Andrea Iannone ging der Sprit aus – die Sprüche nicht
Der erste Sieg von Andrea Iannone in der Superbike-WM hing am seidenen Faden. Der Italiener schilderte mit unterhaltsamen Worten, was in der letzten Runde in Aragon mit seiner Go-Eleven-Ducati vor sich ging.
Mit 1,4 sec Vorsprung ging Andrea Iannone im MotorLand Aragon in die letzte Runde und kreuzte den Zielstrich nach gut 86 Kilometern Renndistanz schließlich 0,8 sec vor dem Zweiten Toprak Razgatlioglu. Für den 35-Jährigen war es der erste Sieg in der Superbike-WM.
In der Auslaufrunde kam der Italiener noch eine gute halbe Runde weit, über den Berg hinüber, bis er unterhalb der großen Steinmauer war, dann musste er seine Ducati mangels Sprit am Streckenrand abstellen und sich mit einem Roller ins Parc fermé chauffieren lassen. So hat es sich am Samstagnachmittag abgespielt, die Videos kann sich jeder anschauen.
Der euphorisierte und mit Adrenalin vollgepumpte Iannone erlebte es anders. "Auf der Gegengerade ging mir in der letzten Runde der Sprit aus und dann das Motorrad", schilderte er. "Ich zog im sechsten Gang kurz die Kupplung und bekam das Bike so wieder an, aber der Motor stotterte. Vor der letzten Kurve zog ich die Kupplung und kam mit meiner Restgeschwindigkeit ins Ziel, nicht mit Motorkraft. Ich wäre keine zusätzlichen 100 Meter weit gekommen, nicht mal mehr 50. Vor der letzten Kurve habe ich nicht gebremst und den ganzen Speed mitgenommen. Ich danke Gott, dass ich gewonnen habe. Ich wollte das Rennen gewinnen, auch für das Team. Wäre mir das nicht gelungen, wäre ich nach Hause gegangen und nie mehr zurückgekommen."
Ein altes Sprichwort lautet, dass man eine gute Geschichte nicht mit der Wahrheit zerstören soll.
Razgatlioglu, der direkt hinter ihm fuhr, reagierte amüsiert über Andreas Aussagen. "Auf der Geraden sah es so aus, als wäre ihm das Motorrad ausgegangen", erklärte der BMW-Pilot SPEEDWEEK.com. "Dann bog er in die Kurve ein und gab Gas. Er erzählte, er wäre mit gezogener Kupplung gerollt, aber er hat beschleunigt. Ich konnte nicht einfach zu ihm aufholen. Wenn der Sprit leer ist, dann kommst du unmöglich die Steigung nach der letzten Kurve hinauf."
Und schon gar keine drei Kilometer weit bis zu dem Punkt, an dem Iannone stehen blieb.
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