So wichtig ist Gerhard Berger für die DTM

Von Andreas Reiners
DTM
Gerhard Berger

Gerhard Berger

Gerhard Berger ist seit 2017 DTM-Chef. Der 60. Geburtstag des Österreichers ist eine gute Gelegenheit, mal eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Timo Glock fasste es zunächst in einem Satz zusammen. «Ich hoffe, er bleibt der DTM noch lange erhalten», sagte der BMW-Star am vergangenen Wochenende am Lausitzring, als er nach seinen Glückwünschen für Geburtstagskind Gerhard Berger gefragt wurde. Der Österreicher wird am heutigen Dienstag 60 Jahre alt.

Glock weiter: «Die Richtung, die er mit der Serie eingeschlagen hat, ist sehr positiv, insbesondere was die Änderungen im Reglement angeht», so Glock weiter: «Ich denke, dass der Sport in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden ist. Ich hoffe, dass Gerhard weiterhin viele gute Ideen hat und die DTM weiter in die richtige Richtung lenkt.»

Es ist eine Aussage, die passt. Denn man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Österreicher ist ein Glücksfall für die Tourenwagenserie, die lange irgendwo zwischen altem Glanz der Vergangenheit, grauem Alltag der Gegenwart und gewolltem Aufbruch in die Zukunft feststeckte.

Potenzial war immer da, Kampfgeist auch, Ideen ebenso. Nach vorne ging es aber nicht. Eine Überraschung war es trotzdem, als Berger im Frühjahr 2017 offiziell übernahm.

Und die Serie ordentlich auf den Kopf stellte: Mit Änderungen (die nicht alle seine Ideen waren) wie einem neuen Rennformat, schwierigeren Boxenstopps, dem Indy-Restart, Heizdecken-Verbot oder dem Funkverbot begann seine Amtszeit. Immer im Blick: die Show, die Fans. Ebenfalls im Fokus: die Fahrer. Sein Credo: Die Autos sollten ein Ritt auf der Kanonenkugel sein.

Man merkte schnell, dass ein Racer das Kommando übernommen hatte. Einer, der keine Lust auf großen technischen Schnickschnack hatte, auf Hilfen jeglicher Art. Er schaffte es in seinem Debütjahr sogar, die ungeliebten Performance-Gewichte loszuwerden. Wie es heißt, ging er gleich zu den Vorständen, als sich die Diskussionen der Sportchefs (mal wieder) im Kreis drehten.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Ja, auch er kann die Macht der Hersteller in einer Serie wie der DTM nicht komplett eindämmen, stößt an Grenzen, kann nicht alle Politik-Spielchen verhindern.

Doch wenn es um Dinge wie das Racing geht, ist Diplomatie gerne mal ein Fremdwort. Wir erinnern uns an Misano, als sich Audi über den häufigen Einsatz des Safety Cars beschwerte und die weitaus weniger spektakuläre Slow Zone empfahl.

Konter damals an Audi über SPEEDWEEEK.com: «Das ist ein offizielles Statement: Dann hör' morgen auf mit der Sache. Der Motorsportler, der heute noch nicht verstanden hat, dass die Slow Zone das Schlimmste ist, das der Motorsport je gemacht hat, der versteht nicht, was der Zuschauer will.»

Ein typischer Berger.

Was vieles änderte, war der Mercedes-Ausstieg, den auch Berger nicht kommen sah und nicht verhindern konnte. Als Mercedes im Sommer 2017 das Ende in der DTM für Ende 2018 ankündigte, wurde Berger auf dem falschen Fuß erwischt, war er nach wenigen Wochen als Krisen-Manager gefragt.

Er zog nach unzähligen Gesprächen mit allen erdenklichen Herstellern Aston Martin als Neueinsteiger an Land, die britische Luxusmarke kam mit einem auf den ersten Blick komplizierten Konstrukt aus Einsatzteam (R-Motorsport), Technikpartner (HWA) und Joint Venture (AF Racing und HWA) in die DTM. Ein Projekt, das ein Fingerzeig für die Zukunft sein könnte, für weitere Kandidaten. Außerdem brachte er mit WRT die Privatteams zurück in die DTM.

«Ohne den Rückschlag mit Mercedes wären wir sicher weiter. Den Ausstieg haben wir einigermaßen verkraftet. Totgesagte leben eben doch länger», sagt Berger nicht ohne Stolz.

Sein drittes Jahr als DTM-Chef neigt sich dem Ende entgegen. Das Jubiläum, das 500. Rennen in der Geschichte der Serie, ist gerade über die Bühne gegangen. Die DTM befindet sich in halbwegs ruhigem Fahrwasser. Das Class-One-Reglement mit den Vierzylinder-Turbomotoren und 610 PS starken Autos wurde 2019 eingeführt, im November gibt es das erste gemeinsame Event mit der Super GT. Wobei vor allem hier die Vorarbeit von Vorgänger Hans Werner Aufrecht erwähnt werden muss. An einigen Stellen hat Berger das weitergeführt oder umgesetzt, was Aufrecht angestoßen hatte.

Die weiteren Baustellen: Der TV-Vertrag muss verlängert werden, noch ist offen, ob es mit Sat.1 weitergeht. Die Internationalisierung muss auch vorangebracht werden, genauso wie die Kooperation mit der Super GT. Mindestens einen neuen Hersteller könnte die Serie auch gebrauchen. Um den Sport für die Zukunft breiter aufzustellen.

Wie lange will er selbst noch weitermachen? «Wir hatten jetzt das 500. Rennen. Ich würde sie gerne jemandem in die Hände legen, der dann die nächsten 500 Rennen feiert. Ich habe überhaupt kein Gefühl, wie lange ich es machen will. Ich höre auf, wenn die Hersteller mich nicht mehr wollen», sagte er und lacht.

Er betont, dass es einen guten Austausch gebe, «einen guten Weg der Entscheidungsfindung. Natürlich gibt es Hürden, gibt es Themen, die ich anders machen würde. Aber unter dem Strich ist es eine gute Zusammenarbeit».

Was aber nicht bedeutet, dass sie ihm alles durchgehen lassen. Wie bei dem, was er für 2020 im Kopf hat. Was es genau ist, will er noch nicht verraten. «Ich habe eine Idee. Aber ich weiß nicht, ob ich sie durchgesetzt bekomme. Dafür müssen die Hersteller mitspielen.»

Das sollte ja eigentlich kein Problem sein. Denn bislang haben die Ideen in der Regel funktioniert.


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