Verrückte Japan-Fans: Mehr Leidenschaft, mehr Herz

Von Andreas Reiners
DTM

Die DTM-Fahrer waren beim Dream Race in Fuji von einem immer wieder beeindruckt: Von den japanischen Fans, die auf ihre Art speziell sind.

Der Japaner steht gerne. Stundenlang, wenn es sein muss, oft geordnet in einer Reihe. Dabei ausgerüstet mit einem Fotoapparat und einem freundlichen Lächeln, geduldig, voller Vorfreude. Und: Stets höflich. Es war egal, wo ein Fahrer auftauchte - die Fans waren schnell zur Stelle.

Es ist eine faszinierende Mentalität, die auch oder gerade im Motorsport viele Facetten zeigt. Denn diesen Mix aus Euphorie, Unterstützung und Zurückhaltung gibt es nicht mehr oft. Japan ist anders. Japan ist aber auch besonders.

Beim Dream Race, der ersten gemeinsamen Veranstaltung der beiden Rennserien Super GT und DTM in Fuji mit Lexus, Nissan und Honda aus Japan und den deutschen Gästen Audi und BMW, konnte man diese Kultur in Aktion beobachten.

Insgesamt rund 46.000 Zuschauer kamen an den beiden Renntagen an den Fuji Speedway, inklusive Training am völlig verregneten Freitag sogar 51.800. Bei Preisen von 65 Euro für einen und 130 für beide Renntage keine schlechte Bilanz.

Es ist eine Leidenschaft, die intensiv ist, aber gleichzeitig unaufdringlich. Auf den Tribünen gab es ganze Hersteller-Fanblöcke, Fahnen schwenkende Fans oder in den Farben ihrer Lieblinge verkleidete Anhänger.

Loic Duval, der von 2006 bis 2012 in der Super GT fuhr, kennt die Leidenschaft bereits: «Ich mag es, wie die Fans in Japan ticken, sie sind richtig drin, geben 200 Prozent. Das macht es so speziell.» Von ihm und Benoit Treluyer, der wie Duval für Audi fuhr und ebenfalls in der Super GT aktiv war, gab es Plakate. Von Treluyer zu dessen aktiver Japan-Zeit sogar einen Comic.

Hinter der riesigen Tribüne erstreckte sich eine Fan World mit zahlreichen Ständen der Hersteller und einer Showbühne, auf der das Rennwochenende zelebriert wurde. Viele Fans kamen auch in die Startaufstellung, um ihre Helden aus nächster Nähe zu bestaunen (und zu fotografieren), und zu den Helden gehörten nicht nur die Rennfahrer, sondern auch die Race Queens.

«Sie sind enthusiastisch und warten vor der Box vier Stunden, bis der Fahrer kommt. Und sie sind auch noch unfassbar höflich. Das gibt es in Europa nicht. Die Fans in Europa sind auch toll, aber sie sind hier mit ein bisschen mehr Leidenschaft und mehr Herz dabei», sagte BMW-Pilot Marco Wittmann.

Ikone Alex Zanardi, Gaststarter für BMW, war tief berührt. «Das werde ich immer in meinem Herzen behalten. Die sprachlichen Barrieren sind in sich zusammengebrochen. Es war so, als könnte ich mit ihnen reden, Emotionen mit ihnen austauschen.»

Das zog sich durch das Rennwochenende. «Jedes Mal, wenn ich ein Selfie mit einem Fan gemacht, eine Hand geschüttelt oder ein Autogramm geschrieben habe, habe ich diese besondere Verbindung gespürt», so der Italiener. «Vielleicht war es auch so, weil ich älter werde und emotionaler bin.»


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