Gary Paffett auf Titelkurs: Wo kommt der denn her?

Von Andreas Reiners
DTM
Gary Paffett

Gary Paffett

Gary Paffett kam aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. Ein Glückwunsch hier, ein Schulterklopfen da. Dazu immer wieder Interviews. Klar: Der Brite hat dem fünften Rennwochenende in Zandvoort seinen Stempel aufgedrückt.

Pole und Rennsieg am Samstag, Pole und Platz zwei am Sonntag, 49 von 56 möglichen Punkten, dann noch die Führung in der Gesamtwertung. 27 Zähler Vorsprung hat der Mercedes-Routinier vor seinem Teamkollegen Paul di Resta.

Nach zehn von 20 Rennen ist Paffett Titelfavorit Nummer eins. Dass Paffett zur Halbzeit Tabellenführer ist, ist keine Sensation, wohl aber eine Überraschung. Denn auf der Rechnung hatte man aus dem Mercedes-Lager eher andere. Die jungen Wilden Lucas Auer oder Pascal Wehrlein. Oder Edoardo Mortara oder di Resta.

Denn man muss sagen: Ja, Paffett ist ein alter Hase. Der Brite war 2005 Meister, schrammte zudem 2004, 2009, 2010 und 2012 als Vize am Titel vorbei.

Aber: Seitdem lief bei ihm nicht mehr viel zusammen. Er gehörte irgendwie immer zum engeren Favoritenkreis, wurde dieser Rolle aber nicht mehr gerecht. Ein sechster Platz 2013 war die beste Platzierung, 2014 lief als 22. so gar nichts zusammen. Der Rest ist Mittelmaß.

Nicht zu vergessen: Beim Auftakt in Hockenheim gewann er sein erstes DTM-Rennen seit 2013. Eine wahnsinnige Durststrecke.

Dass ausgerechnet der Oldie nach den DTM-Sternen greift – wie kommt es, dass der 37-Jährige plötzlich ganz vorne mitmischt, als hätte er die vergangenen Jahre nichts anderes gemacht?

Was ist sein Geheimnis? Paffett wiegelt ab: «Es sind keine Tricks, kein Geheimnis, keine Magie. Es ist nur harte Arbeit. Und gutes Engineering. Niemand lehnt sich zurück, auch nach Siegen nicht. Die Details sind wichtig, und auf die achten wir. Man darf nicht schlafen, darf sich nicht ausruhen», sagte er SPEEDWEEK.com: «Wir können glücklich sein, dass wir jeden Punkt hart erkämpft haben. Uns wurde nichts geschenkt. Mein Vertrauen in das Auto wächst mit jedem Rennen.» Dazu funktioniert die Zusammenarbeit mit seinen beiden Ingenieuren immer besser. «Es ist ein gutes Zeichen, dass wir an jedem Wochenende weniger Diskussionen haben, was wir brauchen», so Paffett.

Macht er denn etwas anders als sonst? «Ich nicht, aber die Autos sind anders. Vielleicht ist mein Ansatz anders, was ich von dem Auto will. Es sind nur wenige Änderungen an den Autos möglich, sie sind sich sehr ähnlich. Aber wir machen in diesem Jahr mehr Änderungen, die zu meinem Fahrstil passen. Was ich den Mechanikern sage und was dabei herauskommt, passt. Es ist schwer zu erklären, warum es besser ist, aber es ist so.»

Manchmal ist es tatsächlich so einfach. Wenn es darauf ankommt, legt Paffett eine Schippe drauf, er kann nachlegen, wenn es nötig ist, weil alles nahezu perfekt zusammenkommt. Da legt er im Qualifying am Sonntag eine Traumrunde hin, die er am Funk in seine Einzelteile kritisiert, meinte, da wäre noch mehr drin gewesen. Man muss dazu sagen: Mit der Runde hatte er bereits fast eine halbe Sekunde Vorsprung auf den Zweitschnellsten.

Hinzu kommt dann unter dem Strich auch die Weisheit: Wenn mal läuft, dann läuft es halt. «Er fährt sehr clever, mit Köpfchen, geht sehr gut mit den Reifen um. Er attackiert nur dann, wenn es auch wirklich geht», meint Merecdes-Teamchef Ulrich Fritz.

Vom Titel will Paffett aber noch nicht sprechen. «Es ist noch ein langer Weg. Man darf nie aufgeben, wenn man zurückliegt. Und man darf sich umgekehrt auch nie ausruhen, wenn man vorne liegt. Wir müssen es Rennen für Rennen nehmen», sagte er.

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