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Der MotoGP-Auftakt bestätigte Aprilia als aktuell stärksten Hersteller. Viele Spitzenfahrer würden einen Ritt mit der RS-GP nicht ausschlagen. Gut für Trackhouse, riskant vor allem für Raul Fernandez.
Als sich der Amerikaner Justin Marks im Sommer 2023 vergleichsweise spontan für ein Engagement in der MotoGP entschied, da hatte der Nascar-Teambesitzer keine Wahl, was den Hersteller anging – Aprilia war gesetzt. Der Handel kam nach Dorna-Vermittlung nur zustande, weil der bisherige Betreiber des Aprilia-Kundenteams (Razlan Razali) mit instabiler Finanzlage hatte aufgeben müssen. Sportlich stand das Team mit Raul Fernandez und Miguel Ogura klar im Schatten des Aprilia-Werksteams Zwar gelang es den Piloten, sich auf Augenhöhe mit den Yamaha- und Honda-Piloten zu matchen, doch Ducati war als Referenz in jeder Hinsicht außer Reichweite.
Im Frühjahr 2026 hat sich die Situation deutlich verändert. Auch wenn es nach zwei Rennen überhastet wäre, von einer Dominanz zu sprechen, Tatsache ist: Die Aprilia-Piloten belegen die WM-Ränge 2–5 und Aprilia führt die Herstellerwertung an. Ein Traumauftakt für Aprilia, der auch den Stellenwert der Trackhouse-Mannschaft gesteigert hat Was vor dem Hintergrund der aktuellen heißen Verhandlungsphase mit Blick auf die neue MotoGP-Ära ab 2027 durchaus spannende Bewegungen mit sich bringen könnte.
Nach einem längeren Entwicklungs- und Umbauprozess, der Ende 2024 mit der Verpflichtung von Fabiano Sterlachhini als neuem Technikchef sowie neuen Piloten und Crew-Chiefs begann, ist Aprilia Racing seit Ende 2025 auch in der Lage, die dazugewonnene Kompetenz auf das Kundenteam von Trackhouse Racing zu übertragen. Beim Saisonstart 2025 vor einem Jahr rückte man noch in verschiedensten Spezifikationen aus – nun gelang ein Auftakt mit identischer Basis, die sich auch in brillanten Ergebnissen niederschlug. Trackhouse Racing wurde in beiden Buriram-Rennen zur Siegerehrung geladen.
Mit anderen Worten: Trackhouse ist mitten in der heißen Transferphase zu einem potenziell hochattraktiven Arbeitgeber geworden. Zwar kann kein Privatteam, eingeschlossen Trackhouse, mit lukrativen Werksgagen glänzen, dafür aber hat Trackhouse offensichtlich auf den richtigen Technik-Partner gesetzt.
Damit ist klar: Auch andere Top-Piloten, die derzeit nicht ihr volles Potenzial ausspielen können, orientieren sich in Richtung Aprilia. Und die Werksmannschaft mit Marco Bezzecchi und Pecco Bagnaia, dessen Bekanntgabe als Nachfolger von Jorge Martin nur noch Formsache ist, besetzt ist, bleibt Trackhouse.
Selbst der seit Ende 2025 dauerhaft erfolgreiche Raul Fernandez muss sich daher Sorgen machen, seinen Platz bei Trackhouse nicht zu verlieren. Bemerkenswert: Aus gut informierter Quelle ist bekannt, dass Fernandez stand heute noch kein Angebot von Trackhouse für die Zeit nach 2026 auf dem Tisch hat. Fakt ist auch, dass Honda-Werksfahrer Joan Mir gleichfalls bei seinem jetzigen Arbeitgeber noch nicht auf der Liste steht. Und da mir mehr als gut mit Trackhouse-Teamchef Davide Brivio bekannt ist – die beiden holten zusammen die WM-Krone mit Suzuki – liegt eine Verbindung in Richtung Trackhouse nahe.
Zudem ist davon auszugehen, dass Trackhouse Racing als US-Team nicht mit zwei spanischen Fahrern in die 850er-Ära starten wird. Da auch Ai Ogura ein Zögling von Davide Brivio ist, wäre es somit keine Riesenüberraschung, wenn das Aprilia-Kundenteam die Zukunft mit einem jungen Japaner und einem Ex-Weltmeister bestreiten wird. Doch entschieden ist noch nichts. Fährt Raul Fernandez auch weiterhin um Podest und vor Teamkollege Ai Ogura, könnten die Trackhouse-Karten wieder neu gemischt werden.
In den nächsten Tagen ist hierzu noch nicht mit Entscheidungen zu rechnen. Denn zunächst dürften die noch begehrten Plätzen in den Werksmannschaften ausverhandelt werden. Erst dann wird sich das Geschehen auf die Kundenteam verlagern – auch wenn Trackhouse Racing nach dem Auftakt mit Ausnahme von Red Bull KTM Factory Racing und Aprilia Racing vor allen anderen Teams in der WM rangiert.
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