Glock und Co. auf Zeitreise: «Die gingen richtig ab»

Von Andreas Reiners
DTM
Die goldene Ära der DTM

Die goldene Ära der DTM

Es ist gar nicht so schwierig, aktuellen DTM-Fahrern fast schon kindliche Freude zu entlocken. Die Augen strahlen zu lassen, sie ins Schwärmen zu bringen.

Maro Engel, Mattias Ekström und Timo Glock gehören zu den heutigen DTM-Stars. Sie haben allerdings auch die goldene Ära kennengelernt. Denn: Das Trio saß schon einmal in den alten Klassikern der Tourenwagenserie, in den echten Legenden der DTM. Die sind am kommenden Wochenende zum zweiten Mal in dieser Saison im Rahmenprogramm der DTM unterwegs, die Tourenwagen Classics zeigen, wie es früher einmal war.

Früher heißt: Keine ausgeklügelte Aerodynamik, Blech- statt Kohlefasergeruch, H-Schaltung statt Schaltwippen. Knochenarbeit in einem minimalistischen Cockpit. Eine schwer zu tretende Kupplung. Zwischengas. Drückt man auf die Bremse, passiert gefühlt nichts. Drückt man aufs Gas, passiert gefühlt auch nichts, ehe das Auto förmlich explodiert.

Alles noch ganz nah am Serienauto, keine am Reißbrett entwickelten Rennboliden. Schlicht und schön, ohne großen Schnick-Schnack. Klassische Renntourenwagen statt Hightech-Flitzer, Matchbox-Auto statt Riesenschiff. Dazu ein Motorsound, der Gänsehaut verursacht. Eine faszinierende Zeitreise also.

Engel saß bereits im Mercedes 190E 2.5-16 Evo von 1990, im Evo II von 1992 und in der C-Klasse von 1994, stieg voller Ehrfurcht ein. «Die gingen richtig ab. Sie sind der Ursprung der DTM», sagt Engel: «Eine faszinierende Zeit. Eine Zeit, in der ich DTM-Fan geworden bin.»

Wo beide Generationen Welten trennt, ist die Aerodynamik. Heißt: Früher gab es keine unzähligen Flügelchen, die das Auto nach einem Lackaustausch unfahrbar machten. Stattdessen konnte man dem Konkurrenten munter in die Kiste fahren. Dafür waren die alten Boliden langsamer, g-Kräfte waren praktisch nicht vorhanden. Und heute? Dominieren Einheitsbauteile, eine bis ins letzte Detail ausgefeilte Aero und eine Menge Abtrieb.

Als Timo Glock im BMW M3 E30 von 1992 Platz nehmen durfte, war der Routinier sogar nervös. Denn: Die Legenden haben neben dem ideellen auch einen enormen materiellen Wert. Glock begeistert: «Es ist weit weg von den heutigen Autos. Das Auto ist traumhaft schön, ein Kunstwerk. Ein völlig anderes Fahrgefühl.»

Heißt in der Praxis: Das Auto ist ständig in Bewegung, der Fahrer rotiert und schnauft. Fitness war also schon damals die Voraussetzung, um das Auto am Limit zu bewegen. Und: Der Pilot konnte früher auch einen noch größeren Unterschied machen als heute. «Denn vom Handling her ist inzwischen alles so einfach geworden», so Glock, der sogar so weit gehen würde, sich ein sequentielles Getriebe zurückzuwünschen: «Weil es mehr Fehler bringt. Das wirkliche Rennen fahren war in der damaligen Zeit richtig cool.»

Ekström saß bereits im Audi V8 quattro von 1990, dem Meisterauto von Audi-Legende Hans-Joachim Stuck. «So stelle ich mir den Tourenwagen-Sport vor. Das Auto zu fahren war eine andere Welt, komplett anders», sagt der Schwede. Sein bildlicher Vergleich: Die Legende wurde von einem Künstler gezeichnet, der heutige Bolide mit einem iPad entworfen. Ekström: «Ich habe einen großen Respekt vor der Kunst von früher.« Dabei outete sich der Audi-Routinier sogar BMW-Fan: «Als Junge war der M3 für mich der Burner, die Poster hängen immer noch Zuhause.»

Und was ist heute beim Mercedes C63, BMW M4 und Audi RS 5 besser? Da gehen die Meinungen auseinander. Engel: «Ich finde die Autos heute aggressiver und schöner, und sie sind schneller. Ich kann nicht viel sehen, was heute schlechter sein soll als früher.» Auch Glock betont den Speed der 500 PS starken Boliden. Und: «Die Autos sind sicherer geworden.» Was der Horrorcrash von Gary Paffett und Mike Rockenfeller auf dem Norisring eindrucksvoll bewies.

Ekström antwortet mit zwei Gegenfragen: «Ist überhaupt etwas besser? Warum nennen wir das Tourenwagen, wenn wir mehr Abtrieb haben als ein Formel-1-Auto? Abtrieb ist der größte Spaßkiller, er tötet den puristischen Tourenwagensport!»

Spaß machen dem Schweden die heutigen Autos trotzdem. Denn: Der zweimalige Meister hat seinen dritten DTM-Titel vor dem siebten Rennwochenende auf dem Nürburgring weiter fest im Blick. Nach zwölf von 18 Saisonläufen führt der Audi-Pilot die Gesamtwertung mit 128 Punkten an.

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