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US-SupercrossKolumne
Roczen und Stewart: Zwei Generationen, zwei Stile
Ken Roczen und James Stewart kamen als «Aussenseiter» in die US-Arenen. Beide mußten Widerstände überwinden, jeder auf seine Weise. Beide Fahrer repräsentieren eine Generation mit ihren Eigenheiten. Ein Vergleich.
Im Artikel erwähnt












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Hat sich immer gegen Widerstände durchgesetzt: James StewartHat sich immer gegen Widerstände durchgesetzt: James StewartFoto: Suzuki
Hat sich immer gegen Widerstände durchgesetzt: James Stewart© Suzuki
If you make it there, you make it anywhere! Wer es hier schafft, schafft es überall. In den USA hängen die Trauben höher, als anderswo. Kaum ein Nicht-Amerikaner hat es in den US-Arenen oder bei den "Outdoors" geschafft, schon gar kein Deutscher! 1991 war es Jean-Michel Bayle, der als "Ausländer" auf dem obersten Treppchen stand. Nur Ausnahme-Athleten wie der Australier Chad Reed hatten nachhaltigen Erfolg. Grant Langston schaffte es 2006 in der "Lites West"-Meisterschaft. Der Tscheche Jaroslav Falta gewann 1974 in Los Angeles. Internationale Konkurrenz ist in den USA durchaus willkommen, unterstreicht sie doch nachhaltig die eigene Überlegenheit! Verirrte Motocross-Weltmeister haben es immer wieder versucht: Tyla Rattray, Mickael Pichon (Achtungserfolge in den USA, nach seiner Rückkehr sehr erfolgreich in der WM) oder Sebastien Tortelli, Greg Albertyn und viele weitere Top-Piloten der WM scheiterten im erbarmungslosen Wettbewerb in den USA.
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James Stewart: Mut und unbändiger Siegeswille Ein Athlet muss überragend sein, um in den USA Erfolg zu haben. James Stewart ist erfolgreich: Mit 50 Siegen hat er nach Jeremy McGrath die meisten Supercross-Rennen gewonnen. Aber gerade für ihn war und ist es nicht leicht: Er ist der erste farbige Sportler im Supercross, der Erfolg hat. Er ist ein ganz besonderer Sportler: James Stewart hat einen unbändigen Siegeswillen, geht oft über seine Limits und zerstörte sich dabei auch selbst. Spätestens in diesen Momenten kamen die "Kritiker" aus ihren Löchern, die dem "schwarzen Typen", der den ganzen Tag nur Hip-Hop hört, mit arroganter Häme und abfälligem Spott begegneten: Er sei jetzt endlich wieder dort, wo er herkommt und hingehört. Sobald im Stadion wieder einmal Jubel ausbricht, wenn Stewart am Boden liegt, gibt er die Antwort aber auch immer selbst auf der Strecke oder durch neue Techniken: Er erfand das "Scrubben" (Motorrad beim Sprung quer legen, um die Flugphase zu verkürzen), gab sich in Interviews immer weltmännisch, diplomatisch, freundlich und liess persönliche, gehässige Anfeindungen lächelnd von sich abprallen. Auf der Strecke war er unzählige Male derjenige, der eine als unüberwindbar erscheinende Sprungkombination als erster nahm und so Sekunden und Siege gewann. So wandelte sich der Spott in eine hart erkämpfte Anerkennung, die "Bubba" nun von allen Seiten erfährt - so lange er erfolgreich ist. Geht er zu Boden, wird er von den Medien mehr als jeder andere als "ewiger Bruchpilot" abgestraft. Stewart und Roczen: Der Generationenwechsel, nur Erfolg zählt
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Stewart war der erste Farbige im US-Supercross, dem der Erfolg natürlich niemand gönnte, schon gar nicht seine Mitbewerber. Er musste nicht nur besser sein, als die anderen, sondern viel besser. So riskierte er von Anfang an eine Menge und oft auch zu viel. Er gilt als wilder und deshalb unbeständiger Fahrer. Wäre er aber nicht so zäh und willensstark, stünde er nicht dort, wo er heute ist: Beim Rennen in Houston kämpfte er trotz massiver Magenkrämpfe und verbesserte sich mit diesem Höllenritt auf Gesamtplatz zwei!
Ken Roczen hat in dieser Saison mehrfach von seinen Mitbewerbern erfahren müssen, dass sein Erfolg auf wenig Gegenliebe stößt: Justin Barcia katapultierte Roczen in Phoenix eiskalt zu Boden. Wenige Wochen später attackierte Barcia den Deutschen beim grössten Sprung des Parkours von Arlington. Eine gefährliche Aktion, die böse hätte enden können. Ähnlich erging es Anfang der 1990er Jahren Jean Michel Bayle, der sich gerade noch mit einem Sprung von der Strecke vor dem mit Vollgas heranpreschenden Damon Bradshaw in Sicherheit bringen konnte. Die Fremden sind willkommen, aber nur, so lange sie nicht weiter stören!
Ein Vergleich der Fahrstile Stewart versucht es oft mit der Brechstange und scheitert. Roczen geht strategischer und bedachter in ein Rennen: Lieber Punkte mitnehmen, statt um jeden Preis zu gewinnen. Ken Roczen ist mit Ausnahme des Remplers von Barcia in dieser Saison nur einmal - in Indianapolis - nennenswert gestürzt. Roczen fährt elegant und geschmeidig. Stewart hat den nötigen "Killerinstinkt" beim Überholen. Technisch brillant setzt er seine Überholmanöver schon während der Flugphase eines Sprungs an. Roczen brilliert leichtfüßig im Waschbrett, wo Stewart öfter strauchelt.
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Roczen und Stewart zum Sympathieträger avanciert Ganz oben wird die Luft sehr dünn. Die letzten 5% sind die schwierigsten. Ken Roczen ist in der härtesten Liga der Welt ganz oben angekommen. Wie Stewart ist er mit seiner rhetorischen Leichtigkeit, Weltoffenheit und Schlagfertigkeit mittlerweile zum Sympathieträger avanciert und ein gefragter Interviewpartner der US-TV-Stationen vor einem Millionenpublikum. Das Bild des "langweiligen Deutschen" hat sich durch ihn gründlich gewandelt: Woche für Woche in Stadien mit 100.000 Besuchern und mehr.
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