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Lauf-1-Sieger Jaume Masià (Ducati): Auf Phillip Island dominant wie Bulega
Als das Team Go Eleven Lorenzo Baldassarri als Nachfolger von Andrea Iannone verkündete, legten einige die Stirn in Falten. Bei seinem Renndebüt mit dem Ducati-Superbike in Australien verblüffte er.
Zwei Jahre hielt es Go Eleven mit dem extravaganten Andrea Iannone aus, dann hatte das rührige Team die Nase voll von dessen launischem Verhalten und den Respektlosigkeiten. Doch bei aller Kritik: Der 36-Jährige hat der Truppe auch acht Podestplätze verschafft, darunter der umjubelte Sieg in Aragon 2024.
Aus menschlicher Sicht konnte jeder im SBK-Paddock verstehen, dass Go Eleven sich für 2026 einen anderen Fahrer suchte. Doch als Lorenzo Baldassarri als dessen Nachfolger verlautbart wurde, gab es auch Fragezeichen. Nicht jeder war davon überzeugt, dass «Balda» ähnliche Leistungen wie Iannone bringen kann.
Einen Vorgeschmack auf seine Leistungsfähigkeit bekamen wir während des zweitägigen Tests auf Phillip Island zu Wochenbeginn, den er als Dritter hinter Überflieger Nicolo Bulega und Sam Lowes (beide Ducati) abschloss.
Im Qualifying am Samstag wurde es «nur» Startplatz 7. Doch im Rennen geigte Baldassarri groß auf und sah 6,147 sec hinter Sieger Bulega und 1,5 sec nach dem Zweiten Yari Montella die Zielflagge – sämtliche Podestplätze wurden von Italienern auf einer neuen Ducati V4R erobert.
«Ich wusste, dass das mein Motorrad ist», grinste «Balda» beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Australien. «Als es herauskam, fuhr ich mit der Serienversion, der S. Mit diesem Motorrad habe ich immer trainiert, auf ihm fühle ich mich wohl. Wir bilden eine Einheit. Deshalb wusste ich einigermaßen, was ich zu erwarten hatte, als ich den Schritt auf das Superbike machte. Ich habe aber nicht erwartet, vorne zu fahren. Jetzt habe ich bestätigt, dass das Gefühl und die Geschwindigkeit passen.»
Dabei half, dass Phillip Island Lorenzos Lieblingsstrecke ist. «Dort habe ich mein erstes Podium in der Weltmeisterschaft errungen, in der Moto2-Klasse», erinnerte sich der 29-Jährige. «Das war 2015 – vor elf Jahren! Zurück auf dem Podium zu sein, mit einem richtigen Motorrad, ist eine große Leistung. Und das nach diesem Winter, in dem wir nie trockene Bedingungen hatten. Auf eine gewisse Rundenzeit zu kommen, ist eine Sache und leichter. Aber vorne zu fahren und diesen Rhythmus zu halten, ist nicht so einfach. Deshalb kam dieser Podestplatz etwas unerwartet.»
In der Moto2 war Baldassarri einst ein aufgehender Stern, gewann fünf Grands Prix, kam aber nie über den fünften WM-Rang hinaus. 2022 wechselte er in die Supersport-Klasse und wurde mit dem Team Evan Bros Vizeweltmeister. Yamaha beförderte ihn für 2023 in die Superbike-WM, doch bei GMT94 ging der Italiener ohne Werksunterstützung komplett unter und kam nie über Platz 12 hinaus.
2024 startete er erfolglos mit Ducati und Triumph in der Supersport-WM, dann verletzte er sich. Mit seinem Einsatz in der MotoE im Vorjahr für das süddeutsche Team Dynavolt Intact und Gesamtrang 6 (drei Podestplätze) konnte er wieder Selbstvertrauen tanken.
Beim Reden mit Baldassarri ist keine Verbitterung herauszuhören, was seine kargen Jahre betrifft. «Ich hatte schwierige Saisons, aber die waren nicht umsonst», hielt er fest. «Ich stand kurz davor, dass ich aufhöre in der Weltmeisterschaft Rennen zu fahren. Ich habe aber nie aufgegeben, deshalb sehe ich diese Jahre nicht als Zeitverschwendung. Ich habe mich in dieser Zeit mental und körperlich entwickelt. Okay, ich könnte jetzt vielleicht auch in der MotoGP sein, aber jetzt bin ich hier.»
Der Podestplatz im ersten Rennen ist nicht nur für «Balda» eine gewaltige Erleichterung, sondern auch für das Team Go Eleven. «Jetzt können sie etwas durchatmen», schmunzelte der Mann aus der Region Marche. «Im ersten Jahr mit Andrea lief es sehr gut, er war nach seiner Pause auf Anhieb schnell. Alle waren glücklich, aber im Vorjahr war es für alle schwierig. Jetzt geht es ruhiger zu, das ist gut für das Team und mich. So lässt es sich leichter arbeiten, so können wir gemeinsam wachsen – ohne Erwartungen. Wobei das nach diesem Podestplatz wohl nicht mehr so ist.»
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