Brands Hatch: Zweimal in den Punkten

Kolumne von Patric Muff
Patric Muff

Patric Muff

Nachdem ich in Zürich zuerst einmal drei Stunden auf den Flieger warten musste, war ich froh, als es dann endlich in Richtung Brands Hatch losging.

Aus Lärmschutzgründen fand das Training in Brands Hatch am Freitag mit dem klangvollen Namen «Official Test» nur auf dem kurzen Indy-Circuit statt. Ich fühlte mich schnell wieder zu Hause auf der 1,2 Meilen kurzen Strecke und konnte mich von Runde zu Runde steigern. Als ich am Ende der Session als Neunter auf der Zeitenliste stand, konnte ich trotz ungutem Gefühl zum Vorderreifen mit dem Tag zufrieden sein und liess auf das kommende Wochenende hoffen.

Bereits am Samstag wendete sich aber das Blatt. Ich kam auf der langen Grand-Prix-Strecke auf keine anständige Zeit und büsste sogar im ersten Sektor auf dem Indy-Circuit knapp eine halbe Sekunde im Vergleich zum Vortag ein. Mir fehlte einerseits das Vertrauen zum Vorderrad, und andererseits hatte ich mit der fehlenden Motorbremse zu kämpfen, die mich vor allem in den langsamen Kurven sehr weit gehen liess. So stand für mich in den freien Trainings nur ein enttäuschender 23. Platz zu Buche.

Nach einer langen Besprechung nahmen wir einige Anpassungen auf das kommende Zeittraining am Nachmittag vor. Obwohl ich eine Sekunde schneller fuhr als noch am Vormittag und auf die Spitze gerade einmal eine Sekunde verlor, schaffte ich zwar den Sprung in das zweite Qualifying, aber kam nicht über den 19. Platz hinaus. So sassen wir am Abend nochmals lange mit unserem Fahrwerksspezialisten zusammen und versuchten eine Lösung für meine Probleme zu finden. Denn ich brauchte zwar nun eine Sekunde weniger lang für den 2,4 Meilen langen GP-Kurs, aber wie das so ist, werden dann die Probleme von alleine wieder zum Begleiter.

Sonntags, wieder bei strahlendem Sonnenschein, hatte ich am Morgen für zehn Minuten die Möglichkeit, das umgebaute Fahrwerk und das neue Elektronik-Set-up zu testen. Leider war der Test nicht erfolgreich, und so nahmen wir erneut Anpassungen vor. Doch zunächst fand der Pitwalk statt, wo ich mit dem einen oder anderen Autogramm beschäftigt war. Um 13.35 Uhr war es dann so weit. Zwischen Jon Kirkham, Werks-Honda, und Alastair Seeley, Werks-Suzuki, war ich in guter Gesellschaft.

Am Start konnte ich den beiden regelrecht zusehen, wie sie wegschossen. Ich kam schlecht weg und wurde in der ersten Kurve auch noch auf der Innenseite eingeklemmt. Ich büsste so fünf Plätze ein und kam nur als 24. aus der ersten Runde zurück. Ich kämpfte bereits ab der ersten Runde mit kaum Grip am Hinterreifen. Mit konstanten Zeiten konnte ich mich jedoch nach vorne arbeiten, verlor dann allerdings viel Zeit hinter dem ehemaligen Superbike-WM-Piloten Mark Aitchinson, mit dem ich das halbe Rennen zu kämpfen hatte. Als ich ihn dann ein paar Runden vor Schluss endlich überholen und hinter mir lassen konnte, war der Zug vorne bereits abgefahren. Dank ein paar Stürzen kam ich doch noch als 15. ins Ziel und wurde wenigstens noch mit einem Punkt belohnt.

Doch Zufriedenheit sieht anders aus, und wir bauten auf das zweite Rennen das Motorrad nochmals komplett um. An dieser Stelle ist zu sagen, dass ich mich ebenfalls dazu entschied, meine geliebte Hinterbremse wegnehmen zu lassen. Aufgrund der 20. schnellsten Zeiten im ersten Rennen stand ich entsprechend wieder in der fünften Reihe in der Startaufstellung.

Mein Start und vor allem meine erste Runde war dieses Mal besser und so überquerte ich als 18. die Start-Ziel-Linie. Wir hatten leider auch im zweiten Rennen noch kein Wundermittel gegen die Probleme gefunden, aber das Motorrad fühlte sich zumindest ein wenig besser an. Das zeichnete sich dann auch auf die Zeiten ab, und vor allem gegen Rennmitte fuhr ich die Pace der Top-10. Leider hatte ich bis dahin schon zu viel Zeit liegen gelassen und hatte zu kämpfen, die Lücke zu der vor mir liegenden Gruppe zu schliessen. Obwohl ich den Rückstand gegen Rennende bis auf knapp eine halbe Sekunde verringern konnte, reichte die Zeit für einen Angriff nicht mehr aus und so sah ich erneut als 15. die Zielflagge.

Obwohl ich mich im zweiten Rennen steigern konnte, war die Enttäuschung natürlich gross. Zu gern hätte ich für meine Crew, das Team und meine Fans bessere Resultate nach Hause gebracht. Aber wir konnten trotz der harten Arbeit von allen Beteiligten die Probleme bis zum Schluss nicht lösen. Dennoch ist das Wochenende sturzfrei über die Bühne gegangen, und ich bin wenigstens zwei Mal in die Punkte gefahren. Anfangs Saison wäre ich mit diesen Ergebnissen noch zufrieden gewesen, aber nach Top-10-Resultaten will der Ehrgeiz natürlich mehr.

Nun stehen zuerst einmal vier Wochen Pause an, bevor es nach Cadwell Park geht, eine Strecke die sicherlich nicht zu meinen Favoriten gehört. Ich werde dieses Rennen deshalb eher als Test anschauen und mich von den Resultaten überraschen lassen. Alles was nachher kommt sind dann aber Strecken, die ich mag und bei denen ich voll angreifen werde, um hoffentlich noch das eine oder andere Highlight zu setzen. Last but not least möchte ich mich herzlich für die grosse Unterstützung aus der Schweiz bedanken. Es war toll, Euch alle vor Ort zu haben!

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