norton. Doch die Briten setzen auf ein anderes Rezept als die Konkurrenz aus Bologna und München.
Seit 2020 zählt Norton mittlerweile zum Firmenimperium um den indischen Giganten TVS. Der neue Eigner aus Indien, in Europa vor allem bekannt als Produktionspartner für BMW-Einstiegsmodelle, begann nach der Übernahme die Marke von null aufzubauen. In anderthalb Jahren wurde ein neues Werk in England aus dem Boden gestampft und jetzt folgt, als wichtigster Meilenstein, das erste Produkt: Die Manx R – ein Superbike als Imageträger. Ein Sportler in dieser Kategorie hatte es bereits in der Vor-TVS-Ära gegeben, mit der «V4SV» soll die Manx R jedoch nichts mehr zu tun haben. Augenscheinlichste Änderung: Eine völlig neu entwickelte Designsprache: «Kurz nach der Übernahme durch TVS hat das Team seine Arbeit mit den ersten Skizzen begonnen, mithilfe derer wir das Grundkonzept der Manx erarbeiteten und im Laufe der letzten viereinhalb Jahre zu dem Motorrad weiterentwickeln konnten, das jetzt in Serie geht»,
Auch unter der schnörkellos gezeichneten Hülle soll alles neu sein. Zwar deuten die Rahmendaten des Antriebs auf Verwandtschaft mit dem jahrelang verwendeten Motor der Vorgängerin hin: Wieder wird ein 1200ccm-V4 mit einem Zylinderbankwinkel von 72 Grad verbaut, Bohrung und Hub sind identisch. Doch nur der Ölfilter sei gleich, ansonsten übernähmen Manx R und ihre Naked-Schwester Manx kein Bauteil von der Vorgängerin, so Gillen. Die Nutzung einer unregelmäßigen Zündfolge soll die Traktion verbessern, ohne die Kurbelzapfen versetzt anordnen zu müssen, und trägt zu einem charakteristischen Sound bei, wie der Autor sich bereits überzeugen konnte. Auf 73,3 Kilogramm kommt das neue Triebwerk und leistet 209 PS bei 11.500 U/min. 2.500 Umdrehungen früher liegt bereits das maximale Drehmoment an, und das liegt bei 130 Nm. 77 Prozent davon sollen bereits bei 5.000 Umdrehungen anliegen. Zum Vergleich: 113 Nm bringt eine BMW M1000 RR auf die Kette.
Das breit nutzbare Drehzahlband ist, ebenso wie das Fehlen aerodynamischer Spielereien wie Winglets, Ausdruck dessen, dass die Manx R eher für den Straßen- als den Rundkurseinsatz gedacht ist. Die Briten sprechen von der «Abkehr von einer konventionelleren, rein rennstreckenorientierten Philosophie.» Auch die Auslegung von Rahmen und Fahrwerk solle dem Rechnung tragen. Man wendet sich bewusst ab vom Konzept des Superbikes, das zwar bei Trackdays brilliert, im Alltag aber mit starken Kompromissen einhergeht. Das Gesamtgewicht der Manx R ist abhängig von der Ausstattungsvariante und rangiert zwischen 210 bis herunter zu 201 Kilogramm. Vier Versionen gibt es, wobei die Topvariante «First Edition» limitiert ist. Außer der Einstiegsversion setzen alle Varianten auf ein elektronisch einstellbares, semi-aktives Fahrwerk von Marzocchi, die beiden Top-Versionen sind als Einsitzer ausgelegt und kommen zudem mit Carbon-Felgen und -Verkleidung. Zusätzliche Details aus Titan sind der Top-Version vorbehalten. Alle Ausstattungsvarianten bremsen mit Brembos Hypure-Sätteln und sollen für Verzögerungswerte von bis zu 1g gut sein.
Die Manx R ist der erste Schritt, Norton künftig als Weltmarke zu etablieren. Norton-Executive-Director Richard Arnold wurde kurz nach seinem Amtsantritt zitiert mit den Worten: «Vom Verkauf einer kleinen Anzahl von Modellen wollen wir weg, hin zu einem großen Angebot auf der gesamten Welt.» Weitere Modelle sollen folgen, zwei davon werden den Namen Atlas tragen. Auch sie wurden 2025 neben Manx R und Manx erstmals gezeigt.
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